Gewerbemieten-Service Südbrandenburg
Das Interesse am Gewerbemieten-Service ist ungebrochen – als einzige derartige Informationsquelle bietet er einen aktuellen Überblick über marktübliche Einzelhandelsmieten in Südbrandenburg. Die neueste Erhebung zeigt ein diffuses Bild zwischen Kernstädten, Tourismusregionen und Strukturwandelräumen. Sie finden die Daten im rechten Bereich als Pdf-Dokumente zum Download.
Was ist der Gewerbemieten-Service?
Der Gewerbemieten-Service der IHK Cottbus bietet eine Orientierungshilfe zu marktüblichen Mietpreisspannen von gewerblich nutzbaren Räumen oder Flächen im Kammerbezirk Südbrandenburg. Die jeweiligen Mietpreisübersichten der Regionen sind als Download abrufbar.
Nebenstehend finden Sie die aktuellen Daten für 2025.
Hier finden Sie die Datenerhebungen aus den vergangenen Jahren
Hier finden Sie die Datenerhebungen aus den vergangenen Jahren
Nur mit Ihrer Unterstützung
Damit wir diesen Service weiterhin anbieten können, führen wir regelmäßig Abfragen durch in anonymisierter und nicht lokalisierbarer Form. Dabei befragen wir Mieter oder Vermieter. Hier werden unter anderem Daten zur Nettokaltmiete, zur Mietpreisentwicklung sowie zur Verortung von Laden- und Büroflächen, Praxis- und Gewerberäumen, Gaststätten, Bars sowie Lager- und Freiflächen erfasst.
Durch Ihre qualifizierten Angaben tragen Sie zu Wertigkeit des Produktes bei. Er ist für gewerbliche Mieter als auch Vermieter eine wichtige Orientierung, ähnlich wie der Mietspiegel für Wohnraummiete.
Welche Kriterien bestimmen den Nutzwert eines Gewerberaums?
Diese Einschätzungen haben sowohl objektive als auch subjektive Komponenten und sind für die verschiedenen Flächenarten zu differenzieren. Die Ausprägung und Bedeutung der einzelnen Bestimmungsgrößen kann zudem - je nach Marktsituation und Struktur - regional oder gar lokal sehr verschieden sein. Hier finden Sie die Bestimmungsgrößen der verschiedenen Gewerberäume.
- Bestimmungsgrößen Ladenmiete
- Bestimmungsgrößen Büro- und Praxisraummiete
- Bestimmungsgrößen Mieten für Produktionsräume
Daten von 2025 zeigen diffuses Bild
Nach den Befragungen im Sommer/Herbst 2025, liegen nun die Werte vor. Diese wurden durch Befragungen bei Vermietern, Mietern, Gutachterausschüssen, Sachverständigen, Immobilienmakler, Wohnungsunternehmen, Entwicklungsgesellschaften, Kreditinstitute u.a. recherchiert. Und sie zeigen vor allem eines: Einheitliche Trends gibt es kaum noch. Stattdessen bestimmen Leerstände, Nachfrageschwankungen, neue Nutzungen und regionale Besonderheiten zunehmend die Struktur des Marktes.
„Seit Corona ist das Bild sehr diffus“, sagt Annett Schmidt, bei der IHK Cottbus verantwortlich für den Gewerbemieten-Service.
Lagekategorien verlieren an Schärfe – 1A ist nicht mehr automatisch Premium
Das klassische Muster „1A-Lage teuer – Nebenlage günstig“ bricht auf. Leerstand, verändertes Kaufverhalten und ein schwächerer Innenstadthandel führen dazu, dass zentrale Lagen nicht mehr automatisch die höchsten Preise erzielen.
Annett Schmidt: „Ein Ladenlokal in der Fußgängerzone ist heute nicht mehr per se eine 1A-Lage. Diese klare Trennung existiert seit einigen Jahren so nicht mehr.“
Einzelhandel: weitgehend stabil – Stabilität durch Zurückhaltung
Während einige Städte leichte Anstiege verzeichnen, bleiben die meisten Ladenmieten stabil. Der Grund ist bemerkenswert einfach, so Annett Schmidt: „Durch Leerstände wissen viele Vermieter, dass höhere Preise unrealistisch sind. Nach unten gehen wollen sie aber auch nicht, weil eine gewisse Qualität erhalten bleiben soll.“
Gastronomie: leicht steigende Mieten, aber schwer interpretierbar
Gastroflächen bleiben gefragt – trotz hoher Betriebskosten. Die IHK-Daten zeigen moderate Steigerungen, aber die Ursachen bleiben vielschichtig. Die Gewerbemieten der Kammer lassen da keine eindeutige Interpretation zu. „Die Spanne der Rückmeldungen ist einfach zu groß.“
Büros: der volatilste Teil des Marktes
Die stärksten Ausschläge gibt es bei Büroflächen – und zwar je nach Region in völlig unterschiedliche Richtungen. In Cottbus steigen beispielsweise die Büromieten bei gleichzeitig sinkenden Ladenmieten. Die Innenstadt ist für Büros kaum noch verfügbar, denn parallel wächst der Bedarf bei Forschungseinrichtungen, Behörden und Dienstleistern im Zuge der Strukturwandel-Projekte. Der Lausitz Science Park und die Erweiterung des Klinikums zur Medizinischen Universität Carl Thiem sind noch nicht gebaut, viele weitere Institutionen suchen Übergangslösungen in der City.
