Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr
Region Bodensee-Oberschwaben:
Unternehmen bleiben verunsichert, fehlende Reformen bremsen Erwartungen und Investitionen.
Die Unternehmen in der Region Bodensee-Oberschwaben starten verhalten ins neue Jahr. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem Herbst leicht verbessert, von einer konjunkturellen Trendwende kann jedoch weiterhin keine Rede sein. Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) zeigen: Erwartungen, Investitionen und Beschäftigungspläne bleiben zurückhaltend – die Verunsicherung der Unternehmen ist groß. „Es gibt leichte Lichtblicke, insbesondere in der Industrie. Aber sie reichen nicht aus, um deutlich mehr Investitionen am heimischen Standort oder zusätzliche Beschäftigung auszulösen“, erklärt Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben.
Aktuell bewerten 32 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, 45 Prozent als befriedigend und 23 Prozent als schlecht. Bei den Umsätzen deutet sich eine Stabilisierung an: Während unverändert nur gut ein Viertel der Unternehmen Umsatzsteigerungen meldet, ist der Anteil der Unternehmen mit Umsatzeinbußen deutlich zurückgegangen. Auch der Auftragseingang hat sich leicht verbessert, bleibt im Saldo jedoch weiterhin negativ.
Eine nachhaltige Trendwende erwarten die Unternehmen nicht. Nur 16 Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit einer besseren Geschäftsentwicklung, 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 54 Prozent gehen von einer unveränderten Lage aus. Diese Skepsis spiegelt sich besonders deutlich in den Investitions- und Beschäftigungsplänen wider. 16 Prozent der Unternehmen investieren derzeit überhaupt nicht, auch nicht für Ersatzinvestitionen. Wo investiert wird, stehen vor allem Digitalisierung und Rationalisierung im Vordergrund, Erweiterungsinvestitionen bleiben die Ausnahme. Auch die Beschäftigungspläne sind verhalten, der Fachkräftemangel rückt angesichts stagnierender oder rückläufiger Personalplanung in den Hintergrund.
Belastend wirken weiterhin hohe Arbeits- und Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten sowie schwache Impulse aus dem Außenhandel. Fast 40 Prozent der Unternehmen sehen geopolitische Spannungen als Risiko für ihre Geschäftsentwicklung. Verzögerungen bei internationalen Handelsabkommen – etwa beim Mercosur-Abkommen – verstärken die Unsicherheit zusätzlich.
Aus Sicht von IHK-Präsident Buck lassen die Umfrageergebnisse eine klare Schlussfolgerung zu: „Viele Unternehmen investieren hierzulande nicht oder weniger, weil sie nicht wissen, worauf sie sich einstellen sollen. Es fehlt nicht an Ideen oder Konzepten der Unternehmen, sondern an politischer Entscheidungsfähigkeit und damit an der notwendigen Perspektive für den Standort Deutschland. Seit Jahren werden überfällige Reformen vertagt oder auf Minimalkompromisse reduziert – das verunsichert die Betriebe und bremst Wachstum.“
Besonders dringlich sei nun aus seiner Sicht die Umsetzung bekannter Lösungsansätze: „Es ist längst bekannt, was zu tun ist – jetzt müssen Entscheidungen folgen: Bei der Unternehmensbesteuerung zum Beispiel liegen seit Langem konkrete Vorschläge auf dem Tisch, wie Investitionen angereizt und Gewinne im Unternehmen gehalten werden können. Außerdem gilt es Arbeits- und Sozialkosten zu stabilisieren und Beschäftigung bezahlbar zu machen, Energiepreise müssen dauerhaft gesenkt werden, Bürokratie muss abgebaut, Genehmigungsverfahren müssen vereinfacht sowie Handelsabkommen entschlossen umsetzt werden, um neue Märkte zu erschließen und Abhängigkeiten zu reduzieren.“ Bucks Fazit: „Die Konjunkturdaten sind längst kein Warnsignal mehr, sondern Ergebnis verschleppter Reformen und ambitionsloser Wirtschaftspolitik. Die Wirtschaft wartet nicht auf weitere Ankündigungen und eine symbolische Reformpolitik auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern auf klare und mutige Entscheidungen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern.“
Geschäftslage und erwartete Entwicklung Jahresbeginn 2026
Beschäftigung und Investitionen
Risiken
Auftragseingang / Umsatz
Hintergrundinfo: An der IHK-Konjunkturumfrage „Jahresbeginn 2026“ haben sich 287 Unternehmen aus der Region Bodensee-Oberschwaben beteiligt. Die Befragung fand im Januar 2026 statt. Abgefragt wurden die aktuelle Geschäftslage, Umsatz- und Ertragsentwicklung sowie Erwartungen zur künftigen Wirtschaftsentwicklung. Wichtige Indikatoren sind Auftragseingänge, Umsatzerwartungen sowie Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen.
Medieninformation Nr. 05/2026
