Jahresabschluss 2024

I. Geschäfts- und Rahmenbedingungen

Konjunkturelle Rahmenbedingungen im IHK-Bezirk

Angesichts des herausfordernden binnenwirtschaftlichen und internationalen Umfelds konnte die Konjunktur in Ostthüringen im Jahr 2024 nicht Tritt fassen. Die Wirtschaftsleistung in Deutschland ist 2024 im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. Konjunkturelle und strukturelle Belastungen standen einer wirtschaftlichen Erholung im Weg. Neben der schwachen Entwicklung der Binnen- und Auslandsnachfrage waren die Kosten für Energie und Personal sowie die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten die größten Belastungsfaktoren für die Ostthüringer Unternehmen (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage (Quelle: IHK-Konjunkturumfragen Jahreswechsel 2023/2024, Frühjahr 2024, Herbst 2024 und Jahreswechsel 2024/2025).
Die Bewertungen der Geschäftslage waren – ausgehend von einem ohnehin niedrigen Niveau – im Jahresverlauf 2024 weiter rückläufig. Zum Jahreswechsel 2023/2024 berichteten noch 29 Prozent der Ostthüringer Betriebe von einer guten Geschäftslage, 42 Prozent der Unternehmen beurteilten diese als befriedigend und weitere 29 Prozent als schlecht. Zum Jahreswechsel 2024/2025 meldeten nur noch 22 Prozent der Ostthüringer Unternehmen gute Geschäfte, weitere 42 Prozent bewerteten ihre wirtschaftliche Situation als befriedigend bzw. saisonüblich, während 36 Prozent ein negatives Urteil fällten. Somit ergibt sich im Jahresverlauf 2024 ein Rückgang bei den Bewertungen zur Geschäftslage um 14 Saldenpunkte (Quelle: IHK-Konjunkturumfragen Jahreswechsel 2023/2024, Frühjahr 2024, Herbst 2024 und Jahreswechsel 2024/2025).
Aus nahezu allen Branchen meldeten die Unternehmen 2024 überwiegend schwache Stimmungswerte. Die Konjunkturflaute traf dabei vor allem die Industrie, die ohnehin durch die notwendigen Anpassungen zur Dekarbonisierung, Digitalisierung und Fachkräftesicherung mehr als die meisten anderen Branchen vor Herausforderungen gestellt ist. Zum Jahreswechsel 2024/2025 berichteten 61 Prozent der Ostthüringer Industrieunternehmen von rückläufigen Auftragseingängen im Vergleich zum Vorjahr. Nur 11 Prozent der Betriebe verzeichneten ein Plus bei ihren Bestellungen (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Jahreswechsel 2024/2025).
Auch die Unternehmen im Baugewerbe sahen sich einer Reihe von Herausforderungen ausgesetzt. Neben den hohen Baukosten wirkten sich insbesondere der Fachkräftemangel und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen negativ auf die Planungssicherheit und Auftragslage der hiesigen Bauunternehmen aus. Der Handel bekam die schlechte Verbraucherstimmung unmittelbar zu spüren. Im Verkehr und im Gastgewerbe belasteten vor allem der hohe Kostendruck (Energie und Personal) sowie der Fach- und Arbeitskräftemangel die Geschäfte. Vergleichsweise robust präsentierte sich indes die Stimmung im Ostthüringer Dienstleistungsgewerbe, wobei aber auch hier die schwache Konjunkturentwicklung ihre Spuren in Gestalt von Nachfragerückgängen bei vielen Unternehmen hinterließ (Quelle: IHK-Konjunkturumfragen Jahreswechsel 2023/2024, Frühjahr 2024, Herbst 2024 und Jahreswechsel 2024/2025).
Die angespannte konjunkturelle Lage hat sich auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen ging zurück. Im Dezember 2024 betrug die Arbeitslosenquote im IHK-Bezirk Ostthüringen 6,6 Prozent. Im Vorjahresmonat lag sie bei 6,5 Prozent (Quelle: Agentur für Arbeit Thüringen Ost, https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/thueringen-ost/presse/2025-2-der-ostthuringer-arbeitsmarkt-im-dezember-2024). Zugleich stellte der Fach- und Arbeitskräftemangel viele Unternehmen in der Region weiter vor Herausforderungen bei der Personalgewinnung. So berichteten 36 Prozent der Ostthüringer Unternehmen, offene Stellen längerfristig (mehr als zwei Monate) nicht besetzen zu können, weil sie keine passenden Arbeitskräfte finden (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Herbst 2024).
Zum Jahresende 2024 zählt die IHK Ostthüringen zu Gera 30.728 (Vj. 30.587) Mitgliedsunternehmen.

