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Betrugsfälle im China-Geschäft

Betrugsfälle im China-Geschäft haben in den vergangenen Jahren zugenommen und betreffen zunehmend auch erfahrene Unternehmen. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über typische Betrugsformen, Warnsignale und Möglichkeiten zur Risikominimierung.

Kurzüberblick und Handlungsempfehlungen

  • Neue Geschäftspartner und ungewöhnliche Anfragen vor Vertragsabschluss sorgfältig prüfen.
  • Zahlungsanweisungen, Vorauszahlungen und Änderungen von Bankverbindungen besonders kritisch behandeln.
  • Prävention ist der wirksamste Schutz, insbesondere durch Geschäftspartnerprüfung, gesicherte Zahlungsprozesse und klare interne Abläufe.
  • Sind bereits Schäden entstanden, sind die Handlungsmöglichkeiten oft begrenzt.
    Rechtliche Schritte in China sind zeit- und kostenintensiv und lohnen sich in vielen Fällen wirtschaftlich nicht.

Typische Betrugsmaschen im China-Geschäft

Betrugsfälle im China-Geschäft folgen häufig wiederkehrenden Mustern. Sie betreffen nicht nur unerfahrene Unternehmen, sondern zunehmend auch Firmen mit langjähriger China-Erfahrung und zielen auf Schwachstellen in Liefer-, Zahlungs- und Entscheidungsprozessen ab.

Liefer- und Leistungsbetrug

Bei dieser Masche wird die Ware entweder gar nicht geliefert oder entspricht nicht den vereinbarten Spezifikationen.
Häufig sind vorab gelieferte Muster einwandfrei, während die spätere Lieferung minderwertige oder unbrauchbare Produkte enthält.
Auch bei Zahlungen über Akkreditive besteht dieses Risiko, da Banken lediglich die formale Dokumentenlage prüfen, nicht aber Qualität oder Vollständigkeit der Ware.

Gebühren- und Vorauszahlungsbetrug

Unternehmen werden aufgefordert, angeblich notwendige Kosten wie Notar-, Bank- oder administrative Gebühren vorab zu übernehmen.
Diese Forderungen werden oft mit hoher Dringlichkeit gestellt und durch formell wirkende Verträge oder Schreiben untermauert.
Nach Zahlungseingang bricht der Kontakt ab oder das angekündigte Geschäft wird nicht weiterverfolgt.

Zahlungsumlenkung und Business E-Mail Compromise

Kurz vor einer fälligen Zahlung erhalten Unternehmen eine Nachricht, die scheinbar vom bekannten Geschäftspartner stammt und eine Änderung der Bankverbindung ankündigt.
Die Kommunikation bezieht sich auf reale Bestellungen und wirkt vertraut.
Die Zahlung landet dadurch auf einem fremden Konto und ist häufig nur schwer oder gar nicht rückholbar.

Vertrags- und Strukturmissbrauch

In manchen Fällen wird ein Vertrag nicht geschlossen, um ein Geschäft umzusetzen, sondern um formale Effekte zu erzielen, etwa die Umwandlung chinesischer Währung in Fremdwährungen oder den Zugriff auf Bankdienstleistungen.
Für den ausländischen Partner wirkt das Vorhaben wie ein reguläres Geschäft, obwohl die wirtschaftliche Substanz fehlt oder undurchsichtige Firmenstrukturen genutzt werden.

CEO-Fraud und Social Engineering

Hier werden gezielt Mitarbeitende angesprochen, die über operative Verantwortung verfügen. Die Täter geben sich als Geschäftsleitung oder externe Berater aus und fordern unter hohem Zeitdruck Überweisungen für angeblich vertrauliche Projekte im China-Kontext.
Diese Masche nutzt interne Schwächen in Freigabe- und Kontrollprozessen aus und kann zu erheblichen finanziellen Schäden führen.