Annett Schmidt: „Die Nachfrage nach Büros ist weiterhin da – das treibt die Preise.
Annett Schmidt: „Die Nachfrage nach Büros ist weiterhin da – das treibt die Preise.
Dahme-Spreewald: deutlicher Anstieg – BER-Effekt bestätigt
Im Landkreis Dahme-Spree steigen Büro- und Gewerbemieten spürbar. „Der BER scheint zu wirken. Es wurde viel neu gebaut, und trotzdem bleibt die Nachfrage hoch. Das überrascht selbst uns.“, so Annett Schmidt.
Regionale Besonderheiten im Überblick
Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz sind leichte Steigerungen zu verzeichnen. „Besonders in Senftenberg sehen wir Steigerungen – vermutlich auch wegen der wirtschaftlichen Entwicklungen in Schwarzheide, Spremberg bzw. im Industriepark Schwarze Pumpe. Der Tourismus im Seenland könnte eine Rolle spielen, aber das lässt sich nicht eindeutig belegen. Im Elbe-Elster-Land gibt es eine stabile Lage ohne größere Ausschläge, was sich mit den Daten deckt – große Veränderungen gibt es dort nicht.
Große Mietspannen – und warum sie unvermeidlich sind
Selbst nach Streichung extremer Ausreißer bleiben die Spannen zum Teil groß.
Der Hauptgrund ist schlicht, so Annett Schmidt: „Wir haben weniger Datensätze. Je weniger Zahlen, desto größer die Spreizung. Der Service ist nicht repräsentativ – er ist eine Orientierung, mehr nicht.“
Dennoch wird er stark nachgefragt, bestätigt die IHK-Mitarbeiterin. Viele Unternehmer nutzen ihn für Vorverhandlungen – und Vermieter für die eigene Preisfindung.
Wie der IHK-Service praktisch hilft
Unternehmen nutzen den Gewerbemietenservice vor allem in zwei Situationen: Einerseits zur Orientierung bei Neuvermietung oder Vertragsänderung.
„Gründer oder Mieter melden sich, wenn sie ein Angebot erhalten haben und nicht einschätzen können, ob es passt. Dann schauen wir gemeinsam die Zahlen durch.“
Andererseits wollen Vermieter marktgerechte Werte festlegen. Gerade kleinere Eigentümer oder externe Investoren aus anderen Bundesländern fragen dazu häufig nach.
Rechtlich bindend ist der Service jedoch nicht. Er hat keine Wirkung vor Gericht, gegenüber Banken oder dem Finanzamt. Aber er verschafft Vergleichbarkeit in einem Markt, der ansonsten kaum Transparenz bietet.
Rechtlich bindend ist der Service jedoch nicht. Er hat keine Wirkung vor Gericht, gegenüber Banken oder dem Finanzamt. Aber er verschafft Vergleichbarkeit in einem Markt, der ansonsten kaum Transparenz bietet.
Prognose bis 2029 – schwierig wie selten
Eine verbindliche Prognose gibt es praktisch nicht. Schmidt sieht gleich mehrere Unsicherheiten:
- Schwächung des Einzelhandels in Innenstädten
- unklarer Bedarf an Büroflächen (Homeoffice vs. Präsenz)
- neue Nutzungsformen für Geschäftslagen (Wohnen, Kultur, Soziales)
- Strukturwandelprojekte, die punktuell Nachfrage erzeugen
- unterschiedliche Entwicklung von Zentrum und Peripherie
„Grundsätzlich wird es Preissteigerungen geben – wie überall bei den Kosten. Aber ob Büros oder Läden in vier Jahren teurer oder günstiger sind, hängt extrem von lokalen Entwicklungen ab.“
FAZIT
Der Gewerbemietenmarkt in Südbrandenburg ist uneinheitlich, in Bewegung und gleichzeitig verunsichert. Der Service der IHK bietet Orientierung, aber kein vollständiges Bild. Dafür ist die Lage zu volatil, die Datenlage dünner geworden – und der Strukturwandel bringt Dynamik, aber auch Unschärfe.
Was bleibt:
- Ladenmieten: weitgehend stabil, Einzelhandel bleibt im Umbruch
- Gastronomie: leicht steigend, aber schwer interpretierbar
- Büros: regional stark differenziert, Cottbus und LDS mit Anstiegen
- Lagekategorien verlieren an Bedeutung
- Prognosen: nur mit großer Vorsicht möglich
Lesen Sie auch: Keine Dynamik, viel Differenzierung: Der Gewerbemarkt in Südbrandenburg > Interview mit Immobilienexperten
Den Artikel für das FORUM 1-2|2026 schrieb Jörg Tudyka