Geschäftsverlauf und Lage der IHK im abgelaufenen Geschäftsjahr

Das abgelaufene Geschäftsjahr verlief für die IHK ertrags- und aufwandsseitig besser als geplant, so dass das geplante negative Jahresergebnis geringer ausfiel als geplant. Die Erträge aus IHK-Beiträgen lagen leicht über der Planung, ebenso die Sonstigen betrieblichen Erträge. Die Aufwendungen im Material- und Personalaufwand fielen deutlich niedriger aus als geplant.
Die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten der IHK-Mitglieder sowie die Energiekosten-entwicklung in Folge des Ukrainekrieges hatten im Jahr 2024 noch keine relevanten Auswirkungen für den IHK-Haushalt.

Inhaltliche Schwerpunkte der IHK-Arbeit

Im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben gemäß § 1 des IHK-Gesetzes ist die IHK die unabhängige wirtschaftspolitische Interessenvertretung der IHK-Mitgliedsunternehmen in der Region, in Thüringen, auf Bundes- und EU-Ebene. Sie führt hoheitliche, vom Staat übertragene Aufgaben in Eigenverantwortung aus und erbringt wirtschaftsorientierte Dienstleistungen im Interesse der IHK-Mitgliedsunternehmen.
Um diesen Anspruch auf hohem Niveau erfüllen zu können, hat die IHK Ostthüringen zu Gera im Jahr 2015 ein Qualitätsmanagementsystem nach der Norm DIN EN ISO 9001:2008 in Kraft gesetzt. Das System wurde seitdem jährlich extern überprüft, das aktuelle Zertifikat der CERTQUA GmbH, Sitz Bonn, hatte eine Gültigkeit bis zum 10. Juni 2024. Die IHK hat sich in 2024 entschieden, das Qualitätsmanagementsystem mangels relevanter Prüfungsfeststellungen in den letzten Jahren aus Effizienzgründen auf regelmäßige interne Überprüfungen zu reduzieren.
Der Interessenvertretung durch die IHK kam in der seit Längerem schwierigen politischen und wirtschaftlichen Situation weiterhin besondere Bedeutung zu, vor allem mit Blick auf die Landtagswahl in Thüringen im September 2024 und die vorgezogene Bundestagswahl im Februar 2025. Instrumente dafür waren u.a. Wahlforen, direkte Politikkontakte auf Kommunal- und Landesebene, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, IHK-Forderungspapiere, Stellungnahmen sowie die intensive Unterstützung der Interessenvertretung durch die DIHK auf Bundes- und Europaebene. Die Politikberatung gegenüber der Landes- und Bundespolitik war inhaltlich stark geprägt durch die enormen Bürokratiebelastungen der Unternehmen, hohe Energiepreise und das schwache Konsumklima. So befasste sich die IHK mit 80 Themen/Gesetzgebungsvorhaben in verschiedenen wirtschaftsrelevanten Bereichen und gab dazu 44 Stellungnahmen ab.
Die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse ist gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent auf 1.881 gesunken und liegt damit wieder auf Vor-Corona-Niveau. Insgesamt betreute die IHK über alle Ausbildungsjahre 4.727 Ausbildungsverhältnisse (Vorjahr 4.647).
In der Berufsorientierung wurde die in 2023 gestartete bundesweite IHK-Azubikampagne unter Beibehaltung der bewährten Mittel der Thüringer Elternkampagne fortgesetzt. Das IHK-Schülercollege konnte als außerschulisches Angebot zur beruflichen Orientierung ausgebaut werden. Insgesamt 485 Jugendliche beteiligten sich an 110 verschiedenen Angeboten für Tagespraktika. An Arbeitsgemeinschaften und Seminaren nahmen 398 Jugendliche teil. Auch das Unterstützungsangebot der IHK zum Anwerben ausländischer Azubis wurde von zunehmend mehr Unternehmen genutzt.
In der Informations- und Beratungstätigkeit bildeten u.a. die aktuellen Herausforderungen der Unternehmen bei der Fachkräftesicherung, Unternehmensnachfolge, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die zunehmenden bürokratischen Regelungen in allen unternehmerischen Bereichen sowie die Themen IT-Sicherheit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Schwerpunkte