Vorgetäuschte Domain-Registrierung durch Dritte

In einigen Fällen erhalten Unternehmen unaufgefordert E-Mails von angeblichen Registrierungsstellen in China. Darin wird behauptet, ein Dritter wolle den Domain-Namen oder zentrale Schlüsselbegriffe als „.cn“-Adresse sichern.
Häufig handelt es sich dabei um vorgetäuschte Fremdregistrierungen oder unseriöse Akquiseversuche, die Unternehmen unter Zeitdruck zu kostenpflichtigen Registrierungen bewegen sollen.
Viele Absender sind zudem nicht befugt, Domainnamen offiziell zu registrieren. Unternehmen sollten solche Schreiben daher kritisch prüfen und nur mit vom China Internet Network Information Center (CNNIC) autorisierten Registrierungsstellen arbeiten, die in der Registrar List aufgeführt sind.

Typische Warnsignale auf einen Blick: Red Flags & Checkliste

Betrugsversuche lassen sich selten an einem einzelnen Merkmal erkennen. Auffällig wird eine Anfrage meist erst durch die Kombination mehrerer Warnsignale. Unternehmen sollten daher besonders aufmerksam werden, wenn sich mehrere der folgenden Punkte gleichzeitig zeigen:
  • Ungewöhnliche Geschäftsanbahnung
    • Die Anfrage kommt unerwartet und ist nicht das Ergebnis vorheriger Kontakte, Messen oder Empfehlungen.
    • Das in Aussicht gestellte Auftragsvolumen ist im Verhältnis zum bisherigen Geschäft sehr hoch.
    • Angebote werden schnell und ohne inhaltliche Rückfragen angenommen, technische Details oder Spezifikationen spielen kaum eine Rolle.
  • Zeitdruck und schnelle Entscheidungen
    • Es wird auf eine kurzfristige Vertragsunterzeichnung oder schnelle Zahlungen gedrängt. Begründet wird dies häufig mit internen Fristen, angeblich notwendigen Genehmigungen oder laufenden Projekten.
    • Für Rückfragen oder Prüfungen bleibt nach Darstellung der Gegenseite kaum Zeit.
  • Auffällige Kommunikation
    • Die Kommunikation erfolgt überwiegend per E-Mail, Messenger oder Mobiltelefon.
      Häufig werden kostenlose E-Mail-Dienste genutzt.
    • Ansprechpartner wechseln oder sind telefonisch schwer erreichbar.
    • Änderungen wichtiger Inhalte werden ausschließlich schriftlich mitgeteilt, ohne Rückbestätigung über einen zweiten Kommunikationsweg.
  • Unklare Unternehmensangaben
    • Firmensitz, Adresse oder Ansprechpartner sind nicht eindeutig nachvollziehbar.
    • Die Bankverbindung passt nicht zum angegebenen Unternehmenssitz oder verweist auf andere Regionen oder Drittstaaten.
    • Das Unternehmen verfügt über keinen aussagekräftigen Internetauftritt oder bietet ein sehr breites, wenig zusammenhängendes Produktspektrum an.
  • Zahlungs- und Gebührenforderungen
    • Es werden Vorauszahlungen oder zusätzliche Gebühren gefordert, etwa für Notare, Banken oder administrative Zwecke.
    • Zahlungsaufforderungen wirken dringlich und sollen auf Konten erfolgen, die nicht eindeutig dem Unternehmen zugeordnet sind.
    • Änderungen der Bankverbindung werden kurzfristig mitgeteilt.
  • Seriöser Eindruck mit wenig Substanz
    • Verträge, Rechnungen oder Schreiben wirken auf den ersten Blick professionell, enthalten aber wenig konkrete Angaben zu Leistung, Qualität oder Haftung. Formale Elemente ersetzen inhaltliche Substanz.
    • Rückfragen zu Details werden ausweichend beantwortet oder als unnötig dargestellt
Die folgenden Fragen können dabei helfen, einer Geschäftsanbahnung mit der gebotenen Vorsicht zu begegnen:

