15.10.2026
Konjunktur fehlt der Schwung – Wirtschaft zwischen Reformhoffnung und Investitionszurückhaltung
Ist dieses Jahr der Herbst der Reformen oder wann soll die Wirtschaft überhaupt noch in Schwung kommen? Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten. Auch im Herbst 2026 kommt die Wirtschaft in Nord-, Mittel- und Westthüringen nicht aus ihrer Schwächephase heraus. Trotz politischer Reformsignale bleibt die Stimmung in den Unternehmen gedrückt. Hohe Energiepreise, Arbeitskosten und unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen bremsen die Betriebe weiterhin aus. Besonders besorgniserregend sind sinkende Investitionsaussichten und Beschäftigungspläne. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt.
Der Konjunkturklimaindex steigt gegenüber dem Frühjahr 2026 lediglich von 80 auf 82 Punkte und bleibt damit weiter unter dem langjährigen Durchschnitt von 101 Punkten. Zwar hat sich die Geschäftslage leicht verbessert: 28 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Situation als gut (Frühjahr: 25 Prozent), 33 Prozent als schlecht (Frühjahr: 38 Prozent). Doch der Blick nach vorn bleibt pessimistisch. 41 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Geschäfte, nur elf Prozent erwarten eine Verbesserung.
„Der Konjunktur fehlt der Schwung, doch für unsere Unternehmen ist Stillstand keine Perspektive. Die Wirtschaft wartet noch immer auf den angekündigten Befreiungsschlag, der Investitionen wieder anregt und die Wettbewerbsfähigkeit stärkt“, erklärt Peter Zaiß, Präsident der IHK Erfurt. „Vor allem müssen die Reformen bei Sozialversicherungen, im Steuerrecht und auf dem Arbeitsmarkt schneller vorankommen und konsequent auf Wachstum und Entlastung ausgerichtet werden. Neue Vorschläge für Steuern, etwa eine Zucker- oder Plastiksteuer oder höhere Pauschalsteuern für Minijobs, senden hingegen das falsche Signal.“, so Zaiß.
Kostenbelastung bleibt größtes Geschäftsrisiko
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt ein Blick auf die Geschäftsrisiken: 79 Prozent der Unternehmen sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen eine wesentliche Gefahr, 72 Prozent in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 63 Prozent in den Arbeitskosten.
„Die Unternehmen brauchen endlich wieder Luft zum Atmen. Deshalb begrüßen wir den Vorschlag des Bundeskanzlers ausdrücklich, die Stromsteuer für die gesamte Wirtschaft auf das europäische Mindestmaß zu senken.“, betont Zaiß.
Investitionen auf Sparflamme – Beschäftigung unter Druck
Die schwache Nachfrage und die unsicheren Rahmenbedingungen bremsen weiterhin die Investitionsbereitschaft. Damit fehlen wichtige Impulse für Modernisierung, Transformation und künftiges Wachstum der Unternehmen.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen (52 Prozent) plant geringere Investitionsausgaben, lediglich 13 Prozent wollen mehr investieren. Im Vordergrund steht dabei der Erhalt des Bestehenden: 89 Prozent der investierenden Betriebe nennen Ersatzbedarf als Investitionsmotiv, 23 Prozent Rationalisierungsmaßnahmen. Nur zwölf Prozent planen Kapazitätserweiterungen.
Auch bei den Beschäftigungsplänen macht sich die Schwächephase bemerkbar: 29 Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsabbau, lediglich sieben Prozent wollen zusätzliches Personal einstellen. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel trotz der aktuellen Konjunkturflaute eine Herausforderung. 39 Prozent der Unternehmen sehen darin ein wesentliches Geschäftsrisiko, dass bei wirtschaftlicher Belebung rasch wieder stärker in den Vordergrund rücken dürfte.
Die Ergebnisse der Herbstumfrage zeigen, dass sich ein konjunktureller Aufschwung nicht herbeireden lässt. Zwischen strukturellen Wettbewerbsnachteilen und geopolitischen Spannungen bleibt die Lage angespannt. Entscheidend sind deshalb konkrete Reformen, die Unternehmen spürbar entlasten, Investitionen ermöglichen und neues Vertrauen schaffen.
Die ausführlichen Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage finden Sie in der Präsentation zum Konjunkturbericht Herbst 2026 sowie auf unserer Website unter Konjunkturentwicklung im IHK-Bezirk Erfurt - IHK Erfurt
Hintergrundinformationen zur Konjunkturumfrage:
Die IHK Erfurt befragt dreimal pro Jahr (zum Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst) rund 650 Unternehmen aus Nord-, Mittel- und Westthüringen der Branchen Industrie, Bau, Verkehrsgewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen zur aktuellen Geschäftslage sowie zu den Erwartungen und Plänen für die kommenden Monate. Die aktuelle Erhebung erfolgte zwischen dem 9. September und dem 2. Oktober 2026. Die Rücklaufquote beträgt 27 Prozent.