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Digitalisierungsumfrage 2026 - Unternehmen halten Kurs


Verlässliche rechtliche Regelungen, offene Schnittstellen und Standards, Bürokratieabbau und mehr: Wie die deutschen Unternehmen auf dem Weg in die digitale Souveränität unterstützt werden können, zeigt die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 – nur einer von vielen Aspekten.

Digitalisierung auf solidem Niveau

Die Erhebung unter knapp 5.000 Unternehmen aller Branchen macht deutlich, dass sich die Betriebe in Sachen Digitalisierung oder Cyberabwehr grundsätzlich solide aufgestellt sehen. Sie zeigt aber auch den Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen: Ohne Bürokratieabbau etwa beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) oder Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität wird es für die Wirtschaft zunehmend schwierig, Risiken zu begegnen und Chancen zu nutzen.
Die deutsche Wirtschaft hält bei der Digitalisierung Schritt. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 2,8 bleibt der Digitalisierungsgrad in den Betrieben auf solidem Niveau.
Die Digitalisierung hilft Unternehmen, aktuellen Herausforderungen zu begegnen: hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, steigende Kundenanforderungen. Betriebe digitalisieren in erster Linie, um (Arbeits-)Prozesse effizienter zu gestalten und um die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.
Trotz des schwierigen Umfelds nutzen mehr als ein Drittel der Unternehmen die Digitalisierung, um innovative Produkte, Dienstleistungen oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Wettbewerbsfaktor KI

Künstliche Intelligenz ist in den Unternehmen angekommen – und das über Standardanwendungen hinaus. Am häufigsten wird generative KI zur Erstellung von Texten, Bildern oder Codes genutzt (78 Prozent), gefolgt von Anwendungen für personalisierte Kundenansprache und Kundensupport (43 Prozent) sowie für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung (38 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr nimmt der Einsatz von KI für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung deutlich zu. Auch die Entwicklung und Optimierung von Produkten gewinnt an Bedeutung, insbesondere in der Informations- und Kommunikationsbranche sowie in der Industrie.
Branchen setzen KI sehr unterschiedlich ein: Im Gastgewerbe (62 Prozent) und Handel (53 Prozent) liegt der Schwerpunkt auf personalisierter Kundenansprache, während die Finanzwirtschaft KI verstärkt für Risikoanalysen nutzt (41 Prozent). Um auch die Unternehmen zu adressieren, die KI-Anwendungen nicht im Einsatz haben oder den Einsatz planen, braucht es gezielte Unterstützungsangebote bezüglich des digitalen Reifegrads. KI wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor – insbesondere vor dem Hintergrund hoher Standortkosten in Deutschland.

Rechtliche Unsicherheiten

Rechtliche Unsicherheiten bleiben die größte Herausforderung für Unternehmen bei der Datennutzung. Fehlendes Know-how, eingeschränkter Zugang zu Daten Dritter und Kosten werden im Vergleich zum Vorjahr seltener als Hemmnis genannt, während die Datenqualität 2025 etwas stärker in den Fokus rückt.
Über alle Branchen hinweg sind Datenschutz und technische Hemmnisse die zentralen Themen bei der Datennutzung. Technische Hürden wie zum Beispiel Datensilos, fehlende Infrastruktur oder Software, stehen in Zusammenhang mit dem Digitalisierungsgrad und nehmen mit wachsender Reife ab.