II. Vermögens-/Finanz-/Ertragsentwicklung und -lage

Ertragslage

Die IHK schließt das Geschäftsjahr 2024 mit einem negativen Jahresergebnis von -2.447,8 T€ (+1.193,2 T€ in 2023) ab. Im Vorjahresvergleich ist das Jahresergebnis um 3.641,0 T€ schlechter ausgefallen. Der Jahresfehlbetrag ist um 1.978,0 T€ geringer ausgefallen als geplant.
Das Betriebsergebnis beläuft sich auf -2.537,6 T€ und liegt damit 3.617,9 T€ unter dem Vorjahr und 2.015,0 T€ über Plan.

Die Betriebserträge betragen insgesamt 10.044,6 T€ und haben den Planwert um 928,5 T€ überschritten. Im Vorjahresvergleich sind die Betriebserträge um 2.470,9 T€ gefallen. Ausschlaggebend war die mit der Wirtschaftssatzung 2024 beschlossene Absenkung der Grundbeiträge und des Umlagehebesatzes um
50 % gegenüber dem Jahr 2023.
Im Geschäftsjahr lagen die Erträge aus IHK-Beiträgen (5.372,8 T€) mit 245,5 T€ über dem Plan von 5.127,3 T€. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Beitragsvolumen um 2.934,3 T€ verringert.
Die Erträge aus Gebühren (2.404,1 T€) lagen um 3,9 T€ unter dem Planwert und um 9,8 T€ über dem Vorjahresniveau.
Die Erträge aus Entgelten (1.299,8 T€) liegen um 64,0 T€ über dem Plan und um 59,1 T€ unter dem Vorjahresniveau. Der Rückgang gegenüber dem Jahr 2023 ist bedingt durch einen starken Rückgang der Erträge aus Lehrgängen (-133,7 T€), der durch einen Anstieg der Erträge aus Seminaren (+52,9 T€) nicht kompensiert werden konnte.
Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 967,9 T€ (Plan 345,0 T€; Vj. 455,3 T€) liegen deutlich höher als erwartet. Dies resultiert im Wesentlichen aus Erträgen aus der Auflösung von Rückstellungen für Pensionen (in Höhe von 557,0 T€ (Plan 0,0 T€; Vj. 0,0 T€).
Der Betriebsaufwand beträgt 12.582,2 T€. Dies bedeutet - gemessen an den Planwerten der Plan-GuV - eine Unterschreitung von insgesamt 1.086,5 T€ oder 7,9 %.
Im Vorjahresvergleich ist der Materialaufwand um 129,2 T€ gestiegen und liegt mit 409,5 T€ unter dem Planwert. Die Steigerung im Vergleich zu 2023 ist im Wesentlichen entstanden durch die Kampagne anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der IHK (64,6 T€) sowie durch verstärkte Werbung im Rahmen der bundesweiten Ausbildungskampagne Jetzt #KÖNNENLERNEN (74,6 T€).
Der Personalaufwand in Höhe von 6.015,7 T€ liegt mit 436,5 T€ unter Plan. Diese Reduzierung ist die Summe aus der Reduzierung der geplanten Aufwendungen für Gehälter (309,9 T€) sowie der Sozialabgaben und Aufwendungen für Altersvorsorge (126,5 T€). Im Vorjahresvergleich ist der Personalaufwand um 293,0 T€ gestiegen, insbesondere bedingt durch lineare und strukturelle Gehaltserhöhungen im Vergleich zum Vorjahr sowie übergangsweise Doppelbesetzungen von Stellen auf Grund der notwendigen Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
Freie Stellen konnten nicht zeitnah besetzt werden, längere Krankheiten reduzierten die Gehaltsaufwendungen.
Die Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände liegen daher mit 731,3 T€ um 123,5 T€ unter Plan und mit 102,1 T€ über dem Vorjahreswert, insbesondere bedingt durch die Anschaffung von Hardware.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind mit 3.821,0 T€ im Vergleich zum Plan in Höhe von 3.938,0 T€ um 116,9 T€ niedriger ausgefallen.
Das Finanzergebnis ist mit 106,0 T€ geringer als geplant (140,7 T€) und als im Vorjahr (127,0 T€) ausgefallen.
Es ist vorwiegend geprägt durch die gestiegenen Aufwendungen aus Aufzinsungen von Rückstellungen.

