IHK-Umweltdienst - Juni 2024

Die IHK informiert Sie monatlich über die aktuellsten Themen im Umwelt- und Energiebereich.

Abfallwirtschaft

Novelle der EU-Abfallverbringungsverordnung veröffentlicht

Alle Abfalltransporte, bei denen Staatsgrenzen überschritten werden, unterliegen der EU-Abfallverbringungsverordnung, also sowohl Transporte zwischen EU-Staaten als auch Importe in oder Exporte aus der EU. Diese Verordnung wurde novelliert und am 30. April 2024 neu veröffentlicht. Die neue Verordnung (EU) 2024/1157 vom 11. April 2024 über die Verbringung von Abfällen wird nach einer zweijährigen Übergangsfrist, das heißt am 21. Mai 2026, die bisherige Verordnung (EG) Nr. 1013/2006 komplett ablösen. Bis dahin gilt das bisherige Recht (mit einigen Sonderregelungen beziehungsweise abweichenden Übergangszeiten). Mit der neuen Verordnung werden sowohl die Regelungen zu Abfällen aus der „Gelben Liste“ als auch zu Abfällen aus der „Grünen Liste“ präzisiert und in Teilen verschärft. Artikel 18 zur „Grünen Liste“ wird dadurch deutlich umfangreicher. Außerdem werden Kunststoffabfallexporte in Nicht-OECD-Staaten (Abfallcode B3011) ab 21. November 2026 verboten, um eine stoffliche Verwertung innerhalb der EU zu fördern. Eine wichtige Neuerung stellt die Einführung von elektronischen Begleitdokumenten (sowohl „Grüne Liste“ als auch „Gelbe Liste“) ab 21. Mai 2026 dar. Details hierzu muss die EU-Kommission bis 21. Mai 2025 festlegen. Eine gut lesbare und strukturierte Übersicht über die kommenden Änderungen infolge der neuen Verordnung hat die SAM mbh (Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz mbH) veröffentlicht. 

Geplante Novelle der Gewerbeabfallverordnung

Das Bundesumweltministerium hat seinen Entwurf für Änderungen in der Gewerbeabfallverordnung vorgelegt. Geplant sind etliche Verschärfungen:
  • Wegfall der Option, die Erfüllung der Pflichten über eine Getrenntsammlungsquote von mindestens 90 Prozent nachzuweisen
  • Verpflichtung zur Nutzung neu eingeführter Formblätter, mit denen die Einhaltung der Getrenntsammlungspflichten beziehungsweise Abweichungen davon künftig dokumentiert werden sollen
  • De-facto-Einführung einer 5-Kg-pro-Woche-Grenze, oberhalb derer Getrenntsammlung zumutbar sein soll
  • Neue Pflicht zur Kennzeichnung der verwendeten Abfall-Sammel-Container
  • Erweiterte Behörden-Rechte, um gegebenenfalls einen externen Sachverständigen mit Überprüfungen zu beauftragen
  • Beschränkung der Kaskaden-Vorbehandlung auf maximal zwei Behandlungsanlagen
  • Verpflichtung zur Nutzung der Nahinfrarot-Technik bei Vorbehandlungsanlagen
  • Schaffung eines bundesweiten Registers von Vorhandlungsanlagen, in dem auch deren Sortier- und Verwertungsquoten öffentlich einsehbar sein sollen
  • Neue Kontrollpflichten für Betreiber von thermischen Behandlungsanlagen
  • Ausweitung der Getrennthaltungspflichten bei Bau- und Abbruchabfällen

Ressourceneffizienz

Verordnung über kritische Rohstoffe veröffentlicht

Anfang Mai 2024 wurde die Verordnung (EU) 2024/1252 vom 11. April 2024 „zur Schaffung eines Rahmens zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen Rohstoffen“ veröffentlicht. Sie tritt am 23. Mai 2024 in Kraft und gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Die Verordnung (Link zum EU-Amtsblatt) soll vor allem „das Risiko von Versorgungsunterbrechungen bei kritischen Rohstoffen verringern, insbesondere durch die Ermittlung und Unterstützung strategischer Projekte, die zur Verringerung der Abhängigkeiten und zur Diversifizierung der Einfuhren beitragen, sowie Anreize für technologischen Fortschritt und Ressourceneffizienz schaffen, um den erwarteten Anstieg des Verbrauchs kritischer Rohstoffe in der Union zu dämpfen“.
Anhang I enthält dazu eine offizielle Liste der „strategischen Rohstoffe“, Anhang II eine ähnliche Liste der „kritischen Rohstoffe“.
Artikel 5 der Verordnung enthält Richtwerte zur Stärkung der Wertschöpfungskette in der EU, damit zum Beispiel spätestens im Jahr 2030 aus keinem Drittland (wie China) über 65 Prozent des Jahresverbrauchs eines Rohstoffs importiert werden muss.
Artikel 6 bis 8 definieren die Randbedingungen für angestrebte strategische Projekte, mit denen ein bedeutender Beitrag zur Sicherung der Versorgung der Union mit strategischen Rohstoffen geleistet werden kann. Anhang III enthält Anerkennungskriterien für solche strategischen Projekte.
Mit Artikel 9 bis 18 sollen die zugehörigen Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, unter anderem durch Frist- und Prioritätensetzungen, konkreten Begrenzungen der Verfahrensdauer, Hilfestellung bei privaten Investitionen und Erleichterung von Abnahmevereinbarungen.
Laut Artikel 19 hat jeder Mitgliedstaat bis zum 24. