Bürokratie, Wettbewerbsdruck, geopolitische Risiken: Unternehmer aus Bodensee-Oberschwaben tragen ihre Forderungen nach Brüssel
Brüssel / Region Bodensee-Oberschwaben:
IHK-Delegation um Präsident Martin Buck diskutiert mit Europaabgeordnetem Norbert Lins und EU-Kommissionsvertreter Michael Hager über bessere Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.
Weniger Bürokratie, mehr Wettbewerbsfähigkeit und ein wirtschaftlich starkes Europa: Mit diesen Anliegen ist eine Delegation der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben unter Leitung von Präsident Martin Buck diese Woche nach Brüssel gereist. Im Gespräch mit dem Europaabgeordneten Norbert Lins (CDU/EVP), Michael Hager, Kabinettschef von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis, und weiteren politischen Ansprechpartnern brachten die Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Erfahrungen und Erwartungen ein.
Goldplating und Überregulierung: keine zusätzlichen Hürden für die Wirtschaft
Ein Schwerpunkt war der Abbau unnötiger Bürokratie. Im Austausch mit der IHK-Delegation griff Norbert Lins das Thema Goldplating auf. Damit ist gemeint, dass Mitgliedstaaten bei der Umsetzung europäischer Richtlinien zusätzliche nationale Anforderungen einführen. Lins hatte sich bereits öffentlich gegen diese Praxis ausgesprochen. „Wenn EU-Vorgaben national noch mit zusätzlichen bürokratischen Anforderungen versehen werden, belastet das unsere Unternehmen und schwächt den Binnenmarkt. Wir brauchen einheitliche Regeln statt immer neuer nationaler Hürden“, so Lins.
IHK-Präsident Martin Buck machte deutlich, dass auch die übermäßige Regulierung auf europäischer Ebene eine Form des Goldplatings sei: Mit immer neuen Vorgaben und bürokratischen Auflagen belaste Europa seine Unternehmen und schwäche deren Position im internationalen Wettbewerb. Damit drohe der europäische Wirtschaftsraum gegenüber anderen Weltregionen als Wirtschafts- und Investitionsstandort an Attraktivität zu verlieren.
Mit Michael Hager tauschte sich die Delegation über die Vereinfachungsagenda der EU-Kommission aus. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie angekündigte Entlastungen (Roadmap „One Europe, One Market“) tatsächlich bei den Unternehmen ankommen und europäische Regelungen praxistauglicher gestaltet werden können.
Buck: „Unsere Unternehmen brauchen ein Europa, das ihnen den Rücken stärkt“
„Unsere Unternehmen brauchen ein Europa, das ihnen den Rücken stärkt: mit verlässlichen Rahmenbedingungen, weniger unnötiger Bürokratie und guten Voraussetzungen für Innovation und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb ist es wichtig, dass wir unsere Erfahrungen direkt in den politischen Dialog in Brüssel einbringen“, betonte IHK-Präsident Martin Buck.
Für die stark industrialisierte und exportorientierte Wirtschaftsregion Bodensee-Oberschwaben sind europäische Entscheidungen von besonderer Bedeutung. Neben bürokratischen Belastungen, etwa durch die EU-Verpackungsverordnung, diskutierte die Delegation deshalb auch über Innovationsfähigkeit, internationale Handelskonflikte und geopolitische Risiken für Lieferketten.
Einblicke in die europäische Interessenvertretung der Wirtschaft erhielten die Vollversammlungsmitglieder zudem von Freya Lemcke, Leiterin der DIHK-Vertretung in Brüssel. Weitere Gespräche mit politischen Ansprechpartnern unterschiedlicher Fraktionen ergänzten das Programm.
„Wir stehen zu Europa. Gerade deshalb setzen wir uns für Rahmenbedingungen ein, die Unternehmen stärken, Innovationen ermöglichen und wirtschaftliche Handlungsfähigkeit sichern“, machte Buck nochmals deutlich.
Sebastian Köberl, Teamleiter Strategic Resilience EU Representation der Wirtschaftskammer Österreich, Michael Hager, Kabinettschef von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis, der Europaabgeordnete Norbert Lins, IHK-Präsident Martin Buck, Freya Lemcke, Leiterin der DIHK-Vertretung in Brüssel, und Dr. Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben. Die IHK-Delegation war im Rahmen ihrer Brüsselreise in den Räumlichkeiten der Wirtschaftskammer Österreich zu Gast.
Die Delegation der Vollversammlung der IHK Bodensee-Oberschwaben traf sich in Brüssel zum Austausch über die Anliegen der regionalen Wirtschaft mit dem Europaabgeordneten Norbert Lins, Michael Hager, Kabinettschef von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis, und Freya Lemcke, Leiterin der DIHK-Vertretung in Brüssel. Im Mittelpunkt standen Bürokratieabbau, Wettbewerbsfähigkeit und bessere Rahmenbedingungen für Unternehmen.
Medieninformation Nr. 102/2026
