Ruhrlagebericht Jahresbeginn 2026
Konjunkturumfrage der Ruhr-IHKs zum Jahresbeginn 2026 mit 700 Unternehmen: Die Stimmung bleibt verhalten – leichte Aufwärtstendenzen sind erkennbar.
Geplantes Großprojekt: Rechenzentrum bei Hamm
In der Pressekonferenz rückte ein konkretes Großprojekt die Wichtigkeit vorausschauender Flächenpolitik in den Fokus: Zwischen Hamm und der Gemeinde Lippetal plant der US-Investor Blackstone an der A2 bei Hamm-Uentrop einen Rechenzentrum-Campus auf rund 27 Hektar. Das Vorhaben hat ein
Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro. Bei planmäßigem Verlauf könnte der Betrieb ab 2030 starten. „Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel für die Stärkung der regionalen Wirtschaft, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Beschleunigung des digitalen Wandels“, so Dustmann.
Über den Ruhrlagebericht
Der traditionelle Ruhrlagebericht basiert auf der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Für den Jahresbeginn 2026 wurden rund 700 Unternehmen mit über 80.000 Beschäftigten im Zeitraum vom 12. bis 25. Januar 2026 befragt.
Ruhr IHKs legen den 116. Ruhrlagebericht vor
IHK-Präsident Dustmann: „Wir erleben eine Zeit großer Verunsicherungen”
Konjunkturumfrage der Ruhr-IHKs zum Jahresbeginn 2026 mit 700 Unternehmen: Die Stimmung bleibt verhalten – leichte Aufwärtstendenzen sind erkennbar.
Die wirtschaftliche Lage im Ruhrgebiet bleibt zu Jahresbeginn 2026 angespannt. Das zeigen die Ergebnisse des 116. Ruhrlageberichts, den die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet heute in Dortmund vorgestellt haben. An der gemeinsamen Konjunkturumfrage beteiligten sich im Januar 2026 rund 700 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten. „Die wirtschaftliche Lage ist weiter angespannt“, sagte Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der aktuell federführenden IHK zu Dortmund, bei der Vorstellung der Ergebnisse. „Wir erleben eine Zeit großer Verunsicherungen – die Weltwirtschaft steht unter massivem Druck durch Kriege, geopolitische Konflikte und eine aggressive Zollpolitik.“
Der Klimakonjunkturindex liegt aktuell bei 93 Punkten. Damit legte er gegenüber Herbst 2025 zwar um einen Punkt zu, bleibt aber auf dem Niveau des Jahresbeginns 2025. Auch die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage verbessern sich nicht: Im Vergleich zum Herbst verschlechterte sich die gegenwärtige Lage um einen Prozentpunkt, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozentpunkte. Besonders Industrie und Handel bewerten die Situation kritisch: Jeweils 30 Prozent der Unternehmen stufen ihre Lage als schlecht ein. Positiver fällt das Bild bei den Dienstleistern aus: Dort berichten 80 Prozent von einer guten oder befriedigenden Lage.
IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann bei der Pressekonferenz zur Vorlage des 116. Ruhrlageberichts.
Der Klimakonjunkturindex liegt aktuell bei 93 Punkten. Damit legte er gegenüber Herbst 2025 zwar um einen Punkt zu, bleibt aber auf dem Niveau des Jahresbeginns 2025. Auch die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage verbessern sich nicht: Im Vergleich zum Herbst verschlechterte sich die gegenwärtige Lage um einen Prozentpunkt, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozentpunkte. Besonders Industrie und Handel bewerten die Situation kritisch: Jeweils 30 Prozent der Unternehmen stufen ihre Lage als schlecht ein. Positiver fällt das Bild bei den Dienstleistern aus: Dort berichten 80 Prozent von einer guten oder befriedigenden Lage.
Als zentrale Risiken nennen die Unternehmen branchenübergreifend vor allem die geringe Inlandsnachfrage (63 Prozent) sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (62 Prozent). Es folgen Arbeitskosten (54 Prozent), Energie- und Rohstoffkosten (45 Prozent) und der Fachkräftemangel (43 Prozent). Auffällig: Der Fachkräftemangel, in den Vorjahren häufig an der Spitze der Risikorangliste, wird aktuell seltener genannt – ein Spiegel der derzeit schwächeren Auslastung und Nachfrage.