1. Handelt es sich um einen Geschäftsabschluss mit hohem Auftragsvolumen auch im Verhältnis zu Ihrem Jahresumsatz? Kommt die Anfrage überraschend?
2. Wurde Ihr Angebot relativ schnell und ohne nennenswerte Nachverhandlungen oder Forderungen nach Preisnachlass akzeptiert
3. Sind die Zahlungsbedingungen sehr günstig für Sie? (Vorauszahlung, frühe L/C Eröffnung
4. Benutzen die chinesischen Ansprechpartner E-Mail Adressen von „Yahoo“, „Hotmail“, „163.com“, „sohu.com“, „vip.sina.com“ oder anderen kostenfreien Anbietern?
5. Wird auf eine schnelle Vertragsunterzeichnung in China gedrängt?
6. Erhielten Sie genaue Daten über die Bankverbindung des Geschäftspartners?
7. Verläuft die Kommunikation mit den chinesischen Ansprechpartnern im Wesentlichen über E-Mail, Fax und Mobiltelefonnummern (#86 138...)?
8. Ist es Ihnen bisher gelungen, unter der von der chinesischen Seite angegebenen Festnetznummer jemanden zu erreichen?
9. Verfügt das Unternehmen über einen eigenen Internetauftritt? Scheint die Firma mit vielen sehr unterschiedlichen Produkten zu handeln?
10. Wurden technische Details/Spezifikationen besprochen oder abgefragt?
11. Haben Sie Informationen zum genauen Verwendungszweck beziehungsweise dem Endkunden für Ihre Produkte erhalten?

Prävention und Unterstützung: Wie Unternehmen Risiken im China-Geschäft reduzieren können


Prüfung? Punkt/Beschreibung
Geschäftspartner prüfen
  • Vor einem Vertragsabschluss sollte geklärt werden, ob das chinesische Unternehmen tatsächlich existiert und wer rechtsverbindlich handelt. Ausführliche Hinweise finden Sie in unserem Artikel Geschäftspartnerprüfung im China-Geschäft.
  • Bei Erstkontakten oder größeren Vorhaben kann eine externe Einschätzung helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen. Die AHK Greater China bietet Geschäftspartner-Überprüfungen an.
Zahlungen und Bankdaten absichern
  • Zahlungsbedingungen sollten ausgewogen gestaltet sein. Vorauszahlungen erfordern besondere Vorsicht, vor allem bei neuen Geschäftspartnern.
  • Änderungen von Bankverbindungen dürfen niemals ausschließlich per E-Mail akzeptiert werden, sondern sollten stets über einen zweiten, bekannten Kommunikationsweg bestätigt werden.
  • Klare interne Freigabeprozesse und das Vier-Augen-Prinzip sind zentrale Schutzmechanismen
Kommunikation bewusst steuern
  • Wichtige Absprachen zu Verträgen, Zahlungen oder Lieferbedingungen sollten nicht nur über einen einzigen Kanal erfolgen.
  • Telefonische Rückfragen oder direkte Bestätigungen können die Sicherheit erhöhen.
  • Bei ungewöhnlichem Zeitdruck oder angeblich vertraulichen Anfragen ist besondere Zurückhaltung geboten.
Lieferungen und Leistungen kontrollieren
  • Im Warenhandel empfiehlt es sich, Qualität und Umfang der Lieferung vor dem Versand prüfen zu lassen.
  • Auch formell abgesicherte Zahlungsinstrumente ersetzen keine Kontrolle der tatsächlichen Ware oder Leistung.
Interne Abläufe stärken
  • Viele Betrugsfälle nutzen interne Schwächen aus. Klare Zuständigkeiten, dokumentierte Freigabeprozesse und feste Eskalationswege reduzieren Risiken deutlich.
  • Mitarbeitende sollten für typische Betrugsmuster sensibilisiert sein, insbesondere bei internationalen Zahlungen oder kurzfristigen Sonderanfragen.

