Zusammenrücken für die Lahrer Innenstadt: Großer Erfolg beim 1. Immobilien-Trialog

Eigentümer als Schlüsselakteure der Transformation

Dass der Bedarf an einem strukturierten Austausch riesig ist, zeigte sich schon vor Beginn der ausgebuchten Veranstaltung. Besonders erfreulich: Rund 50 Prozent der anwesenden Teilnehmenden stammten direkt aus dem gewerblichen Immobilieneigentum der Lahrer Innenstadt.
Oberbürgermeister Markus Ibert betonte in seinem Grußwort, dass eine zukunftsfähige Innenstadtentwicklung nur im engen Zusammenwirken gelingen kann: „Ohne einen regelmäßigen, offenen und strategischen Austausch können sich keine tragfähigen und nachhaltigen Lösungen entwickeln.“

Mietpreisentwicklung: Spreizung der Lagen erfordert neue Wege

IHK-Innenstadtberater Thomas Kaiser präsentierte die aktuellen Daten der Lahrer Gewerbemiethöhen im Vergleich zu den erhobenen Werten von 2021. Die Analyse verdeutlichte eine zunehmende Spreizung: Während die absoluten 1A-Spitzenlagen im Kernbereich insbesondere der südlichen Marktstraße stabil performen, stehen die Nebenlagen und hier auch schon der nördlicher Teil der Marktstraße und die Kaiserstraße unter erheblichem Anpassungsdruck. Hintergrund der Spreizung der Lagen sind auch die in den unterschiedlichen Lagen schon über ein Jahr gemessenen Passantenfrequenzen.
Die Diskussion und die im Rahmen der IHK Innenstadtberatung erstellten Immobilien-Steckbriefe der damals vorliegenden 43 Leerstände zeigten jedoch, dass viele Vermieter die Marktveränderungen bereits aktiv annehmen. Außerhalb der Top-Lagen bewegen sich die gewerblichen Mietniveaus teilweise unter dem Niveau der privaten Wohnungsvermietung (Median in Lahr bei 11,43 EUR/m² (nicht gutachterlich ermittelt). Hieraus ergeben sich völlig neue Perspektiven. Stefan Löhr, Leiter des Stadtplanungsamts, stellte in diesem Kontext das erfolgreich anlaufende Sanierungsprogramm der Stadt vor, welches attraktive steuerliche und finanzielle Anreize für Modernisierungen und mögliche Umnutzungen bietet. Allerdings stellt Kaiser auch fest, dass die unteren Einstiegsspannen der Mieten mit 20 EUR/m² für Ladenflächen in Lahr zu hoch sind, um einen wirtschaftlich tragfähigen Betrieb zu sichern. Das gilt im Bestand wie auch bei potentiellen Neuansiedlungen.

Der Mix macht’s: Kommerzielle und nicht-kommerzielle Konzepte gefragt

Ein zentraler Schwerpunkt des Abends lag auf der Aktivierung und dem Management von Leerständen. Martina Mundinger (Stadtmarketing) beleuchtete die Dynamik im Lahrer Gewerbebestand, während Wirtschaftsförderer Robin Derdau und Dr. Carsten Hutt (Werk-ISI) von den jüngsten Erfolgen temporärer Nutzungen berichteten. Die vierwöchige „Werk.Stadt.Lahr.“ am Schlossplatz und der Jugendraum am Urteilsplatz haben eindrucksvoll bewiesen, wie leerstehende Flächen als Innovationsschmieden oder soziale Begegnungsorte neu belebt werden können. Solche temporären Nutzungen sollten auch das Ziel haben, daraus tragfähige Betreibermodelle zu entwickeln, die auch ohne Förderung funktionieren.
Dass die Zukunft der Innenstadt in einem ausgewogenen Mix aus kommerziellen Angeboten und neuen, frequenzbringenden Nutzungen liegt, spiegelte sich auch in den interaktiven Live-Umfragen des Abends wider. Auf die Frage nach dem größten Potenzial für alternative Nutzungen abseits des klassischen Einzelhandels kristallisierte sich im Plenum ein klarer Favorit heraus: der sogenannte „Dritte Ort“ – Räume für Begegnung, Kultur, Co-Working und bürgerschaftlichen Dialog.

Der Tenor: Der Trialog geht weiter!

Am Ende des intensiven Austauschs stand ein eindeutiges Votum der 51 Teilnehmenden: Der Immobilien-Trialog darf keine Eintagsfliege bleiben. Es bestand über alle Akteursgruppen hinweg der ausdrückliche Wunsch, dieses Netzwerk fortzusetzen, um den angestoßenen Transformationsprozess in Lahr weiterhin aktiv, partnerschaftlich und lösungsorientiert zu begleiten.
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