IHK zu Coburg kritisiert Anschlussverluste im Bahnverkehr und sucht Lösungen mit der BEG
Die Industrie- und Handelskammer zu Coburg kritisiert massive Anschlussverluste im neuen Jahresfahrplan 2026 der Deutschen Bahn, die die Funktion Coburgs als Verkehrsknotenpunkt und damit auch den Wirtschaftsstandort gefährden. In einem Schreiben an die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienenpersonennahverkehr im Freistaat plant, finanziert und kontrolliert, hinterfragt die Kammer die „infrastrukturellen Gründe“ der Verschlechterungen und fordert die Prüfung konkreter Lösungsvorschläge für Bad Rodach und Sonneberg.
In den vergangenen Jahren hat sich die Erreichbarkeit des Wirtschaftsraums Coburg dank zusätzlicher Verbindungen deutlich verbessert. Mit dem Fahrplanwechsel zum Jahresbeginn 2026 haben sich jedoch Anschlussbeziehungen verschlechtert. So sind Umstiege aus dem Franken-Thüringen-Express in Richtung Bad Rodach nicht mehr zuverlässig möglich. Auch Anschlüsse von Regionalzügen zu ICE-Verbindungen, etwa in Richtung Berlin, gehen verloren.
Der Kern des Problems liegt in verschiedenen Fahrzeitverlängerungen – die zwar minimal sind, aber zum Verlust von Umsteige- und Anschlussmöglichkeiten führen. Beispiel: Auf der Strecke Bad Rodach – Coburg benötigt der Zug nun 26 statt wie bisher 24 Minuten. Diese zwei Minuten Verzögerung führen dazu, dass die Mindestumsteigezeit in Coburg verfehlt wird. Die Konsequenz für Reisende aus Erfurt: Der Anschluss für die Weiterfahrt bricht weg, woraus eine volle Stunde Wartezeit resultiert. Mit dem Fahrplanwechsel hat sich auch in Richtung Sonneberg die Anbindung deutlich verschlechtert: Hier benötigt der RE in Fahrtrichtung Sonneberg generell 21 Minuten, aber in der Gegenrichtung je nach Tageszeit zwischen 21 und 23 Minuten. Dies führt dazu, dass in Coburg bei Ankunft des RE aus Sonneberg zur Minute 26 die Anschlüsse zu den ICE-Zügen ab Coburg um 13.27 Uhr und 15.27 Uhr nicht zu erreichen sind. Der Zug aus Sonneberg fährt im Gleis 3 ein, aber der ICE hat soeben Coburg am Gleis 2 verlassen. Aus Sicht der IHK zu Coburg sind das unzumutbare Verschlechterungen, und zwar nicht nur für Pendler, sondern insbesondere auch mit Blick auf wichtige Wirtschafts- und Tourismusstandorte in der Region.
Die IHK zu Coburg belässt es aber nicht bei der Bestandsaufnahme, sondern liefert auch tragfähige alternative Lösungen, die gemeinsam mit Gerd Weibelzahl, IHK-Verkehrsausschussmitglied und Vorsitzender der VCD-Kreisgruppe Coburg, erarbeitet wurden. So zeigt ein „Musterfahrplan“ auf, wie durch die Führung der RE-Züge über Gleis 4 und leichte Taktverschiebungen die Anschlüsse gerettet werden könnten. Um für Transparenz zu sorgen, hat die IHK zu Coburg zudem einen Fragenkatalog an die BEG gerichtet. Darin bittet die Kammer um Informationen zu den Ursachen der Fahrzeitverlängerungen und fragt nach, welche infrastrukturellen Maßnahmen nötig sind, um die bisherigen, günstigeren Fahrzeiten wiederherzustellen.
„Eine gute und verlässliche Schienenanbindung ist ein zentraler Standortfaktor für unsere Unternehmen und die Beschäftigten“, betont Dr. Andreas Engel, Präsident der IHK zu Coburg. „Wenn Anschlüsse wegfallen oder Umsteigezeiten deutlich länger werden, dann konterkariert das die Ziele einer erfolgreichen Verkehrswende, schwächt die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs – und letztlich den Wirtschaftsstandort.“
Die IHK zu Coburg strebt hierzu den konstruktiven Austausch mit der BEG an. Ziel ist es, die Ursachen der Fahrzeitverlängerungen und Anschlussverluste transparent zu klären und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die sowohl den betrieblichen Rahmenbedingungen als auch den Bedürfnissen der Region gerecht werden. Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel unterstreicht den kooperativen Ansatz: „Wir setzen auf den Dialog mit der BEG, um die erreichten Verbesserungen im Bahnangebot nicht zu gefährden. Gerade für eine erfolgreiche Verkehrswende braucht es attraktive, gut abgestimmte Verbindungen – insbesondere an zentralen Knotenpunkten wie dem Bahnhof Coburg.“
Die IHK zu Coburg sieht den Gesprächen mit der BEG positiv entgegen und wird sich weiter nach Kräften für eine leistungsfähige und verlässliche Bahnanbindung der Region einsetzen.
