Existenzgründung durch Betriebsübernahme

Region Bodensee-Oberschwaben:
Auch in der Region Bodensee-Oberschwaben ist die Gründungsdynamik im vergangenen Jahr weitgehend stabil geblieben – mit einem leichten Trend nach oben. Einen zunehmend wichtigen Part im Bereich Existenzgründung übernehmen mittlerweile Übernahmeregelungen.
Allein im Jahr 2024 sind in den Landkreisen Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis 478 Übernahmen verzeichnet worden, berichtet Jürgen Kuhn, Referent für Gründung, Finanzierung und Unternehmensnachfolge bei der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) – davon 222 im Landkreis Ravensburg, 183 im Landkreis Bodenseekreis und 73 im Landkreis Sigmaringen. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn prognostiziert für die Jahre 2026 bis 2030 rund 26.200 zur Nachfolgeregelung anstehende Unternehmen in Baden-Württemberg, bundesweit gehe man von rund 186.000 aus. „Das Thema Nachfolgeregelung wird uns auch in der Region Bodensee-Oberschwaben weiterhin sehr beschäftigen“, so Kuhn.
Wie eine Übergabe erfolgreich gelinge, hänge nicht nur von Zahlen und Verträgen ab, sondern vor allem von den Menschen, die daran beteiligt seien, so der IHK-Referent weiter. Häufig werde die Nachfolge zu spät oder schlimmstenfalls gar nicht angegangen. Dabei zähle die Übergabe des eigenen unternehmerischen Lebenswerks zu den sensibelsten und folgenreichsten Phasen des Unternehmerlebens. „Wer nicht frühzeitig plant, riskiert nicht nur den Wert seines Unternehmens, sondern auch dessen und die eigene Zukunft.“ Bei einer Unternehmensnachfolge bestehe ein hoher Informations- und Beratungsbedarf. Die IHK Bodensee-Oberschwaben biete für beides ein vielfältiges Angebots-Portfolio, sagt Kuhn und warnt vor Fehlern bei einer Betriebsübergabe.
Kurz vor der Betriebsübergabe beispielsweise neigten viele Inhaber dazu, nicht mehr zu investieren. Die Folge sei ein unsichtbarer Investitionsstau, der nicht nur den Unternehmenswert, sondern auch die Attraktivität für potenzielle Käufer mindere. Hinzu komme, dass viele Unternehmer ihre emotionale Bindung an ihr Unternehmen unterschätzten. „Die emotionale Nähe kann dazu führen, dass Entscheidungen vertagt, Beteiligungsmodelle blockiert oder interessierte Nachfolger durch Unklarheit verunsichert werden“, gibt Kuhn zu bedenken. Auch die steuerliche Seite werde oft unterschätzt. Eine überhastete oder schlecht geplante Übergabe könne für Übergeber, aber auch für Übernehmer erhebliche Belastungen nach sich ziehen und schlimmstenfalls zur Zerschlagung des Unternehmens führen. Sein Rat: „Wer sein Lebenswerk bewahren will, sollte frühzeitig in Strukturen, Gespräche und Menschen investieren.“
Die IHK Bodensee-Oberschwaben bietet das Jahr über zahlreiche Veranstaltungen, Foren, Seminare, Workshops und Sprechtage zum Thema Existenzgründung und Unternehmensnachfolge an. Experten – darunter Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte sowie IHK- und Handwerkskammer-Berater und Fachleute von Kreditinstituten und Beratungsgesellschaften – bilden bei der IHK einen Arbeitskreis Unternehmensnachfolge und stehen regelmäßig für Interessierte bei kostenfreien Sprechtagen zur Verfügung. Verlässliche Unterstützung bei einer Betriebsübergabe biete zudem die Unternehmenswerkstatt Deutschland (UWD), eine bundesweite Online-Plattform der IHKs, so der IHK-Referent weiter. Die UWD vereine digitale Tools, praxisnahe Hilfsmittel und den direkten Draht zu Experten. „Sie hilft mit Struktur, Orientierung und verlässlicher Unterstützung.“ Wer sich frühzeitig registriere, erhalte eine Art „Cockpit“ für den gesamten Nachfolgeprozess. Dort könnten Aufgaben gebündelt, Dokumente abgelegt und Schritte nachvollzogen werden. Damit werde die Nachfolgeregelung transparent und planbar. Auch die persönliche Beratung durch die IHK spiele eine entscheidende Rolle, weiß Kuhn. „Jede Nachfolge ist individuell – rechtlich, steuerlich, familiär und finanziell. Wir stehen bereit, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln, Netzwerke einzubinden und mögliche Förderprogramme aufzuzeigen.“ Kuhn verweist zudem auf die vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag herausgegebenen Broschüren „Herausforderung Unternehmensnachfolge – Informationen für Unternehmensübergeber und Nachfolger“ sowie „Herausforderung Selbständigkeit – Informationen für eine erfolgreiche Existenzgründung“.
Die Unternehmensnachfolgebörse
Eine optimale Hilfe für Nachfolgesuchende und interessierte Unternehmer oder Existenzgründer, die eine Firma übernehmen möchten, sei die Unternehmensnachfolgebörse www.nexxt-change.org des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, betont Selina Funk. Sie ist bei der IHK Ansprechpartnerin für die Unternehmensnachfolgebörse und für Veranstaltungen zur Unternehmensnachfolge. Die Internetplattform biete ein umfangreiches Angebot zu vermittelnder Unternehmen und nachfolgeinteressierter Menschen – auch aus der Region Bodensee-Oberschwaben. Der Frauenanteil bei den Übernahmeinteressierten sei mit etwa 20 Prozent noch ausbaufähig, so Selina Funk. Die IHK übernimmt als Regionalpartnerin der Internetbörse die qualifizierte Betreuung der Inserierenden und benachrichtigt bei passenden Neuinseraten. Die Nutzung der Unternehmensnachfolgebörse ist kostenfrei. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, im vorhandenen Datenbestand zu recherchieren oder eine eigene Anzeige einzustellen. „Wir helfen in einem persönlichen Gespräch auch bei der Erstellung eines Inserats“, so Selina Funk.
INFO: Der nächste Sprechtag zur Unternehmensnachfolge findet am 25. März, von 16 bis 19 Uhr, in der IHK in Weingarten statt. Außerdem bietet die IHK Bodensee-Oberschwaben am 6. Mai eine Präsenz-Veranstaltung zur Unternehmensbewertung in Sigmaringen sowie von März bis Juni eine mehrteilige Reihe zur Unternehmensnachfolge mit einer Online- und fünf Hybrid-Veranstaltungen an.
Veranstaltungshinweise zu den Themen Existenzgründung und Unternehmensnachfolge.
Medieninformation Nr. 06/2026