Attraktive Schulstandorte in Mittel- und Oberzentren stärken auch den ländlichen Raum
Die Handwerkskammer Dresden hat sich in einer heute verlautbarten Meldung gegen die Verlagerung von Berufsschulen aus dem ländlichen Raum und für die Beibehaltung des Wohnortprinzips für Auszubildende ausgesprochen, welches besagt, dass Jugendliche die am nächsten zu ihrem Wohnort gelegene Berufsschule besuchen müssen.
Die sächsischen Industrie- und Handelskammern vertreten bei beiden Punkten eine andere Meinung. Dazu äußert sich Lukas Rohleder, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden:
„Wir verfügen über mehrjähriges Feedback unserer Betriebe, aus Azubi-Befragungen und diversen Beratungsgesprächen bei der Berufsorientierung. Erkenntnisse, die Fehlentwicklungen innerhalb des aktuellen Teilschulnetzplanes für die berufsbildenden Schulen belegen und im Rahmen der anstehenden Fortschreibung konsequent korrigiert werden sollten.So sind wir davon überzeugt, dass die Festlegung von Berufsschulstandorten primär der Sicherung der Attraktivität der Berufsausbildung dienen muss, und nicht zuvorderst der Strukturpolitik für den ländlichen Raum. Dass bedeutet ausdrücklich nicht, den ländlichen Raum preiszugeben. Im Gegenteil, die Fokussierung auf Schulstandorte in Mittel- und Oberzentren, die infrastrukturell gut angebundenen und erreichbare sind sowie Unterbringungsmöglichkeiten für Auszubildende bieten, sollte positiv auf die Attraktivität der beruflichen Ausbildung einzahlen und damit langfristig auch der Nachwuchssicherung für Unternehmen in den ländlichen Räumen dienen.Dem Vorwurf der Handwerkskammer Dresden, wonach die schulische Ausbildung in Ballungszentren junge Menschen aus der Fläche abziehen würde, muss entschieden widersprochen werden. Vielmehr geht es darum, bekannte Entwicklungen und Probleme objektiv zur Kenntnis zu nehmen, zum Beispiel, wenn an immer mehr Berufsschulen die erforderlichen Klassenstärken für verschiedene Berufe nicht mehr erreicht werden.Laut einer regionalisierten Schüler- und Absolventenprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen wird die Zahl der Berufsschüler nach dem Schuljahr 2033/34 demographisch bedingt spürbar zurückgehen und noch mehr Standorte Auslastungsprobleme bekommen. Auf diese Tendenzen muss man - auch aus rein fiskalischen Überlegungen - mit der Fortschreibung der Schulnetzplanung proaktiv reagieren.Wir plädieren weiter dafür, dass bestehende Wohnort- in ein Standortprinzip zu wandeln. Bei Letzterem richtet sich der Ort der Beschulung nach regionalen betrieblichen und branchenspezifischen Clustern beziehungsweise nach fest zugeordneten Ausbildungsbetrieben. Kurz um sollten Berufe wieder dort beschult werden, wo die meisten Betriebe ansässig sind, die in diesen Berufen ausbilden.Dieser Paradigmenwechsel erscheint uns hinsichtlich einer langfristigen Planungssicherheit für Ausbildungsunternehmen, Auszubildende und Schulträger wichtig. Selbst mittelgroße Ausbildungsbetriebe haben aufgrund des derzeitigen Wohnortprinzips nicht selten mit zig verschiedenen Berufsschulen für ihre Auszubildenden zu tun, was die Koordination der innerbetrieblichen, praktischen Ausbildung deutlich erschwert.“