Krisenmanagement: Wenn bereits ein Schaden entstanden ist

Ist ein Unternehmen Opfer eines Betrugs geworden, sind die Handlungsmöglichkeiten in vielen Fällen begrenzt.
In vielen Betrugsfällen lassen sich überwiesene Gelder nicht oder nur mit sehr geringer Aussicht auf Erfolg zurückholen. Rechtliche Schritte in China sind mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand verbunden.

Beweise sichern und dokumentieren

Unabhängig vom weiteren Vorgehen sollte frühzeitig und umfassend Beweismaterial gesichert werden. Dazu gehören E-Mails, Verträge, Rechnungen, Zahlungsnachweise sowie Prüf- oder Inspektionsberichte.
Wichtig ist, dass nachvollziehbar dokumentiert wird, dass zunächst versucht wurde, das Problem sachlich und einvernehmlich zu klären und weitere Schritte erst nach ausbleibender Reaktion oder Verweigerung eingeleitet wurden. In einzelnen Fällen kann es sinnvoll sein, auch andere Abteilungen desselben chinesischen Unternehmens zu kontaktieren, um interne Unregelmäßigkeiten auszuschließen

Bank und formale Stellen einbinden

Sobald ein Verdacht besteht, sollte unverzüglich die eigene Bank informiert werden. In Einzelfällen können Zahlungen noch gestoppt oder zurückgerufen werden.
Zusätzlich kann sich eine Strafanzeige bei den zuständigen Behörden in Deutschland empfehlen, auch wenn diese den Schaden nicht unmittelbar behebt. Die Anzeige kann Voraussetzung für weitere Schritte gegenüber Banken oder Versicherungen sein.

Juristische Optionen sorgfältig abwägen

Bei größeren Schäden kann die Einschaltung einer in China ansässigen Kanzlei sinnvoll sein. Häufig wird zunächst ein anwaltliches Aufforderungsschreiben an den chinesischen Vertragspartner versandt. Solche Schreiben signalisieren, dass das betroffene Unternehmen mit den rechtlichen Rahmenbedingungen in China vertraut ist und bereit ist, seine Ansprüche weiterzuverfolgen.
Bleibt dies ohne Wirkung, kommt nur noch eine rechtliche Durchsetzung in China in Betracht. In der Praxis ist dieser Schritt jedoch häufig mit hohem Zeit- und Kostenaufwand verbunden und lohnt sich in vielen Fällen wirtschaftlich nicht.
Eine erste Orientierung zu Kanzleien mit China-Erfahrung bieten die Anwaltslisten der Deutschen Auslandsvertretungen in China, die eine Übersicht vor Ort tätiger Rechtsanwaltskanzleien bereitstellen:
Institution Bezeichnung/Weblink
Botschaft Peking Liste von Anwälten
Generalkonsulat Shanghai Liste von Anwälten
Generalkonsulat Chengdu Liste von Anwälten und Notaren
Generalkonsulat Kanton Rechtsanwaltskanzleien im Amtsbezirk des Generalkonsulats Kanton
Generalkonsulat Shenyang Rechtsanwaltsliste Shenyang
Generalkonsulat Hongkong Listen von Anwälten, Ärzten und Übersetzern

Außergerichtliche Streitbeilegung

In bestimmten Konstellationen kann eine außergerichtliche Lösung geprüft werden. Die AHK Greater China bietet kostenpflichtige Mediationsdienste für deutsche Unternehmen an, etwa bei Vertragsverletzungen oder Nichterfüllung von Liefer- und Zahlungsvereinbarungen.
Ziel ist eine einvernehmliche Lösung mit geringerem Zeit- und Kostenaufwand. Eine rechtliche Vertretung vor chinesischen Gerichten ist dabei nicht möglich.

Quellen & weiterführende Informationen

Stand: 30. Januar 2026