EU-Binnenmarkt der Zukunft
Im Positionspapier EU‑Binnenmarkt der Zukunft stellt die IHK Dresden konkrete Vorschläge vor, wie der europäische Binnenmarkt für sächsische Unternehmen gestärkt werden kann. Es betont die Bedeutung eines harmonisierten Marktes für die Wettbewerbsfähigkeit in der Grenzregion Sachsen und fordert Maßnahmen, die den Marktzugang erleichtern und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Nachbarländern Polen und Tschechien fördern. Eine zukunftsfähige Wirtschaftsordnung in Europa muss durch flexiblere Marktzugänge und die Stärkung des EU-Wirtschaftsraums gewährleistet werden.
Die 4 Kernmaßnahmen im Überblick
- Partner in der Welt und guter Nachbar – Marktzugang stärken, Partnerschaften strategisch ausbauen
- Entsendungen erleichtern und Talent-Pool öffnen – Bürokratie bei Entsendungen abbauen, Remote-Work praxistauglich ermöglichen
- Industriepolitik nachhaltig und sicher gestalten – Innovationskraft stärken, Normung/Standards offensiver vertreten, fairen Wettbewerb sichern
- Europa einen und gemeinsam voranschreiten – einheitlichere Umsetzung, harmonisierte Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse, gemeinsame Industriepolitik
Status quo: aktuelle Situation für Unternehmen
Die sächsische Wirtschaft ist eng mit den Handelspartnern im EU-Binnenmarkt verflochten. Als größter Binnenmarkt der Welt bietet er ein beispielloses Potenzial. Mehr als die Hälfte der 20 wichtigsten Exportländer Sachsens sind EU-27-Länder. Auf der Importseite spiegelt sich dieses Bild wider. Aufgrund der Einfachheit des Auslandsgeschäfts innerhalb des Binnenmarktes ist diese Zielregion für viele Unternehmen ein attraktiver Markt für die Erstinternationalisierung.
Die Analyse der Handelsvolumina zeigt zudem, dass der Handel innerhalb der EU-27 in Sachsen besonders intensiv ist. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion unterstützt diesen intensiven Wirtschaftsverkehr zusätzlich durch die Nutzung einer einheitlichen stabilen Währung, die den Warenverkehr innerhalb der EU-27 erleichtert und sächsischen Unternehmen auch im Handel mit Drittstaaten Erleichterungen bietet.
Neben dem freien Warenverkehr ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb des EU-Binnenmarktes für Sachsen von besonderer Bedeutung. Im gesamten Freistaat, besonders aber in der Grenzregion zu Polen und Tschechien, greifen Unternehmen zur Deckung ihres Personalbedarfs auf den Talentpool anderer EU-Mitgliedstaaten zurück. Darüber hinaus erbringen viele (industrielle) Dienstleistungsunternehmen, häufig KMU, ihre Leistungen für Unternehmen im EU-Ausland. Innerhalb des EU-Binnenmarktes und hier insbesondere mit den sächsischen Nachbarstaaten (Polen und Tschechien) bestehen die wichtigsten und intensivsten wirtschaftlichen Verflechtungen. Für den nachhaltigen Wohlstand in Sachsen und den wirtschaftlichen Erfolg der Mitgliedsunternehmen der IHK Dresden ist die weitere kontinuierliche Harmonisierung der Regelungen und die Verdichtung der wirtschaftlichen Verflechtungen mit den Ländern des EU-Binnenmarktes von wesentlicher und nicht zu vernachlässigender Bedeutung.
Probleme, Herausforderungen und zukünftige Trends
Der EU-Binnenmarkt wird bisweilen als gegebene, starre und vor allem bürokratische Größe wahrgenommen. Dieses Bild wird weder den Potenzialen noch der bereits realisierten Leistungsfähigkeit als Wirtschaftsraum zur Generierung von nachhaltigem Wohlstand gerecht. Der EU-Binnenmarkt ist trotz vielfältiger Bemühungen noch immer nicht vollendet und an vielen Stellen noch immer fragmentiert. Damit der freie grenzüberschreitende Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital zwischen den Mitgliedstaaten gut bzw. besser funktioniert, müssen noch vielfältige Barrieren und Hemmnisse abgebaut werden. Diese Barrieren ergeben sich zum Teil aus der rechtlichen und administrativen Konstruktion der Europäischen Union selbst. Es gilt daher genau zu analysieren, woraus die jeweiligen Herausforderungen für Unternehmen im EU-Binnenmarkt resultieren und diese strukturell zu beseitigen. Ein Überdecken oder symptomatisches Korrigieren durch zusätzliche Regulierung ist keine zielführende Option.
Viel mehr braucht es einen grundlegenden Bürokratieabbau, durch umgestaltete, komplexitätsmindernde Regulierungen. Eine Harmonisierung technischer Standards für den Dienstleistungs- und Warenverkehr sind hier vorrangig zu bewältigen. Gerade für Grenzregionen stellt eine fragmentierte, nationalstaatlich geprägte Industriepolitik ein Konfliktpotenzial dar, welches in einem harmonisierten Binnenmarkt zu vermeiden ist. Werden die strukturellen Hemmnisse bei der Vollendung des Binnenmarktes nicht zügig überwunden, droht der Nutzenzuwachs für die Unternehmen aus dem Binnenmarkt selbst zu stagnieren. Ebenso werde impulsgebende Erweiterungen des Binnenmarktes bzw. enge nachbarschaftliche Beziehungen bedeuten erschwert. Im Wettbewerb mit Wirtschaftsregionen (USA, VR China, Indien), die sich aufgrund ihrer tieferen Binnenmarktintegration dynamischer entwickeln können, droht die EU-27 langfristig an Wettbewerbsfähigkeit und damit an Wohlstand zu verlieren. Die EU muss sich mit ihrem Binnenmarkt wieder als globaler Technologieführer der Zukunft behaupten.
Forderungen und Lösungsvorschläge
4 Kernmaßnahmen zur Stärkung des EU‑Binnenmarkts
Partner in der Welt und guter Nachbar
Für den Erfolg im globalen Wettbewerb muss der EU-Binnenmarkt enger mit internationalen Partnern und Nachbarn verknüpft werden. Dabei sollen die Qualität der Partnerschaften und die Förderung flexibler Marktzugänge im Vordergrund stehen.
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Entsendungen erleichtern und Talent – Pool öffnen
Die Bürokratie bei Mitarbeiterentsendungen im EU-Binnenmarkt erschwert den internationalen Austausch. Um den Zugang zu internationalen Talent-Pools zu erleichtern, müssen bürokratische Hürden abgebaut und moderne Arbeitsmodelle wie Remote Working gefördert werden.
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Industriepolitik nachhaltig und sicher gestalten
Die sächsische Industrie muss im globalen Wettbewerb bestehen, der durch aggressive Marktstrategien anderer Länder erschwert wird. Um langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, ist eine starke Industriepolitik erforderlich, die Innovationen fördert und negative Einflüsse abwehrt.
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Europa einen und gemeinsam Voranschreiten
Der europäische Binnenmarkt ist entscheidend für stabile Wirtschaftsbeziehungen und Wohlstand. Eine enge Zusammenarbeit und die Vermeidung von Zersplitterung sind notwendig, um die europäische Wirtschaft langfristig zu stärken.
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