Pressemeldung Nr. 21 vom 08.06.2026

IHK-Initiative Rheinland: Bonner Nordbrücke muss zum Wendepunkt werden

Vollsperrung kostet hunderte Millionen Euro pro Jahr – Wirtschaft fordert Tempo bei Ersatzneubau, Umleitung und Interimsmaßnahmen.
Die Industrie- und Handelskammern im Rheinland* fordern von Bund und Land Nordrhein-Westfalen ein sofortiges, koordiniertes und beschleunigtes Vorgehen zur Sanierung und zum Ersatzneubau maroder Rheinbrücken und warnen vor einem Dominoeffekt. Anlass ist die Vollsperrung der Rheinbrücke Bonn-Nord auf der A565 seit dem 3. Juni.
„Die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke kostet die Wirtschaft mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr. Brückensperrungen sind kein lokales Verkehrsproblem mehr, sondern ein massives Wachstumshemmnis für das gesamte Rheinland. Jede dritte Rheinbrücke ist für den Wirtschaftsverkehr gesperrt. Das schwächt Lieferketten, verteuert Transporte und nimmt Unternehmen Planungssicherheit. Jetzt braucht es einen echten Infrastrukturmodus: schneller planen, schneller genehmigen, schneller bauen“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf stellvertretend für die IHK-Initiative Rheinland.
Mit der Sperrung der Bonner Nordbrücke steht dem Wirtschaftsverkehr eine weitere zentrale Rheinquerung nicht mehr zur Verfügung. Das verschärft eine ohnehin kritische Lage: Im Rheinland sind zahlreiche Brücken marode, eingeschränkt nutzbar oder sanierungsbedürftig. Die Umleitung des Verkehrs belastet nun ausgerechnet jene Ausweichrouten und Rheinbrücken zusätzlich, die selbst bereits unter Druck stehen. Eine kurzfristige Verlagerung auf Bahn oder Schiff kann den Ausfall nicht auffangen. Unternehmen brauchen verlässliche, flexible und zeitgenaue Lieferketten. Straße, Schiene und Wasserstraße ergänzen sich – sie ersetzen einander aber nicht kurzfristig.
Die IHK-Initiative Rheinland fordert deshalb ein Sofortpaket für die Bonner Nordbrücke: ein belastbares und großräumig abgestimmtes Umleitungskonzept, die Prüfung von Interimsbauwerken zur zumindest teilweisen Nutzung der Strombrücke sowie maximale Beschleunigung bei Planung, Genehmigung, Vergabe und Bau.
„Wir nehmen Verkehrsminister Patrick Schnieder beim Wort. Die Brücke muss schnellstmöglich wieder befahrbar sein und dann prioritär neu gebaut werden. Hier kann auch das neue Infrastrukturzukunftsgesetz helfen, wenn man es nicht wieder verwässert. Auch am Geld darf es nicht scheitern. Beispiele wie Rahmede oder Duisburg-Neuenkamp zeigen: Wenn der politische Wille da ist, geht es schneller“, so Berghausen.
Das bestätigt auch das Gutachten zur Beschleunigung der Brückenneubauten (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 3910 KB), das die IHK Düsseldorf gemeinsam mit der IHK Mittlerer Niederrhein und den Neuss-Düsseldorfer Häfen 2025 vorgestellt hat.
Dazu müssen Planungs- und Genehmigungsverfahren konsequent verkürzt, parallelisiert und digitalisiert werden. Dabei müssen insbesondere die vereinfachten Verfahren für Ersatzneubauten genutzt werden. Funktionale Ausschreibungen sollten verstärkt eingesetzt werden: Der Staat definiert Ziel, Leistungsfähigkeit und Sicherheit – die beste technische Lösung kommt aus dem Markt. So entstehen Tempo, Innovation und wirtschaftliche Lösungen. Die Vollsperrung der Bonner Nordbrücke muss zum Wendepunkt werden. Die Wirtschaft im Rheinland braucht leistungsfähige Rheinquerungen – nicht irgendwann, sondern jetzt.
*Der IHK-Initiative Rheinland gehören folgende Industrie- und Handelskammern an: Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Mittlerer Niederrhein (seit Herbst 2011). die Bergische IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid (seit Herbst 2011) sowie die Niederrheinische Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg (seit 2016), die IHK Köln war seit Gründung bis Ende 2023 Mitglied.