Außenwirtschaft unter Druck – Europa bleibt Stabilitätsanker
Sorgen bereitet vielen Betrieben die internationale Handelspolitik. Die Umfrageergebnisse deuten auf sinkende Investitionsneigung in Nordamerika hin: Lediglich zwölf Prozent der befragten Unternehmen planen Investitionen in der Zielregion Nordamerika. In der Vorjahresumfrage waren es noch 25 Prozent.
Dustmann betonte: „Für die deutsche Wirtschaft werden Trumps Zölle zum Dauerschock.“ Zugleich bleibt Europa ein entscheidender Anker für den Außenhandel: Ein großer Teil der deutschen Exporte geht in EU-Länder. Perspektivisch können weitere Freihandelsabkommen wie mit Indien oder Südamerika (EU-Mercosur) dazu beitragen, Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Märkte zu erschließen.
Sorgen bereitet vielen Betrieben die internationale Handelspolitik. Die Umfrageergebnisse deuten auf sinkende Investitionsneigung in Nordamerika hin: Lediglich zwölf Prozent der befragten Unternehmen planen Investitionen in der Zielregion Nordamerika. In der Vorjahresumfrage waren es noch 25 Prozent.
Dustmann betonte: „Für die deutsche Wirtschaft werden Trumps Zölle zum Dauerschock.“ Zugleich bleibt Europa ein entscheidender Anker für den Außenhandel: Ein großer Teil der deutschen Exporte geht in EU-Länder. Perspektivisch können weitere Freihandelsabkommen wie mit Indien oder Südamerika (EU-Mercosur) dazu beitragen, Abhängigkeiten zu reduzieren und neue Märkte zu erschließen.
Sicherheit und Wirtschaft rücken zusammen
Die Unternehmen reagieren außerdem auf die veränderte Sicherheitslage. In der Industrie produziert oder liefert jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) bereits für die Verteidigungsindustrie. Weitere sieben Prozent stellen Dual-Use-Produkte her; zusätzliche sieben Prozent sind als Zulieferer tätig. Auch im Dienstleistungssektor ist das Thema präsent: Zehn Prozent erbringen bereits Leistungen für die Verteidigungsindustrie oder die Bundeswehr, weitere 13 Prozent verfolgen den Markt mit Interesse.
Die Unternehmen reagieren außerdem auf die veränderte Sicherheitslage. In der Industrie produziert oder liefert jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) bereits für die Verteidigungsindustrie. Weitere sieben Prozent stellen Dual-Use-Produkte her; zusätzliche sieben Prozent sind als Zulieferer tätig. Auch im Dienstleistungssektor ist das Thema präsent: Zehn Prozent erbringen bereits Leistungen für die Verteidigungsindustrie oder die Bundeswehr, weitere 13 Prozent verfolgen den Markt mit Interesse.
Vorsichtiger Optimismus bei Erwartungen
Trotz der insgesamt verhaltenen Stimmung gibt es Lichtblicke. Bei den Erwartungen zur künftigen Geschäftslage sinkt der Anteil der Pessimisten: Vor einem Jahr bewerteten 27 Prozent ihre zukünftige Lage als schlecht, aktuell sind es 22 Prozent. Zudem melden 68 Prozent der Unternehmen erhöhte oder zumindest unveränderte Umsätze – mehr als in der Vorjahres- und Herbstbefragung.
Trotz der insgesamt verhaltenen Stimmung gibt es Lichtblicke. Bei den Erwartungen zur künftigen Geschäftslage sinkt der Anteil der Pessimisten: Vor einem Jahr bewerteten 27 Prozent ihre zukünftige Lage als schlecht, aktuell sind es 22 Prozent. Zudem melden 68 Prozent der Unternehmen erhöhte oder zumindest unveränderte Umsätze – mehr als in der Vorjahres- und Herbstbefragung.