Hohe Bedrohungslage

Die größere Angriffsfläche durch die weiter voranschreitende Digitalisierung, die geopolitische Lage und die weitere Professionalisierung der Angriffe unter anderem durch künstliche Intelligenz sind dafür verantwortlich, dass die Bedrohungslage insgesamt sehr hoch bleibt. Die Industrie und der Bereich Verkehr, Transport und Lagerei sind ganz besonders im Fokus der Angreifer. Cybersicherheit bleibt insbesondere für mittlere und größere Unternehmen ein besonders kritischer Faktor. Kleinere Unternehmen sind zwar noch weniger betroffen, tragen aber ebenfalls ein relevantes Risiko.
Die Anzahl erheblicher Cybervorfälle ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben und bei den größeren Unternehmen sogar gesunken. Der Wirtschaft gelingt es scheinbar, sich besser zu schützen. Der merkliche Rückgang bei den größeren Unternehmen könnte auf verbesserte Sicherheitsmaßnahmen und eine erhöhte Beurteilungskompetenz in Bezug auf erhebliche Sicherheitsvorfälle sowie die Erfüllung regulatorischer Vorgaben hindeuten. Die IKT-Branche hat am wenigsten Vorfälle zu beklagen – die berufsmäßige Vorsorge zahlt sich offenbar aus.
Insgesamt zeigt sich: Unternehmen setzen auf Prävention, aber die Vorbereitung auf den Ernstfall ist noch ausbaufähig, insbesondere bei Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Mittlere und große Unternehmen sind sehr gut aufgestellt. Industrie und Finanzwirtschaft haben in der Breite die meisten Maßnahmen umgesetzt, genauso wie die IKT-Branche selbst.
Technische Basismaßnahmen wie Backups, Updates und Identitätsmanagement sind weit verbreitet, während proaktive organisatorische Maßnahmen wie Penetrationstests, Notfallübungen oder das übungsmäßige Wiedereinspielen von Backups deutlich unterrepräsentiert bleiben.
Angesichts des hohen Kostendrucks und vieler Herausforderungen müssen die Unternehmen dranbleiben und Cybersicherheitsmaßnahmen weiter Priorität einräumen. Vor allem die Krisenvorsorge im Sinne von Resilienz bedarf weiterer Anstrengungen, damit der Betrieb nach einem Angriff schnell wieder aufgenommen werden kann und die Schäden begrenzt bleiben.

Forderungen der Wirtschaft im Überblick

  • Digitalisierung ​
    Ein gewisser digitaler Reifegrad ist Voraussetzung für die Anwendung und Implementierung digitaler Innovationen. Insbesondere einige kleinere Unternehmen benötigen gezielte Unterstützungsangebote zur Erhöhung ihres digitalen Reifegrads. Entsprechende Unterstützungsangebote von EU, Bund und Ländern – wie die Mittelstand-Digital Zentren oder die European Digital Innovation Hubs – sollten passgenau weiterentwickelt werden. ​
  • KI & Daten​
    Der Einsatz von KI wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Damit Unternehmen KI-Lösungen implementieren und Daten nutzen können, brauchen sie klare und rechtssichere Rahmenbedingungen. Es sollte sichergestellt werden, dass der rechtliche Rahmen innovationsfreundlich, konsistent und kohärent ist, um bürokratischen Aufwand zu minimieren und Doppelverpflichtungen sowie Regelungskonflikte auszuschließen.​
  • Netzausbau​
    Der Ausbau der Glasfaser- und Mobilfunknetze wird häufig durch langwierige, nicht durchgängig digitalisierte Genehmigungsverfahren der öffentlichen Hand verzögert. Bund, Länder und Kommunen müssen dringend ihre Strukturen modernisieren und sich zukunftsfähig aufstellen. ​
  • Moderne Verwaltung​
    Eine vollständig digitalisierte Verwaltung ist ein zentraler Baustein für den Fortschritt. Unternehmen brauchen durchgängig digitale und unkomplizierte Verfahren. Dafür sollte die öffentliche Hand ein plattformbasiertes Verwaltungsökosystem aufbauen, das effizient arbeitet und gleichzeitig das Innovationspotenzial der Privatwirtschaft einbindet.​
  • Cybersicherheit​
    Im Bereich Cybersicherheit braucht es einen laufenden Verbesserungsprozess. Entscheidend sind eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft sowie passgenaue Unterstützungsangebote, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Unternehmen gerecht werden.​
  • Digitale Souveränität​
    Im Hinblick auf digitale Souveränität wünschen sich die Unternehmen vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine innovationsfreundliche Regulierung. Priorität sollte offenen Schnittstellen und Standards, digitaler Bildung und der Förderung von Open‑Source eingeräumt werden sowie Investitionen in Schlüsseltechnologien, Rechenzentren und Infrastruktur. Durch ein reformiertes Vergaberecht sollte der Zugang von Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen zu öffentlichen Aufträgen erleichtert werden. Die öffentliche Verwaltung sollte ihre Nachfragemacht in einem Digital-Ökosystem mit souveränen Lösungen stärker ausspielen.​