EU-Mercosur Abkommen unterzeichnet
Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein umfassendes Assoziierungs- und Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den vier Gründungsstaaten des Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay). Es regelt den Abbau von Handelshemmnissen (insbesondere Zölle), den verbesserten Marktzugang für Waren und Dienstleistungen, Fragen des öffentlichen Beschaffungswesens, Regeln zum Warenursprung sowie gemeinsame Verpflichtungen zu Umwelt- und Sozialstandards. Ziel ist es, Handel und Investitionen zwischen den Regionen zu vertiefen und rechtliche Rahmenbedingungen für Zusammenarbeit zu schaffen.
Stand: 09. Januar 2026
Das EU-Mercosur-Abkommen befindet sich im Abschluss- bzw. Ratifizierungsprozess. Die EU-Mitgliedstaaten haben dem Verhandlungsergebnis politisch am 9. Januar 2026 zugestimmt. Die Unterzeichnung ist für den Januar 2026 in Asunción (Paraguay) vorgesehen. Im Anschluss folgen noch die formalen Zustimmungs- und Ratifizierungsverfahren, bevor das Abkommen vollständig in Kraft treten kann.
Die nächsten Schritte
- Januar 2026 – Geplante Unterzeichnung des Abkommens in Paraguay.
- Kurz nach Unterzeichnung – Entscheidung über eine mögliche provisorische Anwendung handelspolitischer Teile (nur möglich für Bereiche in alleiniger EU-Kompetenz).
- Wochen bis Monate nach Unterzeichnung – Zustimmung des Europäischen Parlaments (Consent-Verfahren):
der handelspolitische Teil "iTA" (interim Trade Agreement) fällt in die exklusive Kompetenz der EU. Daher benötigt es nach Unterzeichnung – im Gegensatz zum vollständigen EMPA – nur die Zustimmung des Europäischen Parlaments (neben der gesetzlichen Veröffentlichung im EU-Amtsblatt). Eine nationale Ratifikation durch Mitgliedstaaten ist nicht erforderlich. Nach EP-Zustimmung folgt eine formelle Beschlussfassung im Rat (conclusion). Erst danach wird das iTA offiziell im EU-Amtsblatt veröffentlicht und tritt in Kraft (Hinweis: Je nach Branche können Übergangsregelungen gelten). - Kurzum: Das iTA tritt voraussichtlich im ersten Halbjahr 2026 in Kraft, sobald das Europäische Parlament zugestimmt und das formelle "conclusion"-Verfahren im Rat abgeschlossen ist.
- Anschließend – Nationale Ratifizierungsverfahren in den EU-Mitgliedstaaten und in den Mercosur-Parlamenten für das EMPA (schrittweise; kann Monate bis Jahre dauern - überwiegend im Laufe von 2026 bis 2028).
- Endgültiges Inkrafttreten – Sobald die vertraglich festgelegten Ratifizierungsbedingungen erfüllt sind; Teile des Abkommens treten gegebenenfalls gestaffelt in Kraft.
Mercosur - Handlungskurzcheck: Was sollten Unternehmen jetzt tun)
Wichtiger Hinweis: Das Abkommen ist noch nicht in Kraft. Die angekündigten Vorteile — insbesondere der Abbau von Zöllen — gelten derzeit noch nicht. Unternehmen dürfen daher noch nicht von Präferenzzöllen ausgehen. Prüfen Sie laufende Entwicklungen (Unterzeichnung, mögliche provisorische Anwendung, EP-Zustimmung, nationale Ratifizierungen), bevor Sie operative Entscheidungen auf Basis von Zollvorteilen treffen.
Kurzcheck (Prioritäten jetzt):
- Exposure analysieren
Ermitteln Sie Umfang und Risiko Ihrer Handelsbeziehungen mit Mercosur-Staaten. - Ursprungsprüfung vorbereiten (aber nicht automatisch anwenden)
Prüfen, ob Ihre Produkte potentiell die Abkommens-Ursprungsregeln erfüllen. Achtung: Präferenzzollanwendungen sind erst nach formeller Anwendung möglich. - Zoll- und Preisplanung in Szenarien
Erstellen Sie Szenarien für gestaffelten Zollabbau (Best-/Worst-Cases). Planen Sie Margen- und Preisreaktionen, aber setzen Sie Maßnahmen erst um, wenn die provisorische oder endgültige Anwendung bestätigt ist. - Regulatorische Vorbereitung
Klären Sie SPS-, veterinäre und technische Anforderungen jetzt – diese Hürden bleiben bestehen, auch wenn Zölle gesenkt werden. - Verträge & Incoterms prüfen
Ergänzen Sie Vertragsklauseln zu Zoll, Warenursprung und Haftung, damit Sie flexibel reagieren können, falls sich Zeitplan oder Anwendungsumfang ändert. - Dokumentation & Compliance-Prozesse einrichten
Bereiten Sie Abläufe für Präferenznachweise, Ursprungserklärungen und Zollabwicklung vor; aktivieren Sie diese jedoch erst, wenn die Rechtslage es erlaubt. - Risiko- und Chancenbewertung
Analysieren Sie mögliche Konkurrenz aus Mercosur-Importen (insbesondere Agrarprodukte) und identifizieren Sie Chancen für Absatz/Beschaffung. - Monitoring & Kommunikation
Beobachten Sie EP-Abstimmung, nationale Ratifizierungen und Entscheidungen zur provisorischen Anwendung.
Wir halten Sie auf dem Laufenden!
Das Handelsabkommen
Der englische Wortlaut des Handelsabkommens einschließlich aller Anhänge wurde von der EU-Generaldirektion Handel veröffentlicht.
Da Teile des Abkommens bereits 2019 ausverhandelt waren, mussten einzelne Anhänge bereits überarbeitet werden. Dies erkennt man am Hinweis “revised”.
Die Ursprungsregeln ähneln jenen der zuletzt von der EU abgeschlossenen Handelsabkommen. Als Ursprungsnachweis wird die Erklärung zum Ursprung auf Handelsdokumenten dienen.
Für Sendungen mit einem Wert über 6.000 Euro an präferenzberechtigten Waren ist eine Registrierung als REX vorgesehen.
Von welchen Zollvorteilen können Sie profitieren?
Die neue Freihandelszone würde über 700 Millionen Menschen umfassen. Rund 12.500 deutsche Unternehmen exportieren bereits in die Mercosur-Länder, wobei fast 75 Prozent davon kleine und mittlere Betriebe sind. Vom Abkommen profitieren insbesondere Branchen wie:
- Automobile (aktuell 35 Prozent Zoll)
- Maschinen (aktuell 14 bis 18 Prozent)
- Chemikalien (bis zu 18 Prozent)
- Wein (aktuell 27 Prozent)
- Schokolade & Süßwaren (20 Prozent)
Die Zölle sollen schrittweise gesenkt werden. Die vorgesehenen Abbaustufen der Mercosur-Zölle auf EU-Ursprungswaren sind veröffentlicht unter Appendix on tariff elimination schedule for Mercosur bzw. die Änderungen dazu unter Annex: Changes to tariff elimination schedule for Mercosur.
Tipp: Über die Datenbank Access2Markets können Sie prüfen, wie hoch die Zölle für Ihre Waren bei der Einfuhr in die einzelnen Mercosur-Staaten aktuell sind.
Tipp: Über die Datenbank Access2Markets können Sie prüfen, wie hoch die Zölle für Ihre Waren bei der Einfuhr in die einzelnen Mercosur-Staaten aktuell sind.