Ausbildungsbetriebe zeigen Verantwortung
Die gute Nachricht gleich am Anfang: Auch wenn die aktuelle wirtschaftliche Lage ausgesprochen herausfordernd ist, halten die Coburger Ausbildungsbetriebe überwiegend an ihrem Ausbildungsengagement fest.
„Mein großer Dank und Respekt richtet sich daher an die Coburger Ausbildungsbetriebe: Sie sorgen - auch in schwierigen Zeiten - mit ihrem vorbildlichen Ausbildungsengagement nicht nur für die Deckung des eigenen Fachkräftebedarfs, sondern übernehmen damit auch Verantwortung zur Stärkung unseres Wirtschafts- und Lebensraums“, betont Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel. Positiv ist auch, dass die Mehrzahl der Schulabgänger sich für eine duale Berufsausbildung entscheidet. „Die Karriere mit Lehre ist nach wie vor erste Wahl für die meisten jungen Leute“, so Schnabel weiter. Gleichwohl ist es für viele Unternehmen eines der drängendsten Probleme, genügend passenden Nachwuchs zu finden. Mittlerweile kann etwa die Hälfte der IHK-Ausbildungsbetriebe nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzen. „Der Mangel an Azubis verstärkt unterm Strich den Fachkräftemangel. Ich appelliere deshalb an unsere Betriebe, an ihrem Ausbildungsengagement festzuhalten! Die Herausforderungen der Transformation werden unsere Unternehmen lösen, was jedoch bleibt, ist der Bedarf an beruflich gut ausgebildeten Fachkräften“, mahnt Schnabel.
Zum Ausbildungsbeginn stellt sich die Situation im IHK-Bezirk Coburg so dar: Bislang wurden 591 Ausbildungsverträge neu eingetragen -das ist ein Minus von circa 7 Prozent im Vergleich zu 2025 (635 Verträge). Diesen Rückgang führt Rainer Kissing, Bereichsleiter Berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer zu Coburg, auf die oft mangelnde Übereinstimmung zwischen Interessen und Fähigkeiten der Bewerber auf der einen und den Anforderungen der jeweiligen Ausbildungsstellen auf der anderen Seite zurück - Stichwort „Berufsorientierung“.
Zwar führt nach den Worten von Rainer Kissing die aktuell schwierige konjunkturelle Situation dazu, dass manche Betriebe die Zahl ihrer Ausbildungsstellen reduzieren müssen. Einzelne Unternehmen haben ihr Ausbildungsengagement auch deshalb zurückgefahren, weil sie gemeldete Lehrstellen in der Vergangenheit oft nicht besetzen konnten. Die Zahl der Bewerber ist regional leicht auf 616 gestiegen (+2,3 Prozent gegenüber 2025) - die Zahl der gemeldeten Ausbildungsplätze sank um 8,4 Prozent. Dennoch entfallen aktuell auf einen Bewerber zwei offene Ausbildungsstellen. Ein Plus bei den eingetragenen Ausbildungsverhältnissen gab es bei den Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen, den Handels- sowie den Lagerberufen. Ein Minus dagegen verzeichneten die Industriekaufleute, die Fachinformatiker sowie die Metall- und Elektroberufe.
„Auch über den offiziellen Ausbildungsbeginn hinaus bis weit in den Herbst hinein stellen viele Unternehmen noch Auszubildende ein. Die Chancen, kurzfristig noch in die duale Ausbildung zu starten, sind also nach wie vor sehr hoch“, betont Rainer Kissing. Derzeit sind 187 Bewerberinnen und Bewerber noch unversorgt, zugleich sind 371 Ausbildungsstellen bislang unbesetzt - vor allem in den gewerblich-technischen Berufen. Im Coburger IHK-Bezirk bilden 298 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen in 80 gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen aus. Die duale Berufsausbildung eröffnet Real- und Mittelschülern, aber auch Absolventen von Fachoberschulen und Gymnasien, beste Beschäftigungsperspektiven und Karrierechancen, denn Aufgabenvielfalt und Komplexität in der Berufswelt steigen und damit auch der Anteil hoch anspruchsvoller Ausbildungen. Ein großes Problem ist das „Matching“, also dass ausbildungsplatzsuchende Jugendliche und ausbildende Unternehmen nicht zusammenfinden. Erschwerend kommt oft eine falsche Erwartungshaltung der Jugendlichen hinzu, die zu Enttäuschungen und im schlechtesten Fall zum Ausbildungsabbruch führen kann. „Die Abbruchquote liegt bei 16 Prozent - das können wir uns nicht leisten!“, mahnt Kissing.
Die IHK zu Coburg unterstützt deshalb die Jugendlichen bei der Berufsorientierung seit vielen Jahren durch unterschiedlichste Angebote, wie beispielsweise die „Zeig dich“-Tour, die in diesem Jahr vom 16. bis 25. November stattfindet. Zu diesem Angebot gibt es weitere Informationen online unter: www.zeig-dich-tour.de
Insbesondere beim Übergang von der Schule in die Berufsausbildung bzw. in die Arbeitswelt ist es entscheidend, dass Betriebe und Schulen zur frühzeitigen Berufsorientierung noch kooperativer und gezielter zusammenarbeiten. An diesem Punkt setzen „Bildungspartnerschaften“ an: Als Brücken zwischen Theorie und Praxis erfreuen sich solche Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen wachsender Beliebtheit im IHK-Bezirk Coburg. Unternehmen, die Bildungspartnerschaften eingehen, handeln besonders vorausschauend, weil sie sich schon heute mit ihrer Belegschaft von morgen auseinandersetzen, ihre Bedarfe besser planen können und durch hilfreiche Impulse zu einer Verbesserung der Ausbildungsreife beitragen.
IHK-Berufsbildungsmesse am 23. und 24. Oktober im Kongresshaus: Um Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern über die Ausbildungsmöglichkeiten in der Region Coburg zu informieren, führt die IHK zu Coburg ihre Berufsbildungsmesse im Coburger Kongresshaus durch. Hier stellen über 60 Unternehmen und Institutionen 100 unterschiedliche Ausbildungsberufe vor.
