IHKs: Berufsschulplanung muss sich an den Bedürfnissen der Ausbildungsbetriebe und Auszubildenden orientieren

Die Schwächung von Berufsschulstandorten gefährdet die duale Ausbildung und damit die Fachkräftesicherung in Sachsen. Mit dieser klaren Botschaft wenden sich die Sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHKs) zum Entwurf der Fortschreibung des Teilschulnetzplans für die berufsbildenden Schulen im Freistaat Sachsen an die Staatsregierung. Sie fordern eine Berufsschulplanung, die nicht allein auf Schulstrukturen und Auslastungszahlen schaut, sondern die Realität der Ausbildungsbetriebe und die Lebensbedingungen der Auszubildenden konsequent berücksichtigt.
„Die duale Ausbildung ist ein Rückgrat der Fachkräftesicherung in Sachsen. Deshalb müssen Entscheidungen über Berufsschulstandorte langfristig, praxisnah und gemeinsam mit der Wirtschaft getroffen werden“,
betonen die Sächsischen Industrie- und Handelskammern. Gerade angesichts des demografischen Wandels, der industriellen Transformation und der Digitalisierung brauche Sachsen eine leistungsfähige, moderne und gut erreichbare berufliche Bildungsinfrastruktur.
Fahrzeiten von maximal 60 Minuten als Maßstab
Ein zentraler Punkt ist die Erreichbarkeit der Berufsschulen. Die IHKs sprechen sich dafür aus, die Fahrzeit für Auszubildende auf ein zumutbares Maß zu begrenzen – als Richtwert nennen sie maximal 60 Minuten je Wegstrecke. Wo längere Wege unvermeidbar sind, müssen geeignete Ausgleichsmaßnahmen greifen. Dazu gehören die vollständige und unbürokratische Erstattung von Fahrt- und Übernachtungskosten sowie attraktive und bezahlbare
Unterbringungsmöglichkeiten am Lernort.
Ebenso entscheidend ist, dass ausreichend geeignete Unterkünfte zur Verfügung stehen. Die Kosten und die Qualität der Unterbringung müssen bei der Schulnetzplanung von Anfang an berücksichtigt werden, damit die Teilnahme am Berufsschulunterricht nicht zur finanziellen oder organisatorischen Belastung wird.
Berufsschulen als regionale Kompetenzzentren weiterentwickeln
Die IHKs unterstützen die Weiterentwicklung berufsbildender Schulen zu regionalen Kompetenzzentren mit klaren fachlichen Schwerpunkten, stabilen pädagogischen Teams und einer modernen Ausstattung. Eine sinnvolle Bündelung von Ausbildungsinhalten kann die Unterrichtsqualität verbessern und Ressourcen effizienter einsetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Standorte erreichbar bleiben und die Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben gestärkt wird.
Zudem schlagen die Kammern vor, Ausbildungsinhalte stärker zu modularisieren: In den ersten beiden Ausbildungsjahren könnten gemeinsame Grundlagen verwandter Berufsbilder an mehreren, möglichst wohnortnahen Berufsschulstandorten vermittelt werden. Die fachliche Spezialisierung würde anschließend im dritten Ausbildungsjahr an dafür ausgewiesenen Kompetenzzentren erfolgen.
Ausbildungsbetriebe und bestehende Strukturen einbeziehen
Bei allen Entscheidungen müssen die besonderen Bedingungen kleiner und mittlerer Ausbildungsbetriebe berücksichtigt werden. Die IHKs warnen davor, gewachsene Bildungsinfrastrukturen, Investitionen und regionale Fachkompetenz durch kurzfristige Standortentscheidungen zu schwächen. Auch die überbetriebliche Ausbildung, die Zusammenarbeit zwischen Berufsschulen und Betrieben sowie die ehrenamtlichen Prüfungsstrukturen müssen bei Veränderungen systematisch mitgedacht werden.
Darüber hinaus fordern die Kammern eine belastbare Datengrundlage, die neben Schülerzahlen und Auslastung auch die Entwicklung der Ausbildungszahlen, Lehrkräfteversorgung, Unterrichtsabdeckung, Ausbildungsabbrüche, Schülerströme und regionalen Wirtschaftsstrukturen einbezieht.
Jetzt die Weichen für die Zukunft stellen
Die IHKs halten den Planungshorizont der aktuellen Fortschreibung für zu kurz und fordern, frühzeitig mit den Vorbereitungen für die nächste Fortschreibung zu beginnen. Diese muss im Dialog mit Ausbildungsbetrieben, Auszubildenden, Sozialpartnern, Kammern und Schulträgern entwickelt werden. Dabei ist unter anderem zu berücksichtigen, dass in Zukunft weitere Kernberufe zu identifizieren und diese im Rahmen einer Modularisierung gleichzeitig mit den von der Wirtschaft geforderten Spezialisierungen zu versehen sind.