Positionierung der IHK Erfurt zur Neuaufstellung des Thüringer Berufsschulnetzes

Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen an den Thüringer Berufsschulen konkretisiert die IHK Erfurt nun ihre, bereits zur Landtagswahl 2024 formulierten, Positionen zur Sicherung einer leistungsfähigen berufsschulischen Ausbildung. Mit der am 17. September 2026 von der Vollversammlung beschlossenen Positionierung zur Neuaufstellung des Thüringer Berufsschulnetzes werden nun konkrete Vorschläge für eine zukunftsfeste Berufsschulnetzplanung vorgelegt. Damit folgt die Vollversammlung den Vorschlägen, die im IHK-Ausschuss Arbeitskräftesicherung und dem Berufsbildungsausschuss erarbeitet wurden.
Ziel ist es ein Berufsschulnetz zu schaffen, das Unterrichtsqualität und Planungssicherheit gewährleistet, den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe Rechnung trägt und die duale Ausbildung in Thüringen nachhaltig stärkt.

Positionen der IHK Erfurt:

1. Zentralisierung zur Qualitätssicherung

Die IHK Erfurt strebt die Zentralisierung von Fachklassen an – zur Bündelung von Lehrkräften und zur Sicherung der Unterrichtsqualität. Zugleich sind überregionale ÖPNV‑Verbindungen zu harmonisieren. Voraussetzung sind gesicherte Lehrkräfteverfügbarkeit (inkl. Ausfallkompensation), verlässliche Finanzierung sowie planbarer Wohnraum (z.B. Internate) mit Auslastungssicherung.

2. Grenznahe Regionen: Sicherung von Fachklassen durch fiktive Schülerzahlen

Die Berücksichtigung fiktiver Schülerzahlen ist ein ausbildungsmarktpolitisch notwendiges Instrument, um Fachklassen und Ausbildungsverhältnisse in grenznahen Regionen zu sichern. Dies könnte auch Auswirkungen auf Standorte innerhalb Thüringens haben. Ziel ist die Bindung von Auszubildenden an Thüringer Betriebe und die Vermeidung struktureller Wettbewerbsnachteile für den Wirtschaftsstandort Thüringen. Prüfungshoheit bleibt in der IHK Erfurt – Schulstandort bedeutet nicht, dass auch dort die IHK-Prüfung stattfindet.

3. Förderung des Wettbewerbs – Freie Berufsschulwahl innerhalb des Berufsschulnetzes

Die IHK Erfurt spricht sich für eine freie Berufsschulwahl innerhalb des Thüringer Berufsschulnetzes aus. Auszubildende und Ausbildungsbetriebe sollen – im Rahmen vorhandener Kapazitäten und fachlicher Zuständigkeiten – zwischen geeigneten Berufsschulstandorten wählen können. Dies stärkt den Wettbewerb zwischen den Berufsschulen, setzt Anreize für hohe Unterrichtsqualität, bessere Organisation und stärkere Praxisorientierung und erhöht zugleich die Attraktivität der dualen Ausbildung in

4. Digitale und hybride Fachklassen als integraler Bestandteil des Berufsschulnetzes

Digitale und hybride Fachklassen sind systematisch in die Schulnetzplanung zu integrieren. Sie ermöglichen Qualität, Stabilität und regionale Präsenz zugleich und tragen zur Modernisierung der beruflichen Bildung bei.

5. Harmonisierung der Unterrichtszeiten als zwingende Voraussetzung

Die Harmonisierung der Unterrichtszeiten ist Grundvoraussetzung für die Digitalisierung des Berufsschulnetzes. Sie sollte landesweit verbindlich geregelt und frühzeitig in der Schulnetzplanung berücksichtigt werden.

6. Verbindliche Lernortkooperation und Praxisintegration

Lernortkooperation ist als qualitatives Kernelement des Berufsschulnetzes weiterzuentwickeln und verbindlich auszugestalten. Eine digitale Plattform und klare Kooperationsstrukturen sind hierfür gezielt zu nutzen.

7. Wissenschaftlich begleitete Berufsschulstandortanalyse als Grundlage einer grundlegenden Reform des Berufsschulnetzes für die Zukunft

Die IHK Erfurt spricht sich unabhängig vom aktuellen Festlegungsprozess dafür aus, eine wissenschaftlich begleitete Berufsschulstandortanalyse für Thüringen anzustreben, um auf einer belastbaren Datengrundlage eine grundlegende Reform des Berufsschulnetzes vorzubereiten. Ziel muss es sein, bestehende Standortstrukturen, Fachklassenverteilungen, Erreichbarkeiten, Auszubildendenströme, Qualitätsaspekte und zukünftige Bedarfe systematisch zu untersuchen, um daraus tragfähige und zukunftsorientierte Strukturentscheidungen abzuleiten.