Vermögenslage

Die Bilanzsumme verringerte sich im Geschäftsjahr 2024 gegenüber dem Vorjahr um
2.921,1 T€ auf 17.673,8 T€.
Das immaterielle Anlagevermögen und das Sachanlagevermögen haben sich durch Zugänge (971,5 T€) abzüglich Abschreibungen (731,2 T€) und Abgänge (0,0 T€) um 240,3 T€ erhöht.
Das Finanzanlagevermögen hat sich gegenüber dem Vorjahr um 18,0 T€ erhöht, da sich die IHK an der Aufstockung der Kapitalrücklage der IHK DIGITAL GmbH, Berlin, mit einem Betrag 17.990,00 € beteiligt hat.
Das Umlaufvermögen verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 3.271,4 T€, auf Grund der starken Reduzierung des Grundbeitrages und des Umlagehebesatzes für den IHK-Beitrag im Jahre 2024.
Auf der Passivseite verringerte sich das Eigenkapital gegenüber dem Vorjahr durch den Jahresfehlbetrag um 2.447,8 T€ auf 12.345,5 T€.
Die Ausgleichsrücklage ist in Umsetzung der vom BVerwG in seiner Entscheidung vom 9. Dezember 2015 präzisierten rechtlichen Anforderungen an die Bildung von bis dahin pauschal dotierbaren Rücklagen durch eine plausible und nachvollziehbare Risikoprognose unterlegt.
Die Finanzierungsrücklage dient zusammen mit der Nettoposition der Deckung und Finanzierung des langfristig gebundenen, zur Erfüllung der Aufgaben der IHK notwendigen, unbeweglichen Sachanlagevermögens. Diese wird über die Restnutzungsdauer des immobilen Sachanlagevermögens ratierlich aufgelöst (58,7 T€ p.a.).
Im Jahr 2016 erfolgte erstmalig die Dotierung einer Instandhaltungsrücklage für die drei IHK-Gebäude auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens. Es erfolgen regelmäßige Aktualisierungen des Gutachtens. 2024 wurden 609,2 T€ entnommen, davon 578,1 T€ für die Sanierung der Tiefgarage im Bildungszentrum Gera, und entsprechend der Wirtschaftsplanung 2024 296,3 T€ zugeführt.
In 2019 wurde eine Rücklage IT-Basis-Infrastruktur in Höhe von 1.207,0 T€ gebildet. Diese dient der in Zyklen erforderlich werdenden Erneuerung der IT-Basis-Infrastruktur der IHK. Im Jahr 2024 wurden in Höhe der Abschreibung für diese Investition 174,8 T€ entnommen und der Abschreibungsbetrag zuzüglich einer unterstellten 3 %-igen Preissteigerung von 180,0 T€ zugeführt.
Die Pensionsrückstellungen sind im Vorjahresvergleich um 489,1 T€ auf 4.052,9 T€ gesunken. Die Sonstigen Rückstellungen haben sich gegenüber dem Vorjahr um 9,4 T€ auf 451,8 T€ erhöht.
Die Verbindlichkeiten erhöhten sich um 4,1 T€ auf 815,7 T€. Diese bestehen neben Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen im Wesentlichen aus Guthaben von IHK-Zugehörigen, die hauptsächlich aus Korrekturen von Vorauszahlungen von IHK-Beiträgen bei nachträglicher Änderung der Bemessungsgrundlagen resultieren (2023: 322,2 T€, 2024: 294,9 T€).

