Berufsorientierung und duale Ausbildung
Das System der dualen Berufsausbildung muss gestärkt werden. Das beginnt bei der Berufsorientierung: Um junge Menschen effizient und an den Bedarfen der Unternehmen orientiert auszubilden, müssen sie frühzeitig über die Chancen und vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten der Ausbildungsberufe informiert werden. Berufsorientierung – idealerweise mit aktiver Beteiligung der Wirtschaft – sollte deshalb konsequent an allen weiterführenden Schulformen verankert sein. Lehrer und Schulleiter müssen für die Bedeutung der Berufsorientierung beständig sensibilisiert werden.
Ein häufig unterschätzter Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Einordnung beruflicher Qualifikationen im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR): Dieser zeigt auf, dass z. B. ein Abschluss als Meister, Fachwirt oder Betriebswirt auf dem gleichen Qualifikationsniveau wie ein Bachelorabschluss liegt (Niveau 6). Solche Informationen sind essenziell, um die duale Ausbildung für die Absolventen aller Schularten als attraktiven und gleichwertigen Karriereweg sichtbar zu machen.
Um das volle Potenzial der dualen Ausbildung auszuschöpfen, braucht es eine stärkere öffentliche Wertschätzung und ein modernes Image, das die vielfältigen Karrierechancen und die hohe Qualität des Systems sichtbar macht. Die duale Ausbildung bietet jungen Menschen – unabhängig vom Schulabschluss – praxisnahe Qualifizierung, solide Berufsperspektiven und exzellente Entwicklungsmöglichkeiten, auch in Verbindung mit akademischen Abschlüssen. Damit sie für leistungsstarke Schulabgängerinnen und Schulabgänger sowie deren Eltern gleichermaßen attraktiv ist, muss sie als gleichwertiger Bildungsweg neben dem Studium kommuniziert werden. Gleichzeitig gilt es, strukturelle Hürden wie lange Anfahrtswege zur Berufsschule, begrenzte Wohnmöglichkeiten oder fehlende Mobilitätsangebote gezielt anzugehen, um allen Interessierten einen einfachen und chancengerechten Zugang zu ermöglichen. Zur Steigerung der Attraktivität der Ausbildung – sowohl auf Seiten der Ausbildungsbetriebe, als auch der Auszubildenden – gehört nicht zu Letzt eine verbesserte Lernortkooperation und eine transparente und digitale Aufbereitung aller wichtigen Informationen rund um die Ausbildung.
Wir erwarten deshalb
- Dass die Potentiale des Ausbildungssystems genutzt und an den Bedarfen von Wirtschaft und zukünftigen Fachkräften ausgerichtet werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und jungen Menschen attraktive Bildungswege zu eröffnen.
- Berufsorientierung, die frühzeitig und systematisch an allen weiterführenden Schulformen stattfindet.
- Bessere und umfassender Information über das duale System und über die Gleichwertigkeit beruflicher Abschlüsse im Qualifikationsrahmen.
- Eine Stärkung der Oberschule, mit Blick auf ausreichend Lehrkräfte und eine adäquate Ausstattung, sodass junge Schulabgänger bestens ausgebildet ins duale System wechseln.
- Eine konsequente und durchdachte Optimierung der Berufsschulnetzplanung (inkl. Unterbringungsmöglichkeiten für Auszubildende am Berufsschulstandort, funktionierende Mobilitätskonzepte, Berücksichtigung des Standortprinzip des Ausbildungsbetriebes) sowie eine adäquate Ausstattung der Berufsschulen und eine ausreichende Anzahl von Berufsschullehrern