Weiterbildung, Anerkennung und akademische Bildung

Der schnelle technologische Fortschritt sowie die damit verbundene Notwendigkeit lebenslangen Lernens erfordern es, berufliche Fähigkeiten und berufliches Wissen zu erhalten, anzupassen und zu erweitern. Auch ungelernte Berufstätige, die für ihre Arbeit nur angelernt und nicht ausgebildet wurden, können sich beruflich weiterbilden und oder ihre beruflichen Kompetenzen mittels Feststellungsverfahren bewerten lassen.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird es zunehmend notwendig, unkonventionelle Bildungswege – etwa Teilqualifikationen, Nachqualifizierungen oder berufsbegleitende Formate – durch passgenaue Prüfstrukturen abzubilden. Die Sicherstellung dieser Strukturen setzt eine gezielte Stärkung des Ehrenamts voraus, da ohne engagierte Prüferinnen und Prüfer aus der Wirtschaft das duale System nicht tragfähig ist. Insgesamt steht die IHK vor der Aufgabe, ihre Rolle als Partnerin der Wirtschaft neu zu definieren und insbesondere das Prüfungswesen sowohl strukturell als auch inhaltlich zukunftsfähig auszurichten – nur so, kann der Anspruch eine leistungsgerechten Bewertung aufrechterhalten werden.
Darüber hinaus gewinnt auch die Verzahnung mit akademischer Bildung an Bedeutung: Beruflich Qualifizierten sollte der Zugang zu Hochschulbildung erleichtert und bestehende Kompetenzen im Sinne der Durchlässigkeit angerechnet werden können. Studienangebote – insbesondere duale oder berufsbegleitende Formate – müssen sich stärker an den Erfordernissen der beruflichen Praxis orientieren und lebenslanges Lernen im akademischen Bereich ermöglichen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Hochschulen ist hierfür ebenso notwendig wie eine stärkere Gleichstellung beruflicher und akademischer Bildungswege in der öffentlichen Wahrnehmung. Von besonderer Bedeutung für die Wirtschaft ist dabei das System der Dualen Hochschule, welches eine frühzeitige Unternehmensbindung von Studierenden ermöglicht.
Hochschulen sind zentrale Innovations- und Fachkräftepartner in einer Wirtschaftsregion. Sie tragen zur Qualifizierung hoch spezialisierter Fachkräfte bei. Wichtig ist, dass sich die Ausbildung an den Hochschulen auch an den Bedarfen der regionalen Wirtschaft orientiert – was eine Stärkung der duale Studiengänge plausibel macht. Darüber hinaus gilt es, Studierende auch nach Ihrem Abschluss in der Region zu halten, sodass sie ihr erworbenes Fachwissen in Unternehmen vor Ort einsetzen und weiterentwickeln könne.
Wir fordern
  • die Stärkung und Förderung von betrieblicher und individuell-berufsbezogener Weiterbildung, um insbesondere KMU bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu unterstützen und das inländische Potenzial am Arbeitsmarkt zu heben.
  • Bei Abschlussbezogener Weiterbildung ist die Förderung besonders wichtig für die Integration in den Arbeitsmarkt.
  • Eine an den Bedarfen der regionalen Wirtschaft ausgerichtetes Angebot an Studiengängen sowie eine frühzeitige Vernetzung von Studierenden und Unternehmen vor Ort.
  • Offenheit und Akzeptanz gegenüber Feststellungsverfahren zur Anerkennung beruflicher Kompetenzen bei Ungelernten oder An-/Ungelernten.
  • Die Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung und damit verbunden eine stärkere Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung
  • Die Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflich wie akademisch erworbenen Kompetenzen (so, wie im DQR vorgesehen) – auch und vor allem bei der Besetzung von offenen Positionen in Unternehmen und Verwaltung.