Finanzlage

Die Liquidität der IHK war im Geschäftsjahr 2024 durch die Guthaben bei Kreditinstituten gesichert. Der Finanzmittelbestand beträgt zum Bilanzstichtag 8.252,4 T€. Er ist damit um 3.021,7 T€ geringer als am 31.12.2023.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr liegt der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit bei -2.032,4 T€.
Der Cashflow aus der Investitionstätigkeit beträgt -989,3 T€.

Die Grundsätze des Finanzmanagements sind in der Dienstanweisung für die Finanzwirtschaft geregelt.

Investitionen

Die IHK hat im Berichtsjahr Investitionen in das Sachanlagevermögen und in die immateriellen Vermögensgegenstände in einem Volumen von 971,5 T€ vorgenommen.

III. Personalbericht

Die Anzahl der Mitarbeiter/innen ist mit 86,75 im Jahresdurchschnitt 2024 (Mitarbeiteräquivalente 82,08) und mit 89,75 im Jahresdurchschnitt 2023 (Mitarbeiteräquivalente 85,29) leicht gefallen (ohne Auszubildende/ Mitarbeiter in Elternzeit, geringfügig Beschäftigte).
Von ihnen waren 3,8 Mitarbeiter in geförderten Projekten tätig.
Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 40 Stunden.
Weitere Mitarbeiterdaten können der Personalübersicht des Anhangs entnommen werden.
Die Herausforderungen in der Personalgewinnung und -entwicklung werden weiterhin in der Altersstruktur der Mitarbeiter deutlich. Das durchschnittliche Alter aller Mitarbeiter lag bei 47,9 Jahren (Vorjahr 48,9 Jahre) und die Betriebszugehörigkeit im Mittel bei 14,4 Jahren (Vorjahr 15,1).
Daher stehen weiterhin regelmäßige Weiterbildungsmaßnahmen und Trainings (individuell bzw. gemeinsam, fachbezogen, im Rahmen von Digitalisierungsprojekten, auch im Rahmen aller Führungskräfte), eigene Berufsausbildung in verschiedenen Ausbildungsberufen, Maßnahmen der Mitarbeiterbindung sowie präventive Gesundheitsförderung im Mittelpunkt der Personalarbeit.

IV. Prognosebericht

Für das Jahr 2025 wurde mit dem Ende 2024 beschlossenen Wirtschaftsplan ein negatives Jahresergebnis von -2.636,4 T€ geplant, um den erwarteten Bilanzgewinn des Jahres 2024 vollständig zu verwenden.
Nach der ersten Veranlagung von IHK-Beiträgen im März 2025 zeigt sich, dass das der Veranlagung zugrundliegende Gewerbeertragsvolumen zwar geringfügig höher ist als im Frühjahr 2024 ist, aber deutlich mehr Unternehmen um eine Absenkung der zugrundliegenden Gewerbeerträge gebeten haben und die Anzahl der erforderlichen Zahlungserinnerungen ebenso sowie deren Volumen im April 2025 um ca. 20 % gegenüber 2024 angestiegen ist. Es ist daher unsicher, ob die geplanten Erträge aus IHK-Beiträgen realisiert werden können. Ob daraus Auswirkungen auf das Jahresergebnis entstehen werden, ist angesichts der weitgehend planmäßigen Entwicklung der weiteren Erträge und Aufwendungen derzeit nicht absehbar.
Die Ostthüringer Unternehmen rechnen für 2025 überwiegend nicht mit einer konjunkturellen Trendwende. Zwar haben sich im Frühjahr 2025 die Geschäftserwartungen gegenüber der zweiten Jahreshälfte 2024 leicht verbessert – nicht zuletzt aufgrund erhoffter positiver Impulse durch das geplante Investitionspaket der neuen Bundesregierung –, der Ausblick auf die kommenden Monate ist aber bei vielen Betrieben weiter von Skepsis und Zurückhaltung geprägt. Jedes zweite Ostthüringer Unternehmen erwartet in der IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2025 keine Veränderung der Lage, 34 Prozent der Betriebe gehen von einer schlechteren Geschäftsentwicklung aus. Zuversichtlich zeigen sich nur 13 Prozent der Unternehmen (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2025).
Die Verunsicherung der Betriebe zeigt sich nicht zuletzt in den nach wie vor schwach ausgeprägten Investitionsabsichten. Ein größeres Budget für Investitionen haben im Frühjahr 2025 nur 13 Prozent der Unternehmen vorgesehen. Demgegenüber erwarten 54 Prozent der Betriebe geringere oder keine Investitionsausgaben. Bei den geplanten Investitionen liegt der Schwerpunkt auf der Ersatzbeschaffung. Angesichts des wachsenden Kostendrucks rücken auch Rationalisierungsmaßnahmen stärker in den Fokus. Kapazitätserweiterungen sind indessen nur bei 19 Prozent der Firmen ein Investitionsmotiv (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2025).
Auch die Nachfrage am Arbeitsmarkt dürfte sich nur verhalten entwickeln. Laut der IHK-Konjunkturumfrage im Frühjahr 2025 planen lediglich acht Prozent der Betriebe die Schaffung neuer Stellen, 69 Prozent erwarten keine Veränderung und 23 Prozent der Firmen eine niedrigere Beschäftigtenzahl in den kommenden 12 Monaten (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2025).
Hohe Steuern, zu viel Bürokratie und zu lange Genehmigungsverfahren - das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Ostthüringer Unternehmen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, gefolgt von den Arbeitskosten, der Binnennachfrage und den Energiepreisen. Insgesamt ist die Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit unverändert der vorherrschende Faktor bei der Einschätzung der Geschäftsentwicklung (Quelle: IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr 2025).

