Forderungen für eine starke Industrie

IHK-Forderungen für eine zukunftsfähige Industrie

Fünf Handlungsimpulse für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort.
Die Industrie braucht wettbewerbsfähige Energiepreise, zügige Genehmigungen und eine leistungsfähige Infrastruktur. Der Industrieausschuss der IHK zu Dortmund legt dazu ein Positionspapier mit fünf konkreten Handlungsimpulsen vor. Es richtet sich an Politik und Verwaltung und benennt besonders dringliche Aufgaben für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit im Westfälischen Ruhrgebiet. Neben Energieversorgung, kommunalen Entscheidungen und Infrastruktur geht es auch um den Zugang mittelständischer Unternehmen zur Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

„Wer in neue Anlagen, zusätzliche Kapazitäten oder innovative Technologien investiert, braucht verlässliche Bedingungen. Unternehmen müssen kalkulieren können, was Energie kostet, wie lange ein Verfahren dauert und ob ihre Lieferwege funktionieren. Hier erwarten wir Entscheidungen, die im betrieblichen Alltag spürbar etwas verbessern“, erklärt IHK-Vizepräsident Dr. Ansgar Fendel, der zugleich Vorsitzender des Industrieausschusses ist.
Fendel, Dr. Ansgar Portraitfoto
Bei der Energie fordert der Ausschuss dauerhaft international wettbewerbsfähige Preise und stabile Rahmenbedingungen für Strom und Wärme. Ein staatlich gestützter Industriestrompreis könne einzelne Unternehmen vorübergehend entlasten, löse aber die strukturellen Ursachen hoher Energiepreise nicht dauerhaft. Die Energiepolitik müsse technische Möglichkeiten, Marktbedingungen und wirtschaftliche Tragfähigkeit stärker berücksichtigen und dabei dem Klimaschutz weiter Rechnung tragen.
„Eine zeitweise Entlastung hilft den betroffenen Betrieben. Für langfristige Investitionen brauchen wir aber eine Energieversorgung, die insgesamt wettbewerbsfähig ist. Dazu gehört auch die Wärmeversorgung, die für viele industrielle Prozesse entscheidend ist“, betont Dr. Fendel.
Parteipolitische Blockaden verhindern
Auch auf kommunaler Ebene sieht der Industrieausschuss Handlungsbedarf. Bei Standortentscheidungen, der Entwicklung von Gewerbeflächen und Infrastrukturprojekten müssten Räte selbst bei schwierigen Mehrheitsverhältnissen zu tragfähigen Lösungen kommen. Wirtschaftlich wichtige Vorhaben dürften nicht in parteipolitischen Blockaden stecken bleiben.
Zugleich fordert der Ausschuss schnellere und effizientere Verwaltungen. Bestehende rechtliche Spielräume sollten für wirtschaftsfreundliche Entscheidungen genutzt, Antrags- und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Eine engere Zusammenarbeit benachbarter Kommunen könne helfen, Aufgaben kostengünstiger und zügiger zu erledigen.
„Wenn ein Betrieb erweitern will, braucht er klare Zuständigkeiten und ein Verfahren, das verlässlich vorankommt. Politik und Verwaltung können hier unmittelbar etwas bewegen: pragmatische Mehrheiten organisieren, Abläufe vereinfachen und über Stadtgrenzen hinweg zusammenarbeiten“, so Dr. Fendel.
Brückenschäden: Höhere Kosten, unsichere Lieferketten
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verkehrsinfrastruktur. Kurzfristige Sperrungen wichtiger Verkehrsachsen wegen gravierender Brückenschäden zeigen nach Einschätzung des Ausschusses, wie verletzlich Wirtschaftsstandorte geworden sind. Für Unternehmen bedeuten sie Umwege, höhere Kosten und unsichere Lieferketten. Brückensanierungen und Ersatzneubauten müssten deshalb mit klaren Prioritäten, gesicherter Finanzierung und beschleunigten Verfahren vorangetrieben werden. Dazu gehörten eine über kommunale und regionale Grenzen abgestimmte Baustellenplanung und eine transparente Kontrolle der Fortschritte.
Das fünfte Handlungsfeld betrifft die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie. Der wachsende Investitionsbedarf eröffnet nach Auffassung des Ausschusses auch industriellen Mittelständlern Möglichkeiten, etwa als Zulieferer, Technologiepartner oder Anbieter von Produkten für zivile und militärische Anwendungen (Dual-Use-Lösungen). Dafür brauche es klare Anlaufstellen, transparente Anforderungen und verlässliche Perspektiven. Zugangshürden müssten gesenkt, Beschaffungs- und Vergabeverfahren vereinfacht sowie Sicherheitsprüfungen und Genehmigungen beschleunigt werden.
Das jetzt vorgelegte Papier ergänzt die bestehenden Positionen der IHK zu Dortmund, insbesondere die „Resolution für die Zukunft der Industrie – Transformation mit Augenmaß“ vom 2. Dezember 2024 und die Wirtschaftspolitischen Leitlinien 2023–2027. Ziel ist, Investitionen und Innovationen auch unter schwierigen Bedingungen zu ermöglichen. Dafür müssten Wirtschaft, Politik und Verwaltung gemeinsam die Voraussetzungen schaffen.
30. Oktober 2026