IHK-Vollversammlung befasst sich mit Resilienz / Staatssekretär Schöffel spricht über kommunale Finanzen in herausfordernden Zeiten

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Coburg hat im Anschluss an ihre turnusgemäße Sitzung den Austausch mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Kommunen und Wirtschaft fortgesetzt. Im Mittelpunkt standen Themen, die für die Zukunftsfähigkeit des Coburger Wirtschaftsraums von besonderer Bedeutung sind: wirtschaftliche Resilienz, kommunale Handlungsfähigkeit und verlässliche Standortbedingungen.
Im Verlauf der Sitzung wurde allgemein deutlich: Die regionale Wirtschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen, die unternehmerisches Handeln, Investitionsentscheidungen und Standortentwicklung unmittelbar berühren. Einen besonderen inhaltlichen Akzent setzte der Austausch mit Oberst Knuth Horst Jung, stellvertretender Kommandeur des Landeskommandos Bayern, zur zivil-militärischen Zusammenarbeit.


IHK-Präsident Dr. Andreas Engel würdigte die sicherheitspolitische Expertise von Oberst Jung und betonte die wachsende Bedeutung des Themas für die regionale Wirtschaft: „Sicherheit ist heute eine zentrale Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität, Investitionen und Beschäftigung. Für unsere Unternehmen geht es dabei nicht um abstrakte sicherheitspolitische Fragen, sondern um ganz konkrete Standort- und Krisenvorsorge.


Oberst Jung gab einen Überblick über Grundfragen der zivil-militärischen Zusammenarbeit und stellte die Bedeutung belastbarer Abläufe, klarer Zuständigkeiten und vorbereiteter Krisenstrukturen heraus. Für Unternehmen bedeutet dies: Resilienz beginnt nicht erst im Ernstfall, sondern mit Vorsorge, Vernetzung und dem Wissen um Ansprechpartner und Schnittstellen. Nach den Worten von Oberst Jung sind Sicherheit und Resilienz gesamtstaatliche Aufgaben. Für Betriebe bedeute das, eigene Notfall- und Krisenstrukturen zu prüfen, Schnittstellen zu Behörden zu kennen und sich frühzeitig in regionale Netzwerke einzubringen. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die IHK zu Coburg am Mittwoch, 23. September 2026, im Kongresshaus Rosengarten gemeinsam mit der Europäischen Metropolregion Nürnberg die Fachkonferenz „Defence als Chance für Zulieferer“.

Im öffentlichen Teil begrüßte die IHK zu Coburg anschließend Martin Schöffel, MdL, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Sein Vortrag stand unter dem Titel „Kommunale Finanzen in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen“. Bereits in der Begrüßung durch IHK-Präsident Dr. Andreas Engel wurde deutlich, dass dieses Thema aus Sicht der Wirtschaft weit über klassische Haushaltsfragen hinausreicht.


„Für unsere Betriebe geht es um deutlich mehr: um die Handlungsfähigkeit der Kommunen, um Investitionen und um die Frage, ob Rahmenbedingungen vor Ort unternehmerisches Handeln ermöglichen oder ausbremsen“, sagte Dr. Engel. Starke Kommunen seien starke Wirtschaftsstandorte. „Leistungsfähige Städte und Gemeinden schaffen Voraussetzungen dafür, dass Unternehmen wachsen, investieren und Fachkräfte gewinnen können.“


Staatssekretär Schöffel machte in seinen Ausführungen deutlich, dass die kommunalen Finanzen vor erheblichen Herausforderungen stehen. Die Finanzlage in Bayern und insbesondere die der Kommunen bleibe angespannt. Umso wichtiger seien klare Prioritäten, verlässliche Unterstützung und investitionsfähige Städte, Gemeinden und Landkreise. Der Freistaat verstehe sich dabei als verlässlicher Partner der Kommunen. „Bayerns Kommunen können sich auf den Freistaat verlassen – wir stehen sicher und zuverlässig an ihrer Seite“, lautete eine zentrale Botschaft Schöffels.


Zugleich stellte Schöffel klar, dass staatliche Unterstützung eigene Konsolidierungsbemühungen nicht ersetzen könne. Bedarfszuweisungen und Stabilisierungshilfen seien als finanzielle „Hilfe zur Selbsthilfe“ zu verstehen. Sie sollen Kommunen mit besonderen Herausforderungen stabilisieren, Spielräume erhalten und notwendige Investitionen ermöglichen. Kritisch angesprochen wurde zudem, dass Aufgaben auf kommunaler Ebene anwachsen, ohne dass dauerhaft eine auskömmliche Finanzierung gesichert ist. Gerade bei steigenden Belastungen in sozialen Aufgabenbereichen oder allgemeinen Verwaltungsaufgaben müsse realistisch mitbedacht werden, welche finanziellen Folgen neue Aufgaben für Landkreise, Städte und Gemeinden haben.


Dr. Engel unterstrich den engen Zusammenhang zwischen kommunaler Finanzkraft und wirtschaftlicher Entwicklung: „Für die Wirtschaft ist dies keine verwaltungsinterne Frage. Wenn kommunale Haushalte strukturell überlastet sind, geraten Investitionen in Infrastruktur, Flächenentwicklung, Bildung, Digitalisierung und Standortqualität unter Druck.“ Kommunale Finanzkraft sei deshalb ein zentraler Standortfaktor.


Aus Sicht des IHK-Präsidenten gehören kommunale Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik eng zusammen. „Was Unternehmen stärkt, stärkt am Ende auch die öffentlichen Haushalte“, betonte Dr. Engel. Investitionen, schnelle Genehmigungen, verlässliche Infrastruktur, bezahlbare Energie, digitale Verwaltungsprozesse und spürbarer Bürokratieabbau seien keine Sonderinteressen einzelner Betriebe, sondern Grundlage kommunaler Zukunftsfähigkeit.


Auch beim Bürokratieabbau sah der IHK-Präsident erheblichen Handlungsbedarf. „Weniger Bürokratie bedeutet mehr Dynamik – in Unternehmen ebenso wie in Rathäusern. Schnellere Verfahren ermöglichen Investitionen, klare Zuständigkeiten schaffen Verlässlichkeit, digitale Abläufe sparen Ressourcen“, so Dr. Engel.


Der Abend zeigte: Wirtschaft, Kommunen und Staat stehen vor gemeinsamen Aufgaben. Sicherheit, Finanzkraft und Standortqualität lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Entscheidend ist ein Schulterschluss, der Investitionen erleichtert, Verwaltung modernisiert und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. „Nur wenn Unternehmen handeln, investieren und wachsen können, bleiben auch Kommunen stark – und der Coburger Wirtschaftsraum zukunftsfähig“, fasste Präsident Dr. Engel zusammen.