V. Chancen- und Risikobericht

In vielen Bereichen der Wirtschaft bleibt der Problemdruck hoch. Nicht nur konjunkturelle Risiken, wie eine schwächelnde Nachfrage im Inland, setzen der Wirtschaft zu. Insbesondere auch strukturelle Probleme, wie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die Arbeitskosten, der Fachkräftemangel oder die weiterhin hohen Energie- und Rohstoffpreise, bereiten Sorge. Mit Blick auf die nachteiligen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stechen insbesondere die Belastungen durch Bürokratie und Steuern, Planungsunsicherheiten und Handelsbarrieren heraus.
Ein bedeutendes Geschäftsrisiko ist die Entwicklung der Inlandsnachfrage. Darin spiegelt sich nicht nur die Kaufzurückhaltung der Verbraucher wider, sondern auch die Schwäche und anhaltende Auftragsflaute in der Industrie. Die Ursache liegt neben den anhaltend niedrigen Investitionsplänen im Inland auch an der gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Zudem drückt eine schleppende Industrieproduktion in den entwickelten Volkswirtschaften die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe.
Betriebswirtschaftliche Herausforderungen ergeben sich vielerorts zudem durch steigende Kosten, vor allem für Personal und Energie. Dahinter verbergen sich nicht nur die Lohnsteigerungen als Folge der zwischenzeitlich hohen Inflationsraten. Auch die demografisch bedingten Arbeitskräfteengpässe lassen Fachkräfte knapper und damit teurer werden. Hinzu kommen die steigenden Belastungen durch die Sozialversicherungen. Im Energiebereich liegen die Gas- und Strompreise noch immer deutlich über dem Vorkrisenniveau und sind auch zuletzt wieder angestiegen.
Die Aussichten für das weltweite Wirtschaftswachstum und den Welthandel sind gedämpft und es gibt viele Unsicherheiten. Zunehmender Protektionismus, wie beispielsweise konkret angedrohte Zölle durch die US-Administration, belastet die globalen Handelsbeziehungen. Einschränkungen der Auslandsgeschäfte hiesiger Unternehmen sind künftig nicht auszuschließen.
Unternehmensnachfolgen erfolgreich zu regeln, stellt für die gesamte Wirtschaftsregion Ostthüringen weiterhin eine große Herausforderung dar. In Ostthüringen wurden die meisten Unternehmen Anfang der 1990er Jahre gegründet. Sie stehen nun vor einem Generationswechsel. Unternehmertum ist unter den aktuellen wirtschaftspolitischen Bedingungen, den bürokratischen Lasten und den persönlichen Herausforderungen nur schwer umzusetzen. Beobachtet werden muss, dass Unternehmen schließen und damit Wirtschaftskraft verloren geht.
Entwicklung und Verlauf der o.g., zum Teil ineinander greifenden Krisen können negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation im IHK-Bezirk und damit auf Beiträge, Entgelte und Gebühren sowie die korrespondierenden Aufwendungen haben. Bei den IHK-Beiträgen liegt das Risiko in steigenden Stundungen, Zahlungsausfällen sowie in sinkenden Vorauszahlungen. Damit kann ggf. das geplante Jahresergebnis nicht erreicht werden. Durch die großen Unsicherheiten im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung könnten Unternehmen auch Ausbildungen zurückfahren und IHK-Dienstleistungen in der Weiterbildung weniger nachgefragt werden.
