Wirtschaftsgespräch Lünen

Wirtschaft fordert mehr Gewerbeflächen

„In der Flächenpolitik spiegelt sich der wirtschaftliche Erfolg wider“
Zu wenig Gewerbeflächen im Ruhrgebiet, die klammen Kassen der Kommunen, und die Belastungen der Wirtschaft waren die Kernthemen des diesjährigen Wirtschaftsgesprächs Lünen der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund.
Dr. Ansgar Fendel, IHK-Vizepräsident Geschäftsführer REMONDIS SmartRec GmbH, brachte es gleich zu Beginn so auf den Punkt: „Gewerbeflächen, die wir heute nicht erschließen, verbauen uns die Zukunft.“ Gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und dem IHK-Regionalbetreuer für Lünen, Tobias Schucht, begrüßte er rund 70 Gäste zum diesjährigen Wirtschaftsgespräch, das diesmal bei der Spiegel 21 / Ares GmbH stattfand.
Die Flächen im Ruhrgebiet, die den Unternehmen zur wirtschaftlichen Entwicklung zur Verfügung stehen, reichen nicht aus – davon ist auch der IHK-Hauptgeschäftsführer überzeugt. Dies wirke negativ aus als Bremse für Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze. Schreiber stellte hierzu erste Ergebnisse einer Studie vor, die die IHK in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen initiiert hat. „Es wird von der Politik gerne die Zahl aufgeführt, es stünden im Ruhrgebiet 2.166 Hektar an Fläche zur Verfügung – frei nach dem Motto: Platz ist da. Wenn man aber genauer hinschaut, bleiben davon aufgrund verschiedener Restriktionen netto nur rund 605 Hektar übrig.“
In diesem Zusammenhang kritisierte Schreiber mit Blick in Richtung Verwaltung zudem die Dauer der Genehmigungsverfahren in vielen Kommunen im Ruhrgebiet und forderte den Abbau bürokratischer Hürden sowie interkommunal besser abgestimmte Flächenangebote. „In der Flächenpolitik spiegelt sich der wirtschaftliche Erfolg wider. Das gilt für Lünen und für unseren gesamten IHK-Bezirk.“
In der anschließenden von Dr. Fendel moderierten Podiumsrunde legte Lünens neue Bürgermeisterin Martina Förster-Teutenberg einmal mehr den dramatischen Leerstand der Kasse offen – und den daraus resultierenden eingeschränkten Handlungsspielraum der Stadt: „Wir haben ein Einnahmen- und ein Ausgabenproblem. Zu niedrige Einnahmen stehen zu hohen Ausgaben gegenüber. Und selbst wenn wir die Steuern bis ans oberste Limit setzen würden, könnten die Einnahmen die Ausgaben nicht kompensieren.“ Mittlerweile, so Förster-Teutenberg, müsse Lünen 40 Prozent seines Haushalts für Sozialleistungen aufwänden. „Aus eigener Kraft werden wir es bei diesen Belastungen nicht schaffen.“ Daher seien die Städte und Gemeinden laut – auch gegenüber der Landes- und Bundespolitik.
Gastgeber Erkan Doganay, Gründer und Geschäftsführer von Spiegel 21, hob die Belastungen für Unternehmen hervor und sieht Steuererhöhungen generell kritisch: „Inflation, hohe Energiekosten, Auftragsrückgänge – und nun sollen noch Steuererhöhungen kommen? Ist das der richtige Weg, um unsere Probleme zu lösen? Ich denke, nein!“ Schon jetzt würde Unternehmen ins teils günstigere europäische Ausland abwandern, denn höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben, sei nur begrenzt realistisch.
Verena von Weiss, Werksleiterin beim Lüner Metallrecycler Aurubis, ergänzte, dass Preisanpassungen je nach Branche ohnehin kaum möglich seien: „Der Kupferpreis bildet sich am Weltmarkt, deshalb brauchen wir Rahmenbedingungen, mit denen industrielle Produktion auch international bestehen kann.“ Hoffnung mache ihr jedoch, dass sich etwas tut in Europa. „Mit dem Critical Raw Materials Act hat die EU-Schlüsselrohstoffe wie Kupfer stärker in den Fokus gerückt. Auch die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie der Bundesregierung ist ein wichtiges Signal. Jetzt kommt es darauf an, daraus praxistaugliche Rahmenbedingungen zu machen, damit wir diese Materialien sichern, recyceln und lokal im Kreislauf halten können.“
Mit Blick auf die Flächenpolitik plädierte Christoph Haumann, Stadthandwerksmeister und Geschäftsführer des Autohauses Trompeter, den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden. Es gelte nicht nur, Flächen für große Unternehmen zu erschließen, sondern bei der Anbindung an die Infrastruktur der Kommunen auch kleinere Handwerksbetriebe und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen.
Im Anschluss an die Podiumsrunde stellte Regionalbetreuer Tobias Schucht aktuelle Zahlen, Themen und Trends aus der IHK-Arbeit vor. So ist die Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse im Vergleich zum Vorjahr um neun Prozentpunkte gestiegen. Auch die Zahl der IHK-Mitgliedsunternehmen sowie der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat sich erhöht. Letztere ist innerhalb von 15 Jahren von knapp 20.000 im Jahr 2010 auf mehr als 27.000 im Jahr 2025 gestiegen. Was besonders auffällig ist: Der Anteil des Produzierenden Gewerbes ist in Lünen mit mehr als 32,4 Prozent deutlich höher als der im IHK-Bezirk (20,8 Prozent), in NRW (24,5 Prozent) und sogar bundesweit (26,4 Prozent).
7. Juli 2026