Konjunktureller Impuls am südlichen Oberrhein
Ist das schon mehr als nur das Licht am Ende des Tunnels? Die konjunkturelle Lage hat sich bundesweit in der zweiten Jahreshälfte verbessert, und auch am südlichen Oberrhein deutet vieles auf eine bessere Lage und Stimmung der mittelständischen Wirtschaft hin. Doch reicht das bereits für eine nachhaltige Trendwende?
„Wir sehen keine Hochkonjunktur, aber wir entwickeln uns positiv“, sagte Alwin Wagner, der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, bei der Vorstellung der IHK-Konjunkturumfrage zum Herbst am 21. Oktober in Freiburg. „Wir können von einem kleinen Aufschwung sprechen.“
Das aktuelle Stimmungsbild der südbadischen Wirtschaft zeigt der Index der Geschäftslage an. Der Indikator verbesserte sich schon zum dritten Mal in Folge. Lag der Index im vergangenen Herbst noch bei schwachen fünf Punkten, ist er nun auf 24 Punkte geklettert. 38 Prozent der befragten Unternehmen geben an, über eine gute Geschäftslage zu verfügen, während nur 15 Prozent mit ihr aktuell unzufrieden sind. Den Aufschwung spürt auch die Lahrer IT-Unternehmerin und IHK-Präsidentin Brigitta Schrempp: „Im vergangenen Jahr ging es vor allem um Erhaltungsinvestitionen, in diesem Jahr sind unsere Kunden dagegen viel investitionsfreudiger.“
IHK-Präsidentin Brigitta Schrempp und der Stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Alwin Wagner gaben Ende Oktober in Freiburg eine Einschätzung zur konjunkturellen Lage in Südbaden ab.
Wie aus der Konjunkturumfrage hervorgeht, sind in allen betrachteten Branchen die zufriedenen Unternehmen in der Mehrzahl. Darüber hinaus konnte sich die Lagebewertung auch in allen Branchen im Vergleich zum Frühjahr verbessern. Während das Gastgewerbe und die Bauwirtschaft dabei deutliche Zugewinne bei der Geschäftslage verbuchen konnten, fallen diese in Industrie, Handel und Dienstleistung eher geringer aus.
Wie fällt der Blick auf die kommenden Monate aus? Der Index der Geschäftserwartungen befindet sich seit Langem auf sehr niedrigem Niveau. Schon seit mehr als drei Jahren bewertet eine Mehrheit der Unternehmen ihre wirtschaftliche Zukunft negativ. Zum Herbst ist dieses Verhältnis nun erstmals wieder ausgeglichen. Jeweils ein Fünftel der Unternehmen zählen zu den Optimisten beziehungsweise Pessimisten. Auch wenn der Index der Geschäftserwartungen in der Folge kräftig um 14 Punkte auf den Wert null steigt, kann dies noch nicht als Einzug eines breiten Optimismus in der Unternehmerschaft gewertet werden. „In manchen Teilen der Industrie ist die Situation aufgrund der strukturellen Veränderungen weiter angespannt“, sagte Wagner.
Inwieweit das Anziehen der Konjunktur als nachhaltig eingeschätzt wird und damit das Vertrauen in den Standort stärkt, zeigt sich vor allem beim Index der Inlandsinvestitionen. Der Aufwärtstrend fällt hier aber geringer aus. Zwar steigt der Index zum zweiten Mal in Folge von minus sechs Punkten zum Jahresbeginn auf null Punkte zum Herbst. Insgesamt aber bleiben die Investitionsplanungen verhalten. Mit jeweils einem Fünftel beabsichtigt in etwa ein gleich großer Anteil, seine Investitionen auszuweiten beziehungsweise zurückzufahren. Zwischen den Jahren 2010 und 2019 waren die Investitionspläne der Unternehmen fast durchgängig expansiv. Wagner: „Das Bild ist eher: investieren, um handlungsfähig zu bleiben, aber nicht, um Kapazitäten zu erweitern.“
Auch die Pläne der Unternehmen, ihr Beschäftigungsniveau wieder hochzufahren, sind verhalten. Nur 13 Prozent der Betriebe beabsichtigen derzeit, ihre Belegschaft zu vergrößern, während der Anteil jener, die über eine Reduzierung nachdenken, mit 24 Prozent weiterhin deutlich höher liegt. Auf der einen Seite zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen, die aktuell keine Fachkräfte suchen, mit 39 Prozent so hoch liegt wie selten zuvor. Die gesunkene Nachfrage bei der Fachkräfteverfügbarkeit sorgt also für ein gewisses Maß an Entspannung. Keine Probleme bei der Besetzung von Stellen hatten 22 Prozent, 40 Prozent haben nach wie vor Probleme, offene Stellen zu besetzen. Differenziert nach Branchen bleiben die Bauwirtschaft mit 51 Prozent und das Hotel- und Gastgewerbe mit 48 Prozent die Sektoren der Wirtschaft, die hier auf die höchsten Hürden bei der Fachkräftesuche treffen.