Auch der Fachkräftemangel ist für die IHK weiter ein ernstzunehmendes Risiko. Der gewachsene Abstand zu den Vergütungen in verschiedenen Branchen und im öffentlichen Dienst erschwert zunehmend die Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. Dies könnte zu Personalmangel und weiteren Herausforderungen in den betroffenen Bereichen führen. Es ist wichtig, attraktive Arbeitsbedingungen und wettbewerbsfähige Vergütungen anzubieten zu können und so die Mitarbeitergewinnung und -bindung zu erleichtern.
Im Zusammenhang mit der Umsetzung eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts bezüglich der Rücklagendotierung der IHKs wurde auch im Jahr 2024 eine Risikoinventur durchgeführt. Infolgedessen wurden die einzelnen Risiken bewertet und diese aggregiert. Die IHK Ostthüringen zu Gera hat sich dabei an den auf der DIHK-Ebene vereinbarten Standards orientiert und dann eine von Wirtschaftsprüfern geprüfte Softwarelösung angewendet. Für die so ermittelten Risiken wurden entsprechende Rücklagen gebildet sowie Vorsorge durch Versicherungen betrieben.
  • Für anstehende Instandhaltung an den Gebäuden der IHK wurde eine Instandhaltungsrücklage gebildet.
  • Die Ausgleichsrücklage betrifft die Risiken, die mit den Erträgen sowie mit den Aufwendungen verbunden sind. Sie deckt diejenigen ergebniswirksamen Risiken ab, denen die IHK trotz präventiver Maßnahmen ausgesetzt ist und für die sie deshalb Vorsorge zu treffen hat. Derartige Risiken wurden im Wesentlichen bei den Beiträgen, Gebühren und Entgelten identifiziert. Außerdem bestehen IT-Risiken (technische Störungen, Risiken durch Dienstleister). Zur Ermittlung der Risikosumme greift die IHK auf eine Risikoanalyse und -bewertung zurück.
  • Der Bestand der Versicherungen wurde an einen Versicherungsmakler übertragen und wird seitdem regelmäßig im Rahmen eines Jahresgesprächs mit dem Versicherungsmakler überprüft. Sofern erforderlich, werden Deckungsbereiche und/oder Deckungssummen angepasst. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass der vorhandene Versicherungsschutz die vorhandenen und absehbaren Risiken bestmöglich abdeckt.
Chancen können aus der Übertragung weiterer hoheitlicher Aufgaben entstehen, die aufgrund des Kostendeckungsprinzips bei Gebühren allerdings nicht zu einer Verbesserung der Ertragslage führen können.
Chancen für Kosteneinsparungen können sich mittelfristig auch aus einer verstärkten Zusammenarbeit, Kooperation und Arbeitsteilung von IHKs - auch auf Grund des eingeleiteten Digitalisierungsprozesses und eines künftigen KI-Einsatzes innerhalb der IHK-Organisation - ergeben.
Seit 2010 wurde in der IHK unter Beteiligung aller Geschäftsbereiche ein IHK-Managementsystem entwickelt, das u.a. der laufenden Steuerung der einzelnen Bereiche der IHK, der Qualitätssicherung und Risikovorsorge dient. Das System wird regelmäßig auf die bestehenden Entwicklungen, Organisationsstrukturen und Prozessabläufe angepasst.

VI. Nachtragsbericht

Es bestehen keine Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem Bilanzstichtag, die einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben.
Gera, 2. Juli 2025

Dr. Ralf-Uwe Bauer
Präsident
Peter Höhne
Hauptgeschäftsführer