Wirtschaftskiller: Hohe Energiepreise!

Die deutsche Wirtschaft steckt weiter in der Krise und ein Ende ist nicht in Sicht. Für viele Firmen ist der Standort Deutschland kaum noch bezahlbar. Vor allem Strom und Wärme sind im internationalen Vergleich extrem teuer. Wettbewerbsfähigkeit, Standort und Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Im Jahr 2022 schossen die Energiepreise in Deutschland wegen der ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland in die Höhe – und haben sich bis heute nicht erholt. Ende 2024 war Gas für deutsche Unternehmen immer noch mehr als doppelt so teuer wie drei Jahre zuvor, zeigt eine Sonderstudie der Stiftung Familienunternehmen.
Laut dem Gutachten ist Deutschland auch bei den Strompreisen abgehängt: Im zweiten Halbjahr 2024 zahlten Unternehmen hier im Schnitt rund 13 Cent pro Kilowattstunde mehr als Wettbewerber in den USA. Kein Wunder also, dass fast 50 Prozent der Ostthüringer Unternehmen die Energiekosten als großes wirtschaftliches Risiko sehen. „Unsere neueste Konjunkturumfrage zeigt abermals: Eine bezahlbare und sichere Energieversorgung ist die Grundlage für Wirtschaftswachstum“, sagt Almut Weinert, Geschäftsbereichsleiterin Wirtschaft und Technologie der IHK Ostthüringen.
Die IHK Ostthüringen zu Gera fordert daher, folgende Sofortmaßnahmen zügig umzusetzen:

1. Stromsteuer für alle Unternehmen senken

Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung versprochen, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken. Ab Januar 2026 profitieren davon aber nur das produzierende Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft: Laut Schätzungen der DIHK betrifft das lediglich rund 15 Prozent aller deutschen Unternehmen. Für den Mittelstand ist das ein Schlag ins Gesicht. Alle Unternehmen in Deutschland benötigen eine spürbare Entlastung.

2. Netzentgelte spürbar reduzieren

Netzentgelte werden als regulierter Bestandteil des Strompreises für Betrieb, Wartung, Instandhaltung und Ausbau der Netze erhoben. Sie sind regional unterschiedlich – machen aber im Schnitt circa ein Drittel des Strompreises aus. Unternehmen, die etwa eine Solaranlage besitzen, könnten ihre Netzentgelte senken, da sie statt Strom aus dem öffentlichen Netz eigene Solarenergie nutzen. Oft scheitert das jedoch an fehlenden direkten Anschlüssen an die Stromversorgungsnetze. Die Bundesregierung muss hier Prioritäten setzen: Firmen, die ihre Energieversorgung selbst in die Hand nehmen, brauchen einen schnellen und unkomplizierten Zugang zum Versorgungsnetz – als finanzielle Entlastung und Anreiz für energieeffiziente Investitionen.

3. Energiewende effizient und marktwirtschaftlich ausrichten

Die aktuelle Energiepolitik ist teuer und wenig wirtschaftlich. Eine DIHK-Studie beziffert die Kosten der Energiewende bis Mitte des Jahrhunderts auf 5,4 Billionen Euro. Bundesregierung und EU müssen die Energiewende neu aufstellen: Innovation statt Mikromanagement, Wettbewerb statt Regulierungsflut. Klimaschutz darf die Wirtschaftlichkeit nicht gefährden.
Mehr zur „Plan-B-Studie“ der DIHK
ihk.de/gera/magazin/thema

Energieeffizienz ohne Steuerungswut

Durch die zunehmende Elektrifizierung wird der Strombedarf in den nächsten Jahren weiter steigen. Versorgungssicherheit und eine effiziente Nutzung der Energie werden damit zum entscheidenden Standortfaktor. „Unsere Unternehmen stehen zu einer verantwortungsvollen Nutzung von Energie“, betont Almut Weinert. Regulierungswut und Bürokratie seien Ausdruck des erheblichen Misstrauens gegenüber der Wirtschaft. „Oberlehrerhaft wird den Unternehmern nicht nur das Ziel, sondern auch der exakte Weg dahin vorgegeben“, so die Geschäftsbereichsleiterin. Die IHK fordert deshalb:

4. Energieeffizienz durch Eigenverantwortung und Innovation erreichen

Acht von zehn Unternehmen in Deutschland halten laut DIHK-Energiewendebarometer 2025 die Prinzipien Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit für essenziell wichtig. Energieeffizienz- und Gebäudeenergiegesetz sollten deshalb klare Zielvorgaben definieren – aber den Unternehmen nicht jede Detailmaßnahme vorschreiben. Nur wenn Betriebe selbst entscheiden können, wie sie Effizienz erreichen, werden sie wirklich kreativ und investitionsbereit. Überbordende Berichtspflichten und komplexe Vorgaben halten dagegen von der eigentlichen Aufgabe ab, Energie einzusparen und Prozesse zu optimieren.
Dass die Unternehmen in Ostthüringen keinen politischen Lehrmeister brauchen, zeigen sie täglich: Energieeffizientes Arbeiten gehört in vielen Betrieben längst zum Alltag und wird stetig verbessert. Die IHK unterstützt die Firmen dabei als Partner und Netzwerker. Im aktuellen Titelthema stellen wir ausgewählte Ostthüringer Unternehmen vor, die eigene Ideen für mehr Energieeffizienz umsetzen.

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