Kamen

SportCentrum Kaiserau als Bühne für wichtige Standortfragen

Das diesjährige Wirtschaftsgespräch der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund in Kamen fand am 19. Februar im SportCentrum Kaiserau und im angeschlossenen Hotel statt. IHK-Vollversammlungsmitglied Achim Dries, Geschäftsführer der Paul Vahle GmbH & Co. KG, begrüßte gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber und IHK-Regionalbetreuerin Simone Bergmann rund 60 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung – darunter Bürgermeisterin Elke Kappen sowie die Landtagsabgeordnete Sylvia Gosewinkel.
In seiner Einleitung ging Dries auf die aktuelle wirtschaftliche Lage ein und sprach mit Blick auf US-Zollankündigungen, einer Neuorientierung der EU hin zu anderen Handelspartnern und Debatten rund um die Arbeitsmoral in Deutschland von zahlreichen „aktuellen Herausforderungen für die Wirtschaft in turbulenten Zeiten”. Umso wichtiger sei der Austausch vor Ort über Standortbedingungen und darüber, wie die Unternehmen in der Region auch weiterhin erfolgreich bleiben könnten. Als wichtiges Signal bewertete Dries das Freihandelsabkommen der EU mit Indien. „Das ist ein riesiger Markt mit vielen Chancen für unsere Wirtschaft”, betonte er. Vor 18 Monaten hat Vahle in Indien eine Tochtergesellschaft gegründet und Dries war erst vor wenigen Tagen mit einer NRW-Delegation vor Ort. „Unser duales Ausbildungssystem ist dort sehr hoch angesehen”, betonte Dries. Vahle bildet jedes Jahr rund 40 Azubis in 14 Ausbildungsberufen aus.
Als Gastgeber stellte Manfred Schnieders, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW), die Arbeit des Verbands und laufende Projekte am Standort Kaiserau vor. Mit einer Million Mitgliedern und 2.500 Vereinen ist der FLVW, der die Regierungsbezirke Detmold, Münster und Arnsberg umfasst, der zweitgrößte Verband im DFB (nach Bayern). Ein optionaler Rundgang mit Benjamin Schwartz, Geschäftsführer des FLVW, und Daniela Tönnes hatte den Teilnehmenden zuvor Einblicke in Infrastruktur und Hotelbetrieb ermöglicht.
Im von Achim Dries moderierten Gespräch beleuchteten Stefan Schreiber und Elke Kappen die Lage in Kamen und der Region. Schreiber verwies auf die positive Entwicklung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Kamen im Zehnjahresvergleich: Allein im produzierenden Gewerbe stieg die Zahl der Beschäftigten von 2.917 (2014) auf 3.405 (2024) - ein Plus von fast 17 Prozentpunkten. Mit mehr als 27 Prozent liegt der Anteil der Industriebeschäftigten in Kamen deutlich über dem NRW- und sogar über dem Bundesdurchschnitt (24,6 Prozent und 26,6 Prozent). Mit Blick auf die Stimmung in der Unternehmerschaft nannte Schreiber zentrale Risiken aus dem Ruhrlagebericht der Ruhr-IHKs zum Jahresbeginn 2026: In der schleppenden Inlandsnachfrage sehen 63 Prozent der befragten Unternehmen ein Top-Risiko, gefolgt von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (62 Prozent) und Arbeitskosten (54 Prozent).
Der Fachkräftemangel rangiert bei den Risiken aktuell nur auf einem der hinteren Plätze (43 Prozent). „Aber wenn die Konjunktur im Laufe des Jahres 2026 hoffentlich anzieht, wird der Fachkräftemangel wieder spürbarer”, betonte der Hauptgeschäftsführer. Mit 100 neuen Verträgen im vergangenen Jahr bewegt sich der Ausbildungsmarkt in Kamen auf einem niedrigeren Niveau als noch 2024 (113), was allerdings auch auf übliche „Wellenbewegungen” zurückzuführen ist. „Nicht jedes Unternehmen bildet jährlich aus, solche Schwankungen kommen vor”, sagte Schreiber.
Auch Elke Kappen unterstrich die große Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Die Stadt Kamen hat aktuell 45 Azubis und richtet Anfang Oktober erneut ihre Karrieremesse im Schulzentrum aus. skizzierte kommunale Schwerpunkte 2026 und unterstrich die Bedeutung von Investitionen und Entwicklungsperspektiven für ansässige und expansionswillige Betriebe. Als positive Beispiele nannte sie unter anderem die Investitionen von Vahle am Standort mit einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang ging Kappen auch auf die geplante Anhebung der Grundsteuer B und der Gewerbsteuer von 470 auf 490 Punkte ein. Stefan Schreiber betonte im Gespräch einmal mehr, wie wichtig verfügbare Wirtschaftsflächen für die Unternehmen seien.
Talente finden und begeistern
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Talkrunde „Talente finden und begeistern“ mit Maurice Hampel (FLVW Marketing GmbH) und dem Leiter der IHK-Ausbildungsberatung, Dirk Vohwinkel, moderiert von Simone Bergmann. Diskutiert wurden Wege, wie Betriebe junge Menschen für die duale Ausbildung gewinnen und binden könnten – unter anderem mit dem Projekt „Talententdecker“ und der IHK-Kampagne „Jetzt #könnenlernen”. Bergmann stellte zudem den „City Digital Check Kamen“ vor. Untersucht wurden 224 Unternehmen: 66 Prozent der Einzelhändler pflegen eine eigene Website, 93 Prozent ein Google-Unternehmensprofil.
20. Februar 2026