Auch in einzelnen Branchen zeigt sich eine spürbare Stimmungsaufhellung: In der Gastronomie bewerten 75 Prozent der befragten Betriebe ihre zukünftige Geschäftslage überwiegend positiv (nach 48 Prozent vor einem halben Jahr), was auf die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer (von 19 auf sieben Prozent) zurückzuführen sein dürfte. In der Diskussion um Fachkräfte und Arbeitszeiten bleibt die bessere Aktivierung von Arbeitsmarktpotenzialen ein Schlüsselthema – ebenso wie verlässliche Rahmenbedingungen, etwa bei Betreuung und Vereinbarkeit.
Kluge Flächenpolitik erfordert vorausschauende Planung
Eine Sonderfrage der Umfrage widmete sich der Flächenpolitik in den Kommunen. Vier von zehn Unternehmen berichten, dass die verfügbaren Gewerbeflächen für Ansiedlungen und Wachstum nicht ausreichen. Angesichts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage ist das ein bemerkenswert hoher Wert. Denn viele Betriebe stellen größere Investitionen und Erweiterungen derzeit zurück. Zudem entstehen konkrete Vorhaben häufig nur dann, wenn geeignete Flächen schon verfügbar sind – allerdings dauert die Entwicklung neuer Gewerbeflächen in vielen Kommunen zehn bis 15 Jahre. „Kluge und erfolgreiche Flächenpolitik muss deshalb vorausschauend sein. Kommunen, die auch künftig attraktiv für Unternehmen bleiben wollen, müssen jetzt die notwendigen Weichen stellen”, betonte Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund.
Eine Sonderfrage der Umfrage widmete sich der Flächenpolitik in den Kommunen. Vier von zehn Unternehmen berichten, dass die verfügbaren Gewerbeflächen für Ansiedlungen und Wachstum nicht ausreichen. Angesichts der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage ist das ein bemerkenswert hoher Wert. Denn viele Betriebe stellen größere Investitionen und Erweiterungen derzeit zurück. Zudem entstehen konkrete Vorhaben häufig nur dann, wenn geeignete Flächen schon verfügbar sind – allerdings dauert die Entwicklung neuer Gewerbeflächen in vielen Kommunen zehn bis 15 Jahre. „Kluge und erfolgreiche Flächenpolitik muss deshalb vorausschauend sein. Kommunen, die auch künftig attraktiv für Unternehmen bleiben wollen, müssen jetzt die notwendigen Weichen stellen”, betonte Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund.
Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, bei der Pressekonferenz zur Vorlage des 116. Ruhrlageberichts.
Wenn Konjunktur und Investitionsdynamik wieder anziehen, droht die Flächenknappheit nach Auffassung der Ruhr-IHKs zum Bremsklotz zu werden. Vor diesem Hintergrund bereiten die Ruhr-IHKs gemeinsam mit den Handwerkskammern und der Business Metropole Ruhr den Wirtschaftsflächengipfel.RUHR 2026 vor: Er findet am 22. April beim Dortmunder Pumpenhersteller WILO SE statt. Mit dabei ist auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, die einen Impuls beisteuern wird.
Vorlage des 116. Ruhrlageberichts zum Jahresbeginn 2026 v.l.: Gero Brandenburg, Heinz-Herbert Dustmann, Stefan Schreiber, Kerstin Groß
In der Pressekonferenz rückte ein konkretes Großprojekt die Wichtigkeit vorausschauender Flächenpolitik in den Fokus: Zwischen Hamm und der Gemeinde Lippetal plant der US-Investor Blackstone an der A2 bei Hamm-Uentrop einen Rechenzentrum-Campus auf rund 27 Hektar. Das Vorhaben hat ein
Investitionsvolumen von rund vier Milliarden Euro. Bei planmäßigem Verlauf könnte der Betrieb ab 2030 starten. „Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel für die Stärkung der regionalen Wirtschaft, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Beschleunigung des digitalen Wandels“, so Dustmann.
11. Februar 2026
Über den Ruhrlagebericht
Der traditionelle Ruhrlagebericht basiert auf der gemeinsamen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet. Für den Jahresbeginn 2026 wurden rund 700 Unternehmen mit über 80.000 Beschäftigten im Zeitraum vom 12. bis 25. Januar 2026 befragt.