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Nr. 7053056
Pressemeldung Nr. 20 vom 15.05.2026
IHK-Konjunkturumfrage Frühjahr
Stimmungsindex bei Unternehmern in der Region stürzt ab: Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung der Wirtschaft in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein hat einen deutlichen Dämpfer erhalten.
Der Krieg im Iran und seine wirtschaftlichen Folgen belasten die Unternehmen zunehmend. „Stark gestiegene Energie- und Kraftstoffpreise, weltwirtschaftliche Unsicherheit, die US-Zollpolitik und fehlende wirtschaftspolitische Reformimpulse der Bundesregierung belasten die Unternehmen erheblich“, erklärt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Diese Faktoren haben die Hoffnung vieler Betriebe auf eine konjunkturelle Erholung 2026 vorerst gedämpft. Das ist das Ergebnis einer Blitzumfrage unter knapp 600 Unternehmen in der Region.
Der Geschäftslageindex der regionalen Wirtschaft sank leicht von minus 9,8 auf minus 11,3 Punkte. Damit überwiegen weiterhin die Unternehmen mit schlechter Geschäftslage gegenüber den Betrieben mit guter Lage. Besonders angespannt ist die Situation im Einzelhandel. Die Dienstleister melden hingegen noch leicht positive Werte: In dieser Branche gibt es weiterhin etwas mehr Unternehmen mit guter als mit schlechter Geschäftslage.
Deutlich stärker als der Geschäftslageindex haben sich die Geschäftserwartungen eingetrübt. Innerhalb von nur vier Monaten ist der Anteil der Unternehmen, die mit besseren Geschäften rechnen, von 20,4 auf 12,5 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, von 24,0 auf 34,4 Prozent gestiegen. Viele Unternehmen befürchten vor allem weitere wirtschaftliche Folgen des Kriegs im Iran. „Die Blockade der Straße von Hormus sorgt für erhebliche Unsicherheiten auf den Rohstoff- und Energiemärkten. Die Unternehmen in unserem IHK-Bezirk brauchen aber stabile Lieferketten und verlässliche Energiepreise“, sagt Berghausen. „Die steigenden Öl- und Erdgaspreise sowie die weiterhin hohen Kraftstoffkosten treiben Transport- und Logistikkosten in die Höhe. Gleichzeitig belasten sie die Kaufkraft der Verbraucherinnen und Verbraucher und dämpfen damit die Konsumnachfrage. Vor diesem Hintergrund wächst bei den Unternehmen die Sorge, dass sich erneut eine Preissteigerungsspirale entwickelt – ähnlich wie nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.“
Der IHK-Stimmungsindex, der sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, ist von 93,2 auf 83,3 Punkte abgestürzt. Damit liegt der Wert deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten und erreicht den niedrigsten Stand seit Herbst 2022. „Die Entwicklungen im Einzelhandel sind besorgniserregend“, erklärt Berghausen. „Das Konsumklima hat sich durch die aktuelle Lage weiter verschlechtert.“ In der Branche fiel der Stimmungsindex mit 63,6 Punkten auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren.
In der Umfrage wurden die Betriebe auch nach ihren wichtigsten Geschäftsrisiken gefragt. Im Vergleich zur Vorumfrage im Januar haben die Energie- und Rohstoffpreise deutlich an Bedeutung gewonnen. Inzwischen nennen 61 Prozent der Unternehmen die Energiepreise als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate – knapp 20 Prozentpunkte mehr als zum Jahresbeginn. Auch die Rohstoffpreise bereiten den Betrieben zunehmend Sorgen: 45 Prozent sehen darin ein wesentliches Geschäftsrisiko. Nach wie vor wird zudem der Fachkräftemangel von rund jedem dritten Unternehmen als Risikofaktor genannt. „Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, hohe Arbeitskosten und Fachkräftemangel bleiben relevante Risiken, treten angesichts der Energiepreiskrise jedoch vorübergehend in den Hintergrund“, so Berghausen.
Die Exportwirtschaft blickt ebenfalls zunehmend pessimistisch auf die kommenden Monate. Nur noch 10,6 Prozent der exportierenden Unternehmen rechnen mit steigenden Auslandsumsätzen, während 36,5 Prozent sinkende Exporte erwarten. Der entsprechende Saldo liegt mit minus 25,9 Punkten mehr als 15 Punkte unter dem Wert der Vorumfrage im Januar. „Geopolitische Krisen entfalten ihre Wirkung längst über einzelne Regionen hinaus und belasten den Welthandel insgesamt“, erklärt Berghausen. „Das trifft auch den Wirtschaftsstandort Düsseldorf und den Kreis Mettmann, in denen viele international tätige Unternehmen ansässig sind. Zusätzlich dämpft die Zollpolitik der USA die Exporterwartungen.“
Die sich verschlechternde Lage wirkt sich inzwischen auch auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen aus. Immer mehr Betriebe wollen ihre Investitionsbudgets reduzieren. Der Anteil der Unternehmen mit sinkenden Investitionsplänen stieg von 30,0 auf 39,1 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen, von 18,9 auf 16,5 Prozent. Auch am Arbeitsmarkt bleiben die Perspektiven angespannt. Lediglich 8,4 Prozent der Unternehmen planen einen Beschäftigungsaufbau, während 29,2 Prozent mit einem Rückgang der Mitarbeiterzahlen rechnen.
„Die Unternehmen rechnen mit einem weiteren Jahr, in dem spürbare Wachstumsimpulse ausbleiben“, fasst Berghausen die Ergebnisse zusammen. „Der Iran-Krieg allein erklärt die aktuelle Lage jedoch nicht. Deutschland ist in vielen Bereichen zu unbeweglich, zu langsam und zu komplex geworden. Das belastet die Wirtschaft insgesamt – und schwächt auch die Unternehmen in unserer Region.“