Wohnraum - entscheidend für die Fachkräftesicherung
Wohnen als Standortfaktor
Bezahlbarer und ausreichender Wohnraum ist ein zentraler Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung der IHK-Region Bodensee-Oberschwaben. Der anhaltende Wohnraummangel gefährdet zunehmend Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung. Unternehmen sind darauf angewiesen, dass Beschäftigte, Auszubildende und ihre Familien passenden Wohnraum finden können.
Die Bautätigkeit ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig übersteigt die Nachfrage das vorhandene Angebot weiterhin erheblich. Als Ursachen nennt das Grundsatzpapier zur Schaffung von Wohnraum des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) insbesondere lange und komplexe Genehmigungsverfahren, hohe Baukosten, steigende Zinsen, umfangreiche Bauvorschriften sowie den Fachkräftemangel in Bauwirtschaft und Verwaltung. Zusätzlich erschweren begrenzte Flächenverfügbarkeit und bürokratische Hürden die Schaffung neuer Wohnungen.
Mitarbeiterwohnungen
Die baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern verstehen Mitarbeiterwohnungen als einen wichtigen Baustein einer umfassenden Strategie zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt stellt nicht nur Kommunen, sondern auch Unternehmen in der Region vor große Herausforderungen. Der ohnehin bestehende Fachkräftemangel wird durch fehlenden Wohnraum zusätzlich verschärft. Bereits in der IHK-Standortumfrage 2022 nannten viele Unternehmen den Wohnungsmangel als erheblichen Risikofaktor. Immer mehr Betriebe reagieren darauf und investieren in Mitarbeiterwohnungen.
Vor diesem Hintergrund hat der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag ein Grundsatzpapier zum Schaffen von mehr Wohnraum durch Mitarbeiterwohnungen erarbeitet. Darin werden Maßnahmen und Handlungsempfehlungen vorgestellt, die den Bau solcher Wohnungen erleichtern und beschleunigen sollen.
Förderprogramme
Wohnraumförderung des Landes Baden-Württemberg
Die Wohnraumförderung des Landes Baden-Württemberg bietet Unternehmen und Privatpersonen Unterstützung bei der Schaffung von Mitarbeiterwohnraum. Gefördert werden insbesondere der Neubau und Erwerb von Mietwohnraum, Um- und Erweiterungsmaßnahmen zur Schaffung zusätzlicher Wohnungen sowie die sozialgebundene Vermietung bestehender Wohnungen zu begrenzten Mieten an bestimmte Personengruppen.
Zusätzliche Fördermöglichkeiten bestehen unter anderem beim Erreichen eines Energiesparhaus-Standards, bei Maßnahmen zur Barrierefreiheit beziehungsweise zum altersgerechten Umbau sowie bei der Gestaltung des Wohnumfeldes und der Stabilisierung von Quartiersstrukturen. Die Förderung erfolgt in Form zinsvergünstigter Darlehen und Zuschüsse.
Initiative „Junges Wohnen“
Ein weiteres Förderinstrument ist die Initiative „Junges Wohnen” des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg. Die Initiative unterstützt sowohl die Schaffung neuer Wohnheimplätze als auch die Modernisierung bestehender Wohnheime. Ziel ist es, die Wohnsituation von Studierenden und Auszubildenden durch moderne und bedarfsgerechte Wohnangebote zu verbessern.
Forderungen
Die IHKs fordern eine offensive Wohnraumpolitik mit schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, einer besseren Flächenmobilisierung sowie wirtschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau. Wohnen und Wirtschaft sollen dabei stärker zusammengedacht werden, um Baden-Württemberg langfristig als Wirtschafts- und Lebensstandort attraktiv zu halten.
An die Bundesregierung
- Die angekündigten Erleichterungen aus dem „Bau-Turbo“ zügig umsetzen, ohne Gewerbebetriebe oder Gewerbegebiete zu gefährden.
- Abschreibungsbedingungen verbessern und verlässliche Förderprogramme für den Wohnungsbau sicherstellen.
- DIN-Normen, Baustandards und regulatorische Vorgaben auf Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit überprüfen.
- Digitale Planungs- und Bauprozesse sowie serielle Bauweisen stärker fördern.
An die Landesregierung Baden-Württemberg
- Planungs-, Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren konsequent digitalisieren und beschleunigen.
- Mehr Flexibilität bei Baustandards sowie bei Schallschutz-, Brandschutz- und Stellplatzvorgaben ermöglichen.
- Zinsgünstige Förderangebote ausbauen und langfristig absichern.
An Kommunen und Landesregierung
- Mehr geeignete Flächen für zusätzlichen Wohnraum bereitstellen.
- Städtebauliche Voraussetzungen für zusätzlichen Wohnraum schaffen.
- Innenentwicklung, Nachverdichtung sowie die Umnutzung bestehender Gebäude erleichtern.
Fazit
Wohnraum ist ein zentraler Standortfaktor und eng mit der Fachkräftesicherung verknüpft. Der Mangel an Wohnungen bremst unternehmerische Investitionen, verschärft den Fachkräftemangel und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit Baden-Württembergs. Rückläufige Bautätigkeit und erschwerte Rahmenbedingungen verdeutlichen den Handlungsdruck.
Die IHKs fordern verlässliche, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen, die den Wohnungsbau ankurbeln und eine bezahlbare Bauweise erleichtern. Dabei darf die Entwicklung von Wohnraum für Arbeits- und Fachkräfte nicht zulasten von Gewerbeflächen gehen. Politik, Verwaltung und Wirtschaft müssen gemeinsam für mehr Tempo und weniger Hürden sorgen. Nur so bleibt Baden-Württemberg als Wirtschafts- und Lebensstandort attraktiv.