„Jammern bringt uns in der aktuellen Situation nicht weiter.“
Die IHK-Präsidentin Schrempp blickt trotz der weiterhin gedämpften Investitions- und Einstellungspläne vieler Unternehmen positiv in die Zukunft: „Jammern bringt uns in der aktuellen Situation nicht weiter, wir müssen positiv nach vorne schauen und in ein Fahrwasser kommen, das uns wieder nach vorne bringt.“ Sie sieht einen klaren Vorteil der Region mit ihrer großen Branchenvielfalt. „Das hilft uns, Abhängigkeiten zu reduzieren.“
Wo liegen die gravierendsten Probleme der Unternehmen? Laut der Umfrage sind es vor allem hohe Arbeits- und Energiekosten. Aber auch die pure Versorgung mit elektrischer Energie bereite Probleme. „In Lahr beispielsweise können derzeit keine Industrieflächen angeboten werden, weil die Stromversorgung nicht gewährleistet ist", sagte Schrempp. „Wenn Unternehmen noch nicht einmal ihre Kapazitäten vor Ort erweitern können, haben wir ein ernsthaftes Problem.“ Auch beim Anschluss von Photovoltaikanlagen auf Industriegebäuden gebe es massive Probleme, weil die verfügbaren Netzkapazitäten dies nicht hergeben. Wagner: „Das verursacht volkswirtschaftlichen Schaden und schwächt den Unternehmensstandort.“
Die IHK Südlicher Oberrhein: Stark machen für rund 75.000 Mitglieder
Vom Kleinunternehmer bis zum Weltmarktführer – die IHK Südlicher Oberrhein vertritt die Interessen der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Wir beraten sowohl Startups als auch etablierte Unternehmen, Fachkräfte und solche, die es werden wollen, organisieren Prüfungen und trommeln bei Kommunen und Verwaltungen für optimale Standortbedingungen. Für den Staat übernehmen wir ausgewählte Aufgaben, informieren über neue Zoll-Richtlinien, Wachstumschancen auf ausländischen Märkten oder organisieren zahlreiche Netzwerktreffen und Veranstaltungen.
Über die IHK-Kampagne „Hier geht was!“
Wir geben den erfolgreichen Unternehmen im Rahmen unserer Standortkampagne ein Gesicht: Durch ihre langjährige Erfahrung und Kenntnisse in den verschiedenen Branchen der Region bringen unsere Botschafterinnen und Botschafter jede Menge Expertise mit und können aus erster Hand von den Stärken und Potenzialen des südlichen Oberrheins berichten. Botschafter:innen sind unter anderem Robin Rombach, CEO des Freiburger Start-ups Black Forest Labs, Dr. Dorothea Helmer, Mitgründerin des Freiburger Start-ups Glassomer, oder Europa-Park-Mitgründer Roland Mack. Jeden Monat kommen weitere Standortbotschafter:innen dazu.
Über den IHK-Podcast „Boss Storys“
In unserem neuen Podcast Boss Storys sprechen wir mit Menschen, die die Region aktiv mitgestalten. Unternehmer:innen und Wissenschaftler:istandortkampagnennen, die im Hintergrund agieren, aber auch Menschen aus dem öffentlichen Leben wie Sportler:innen und Kulturschaffende. Sie alle prägen den südlichen Oberrhein auf ganz unterschiedliche Weise. Boss Storys: Erfolgsgeschichten, die Mu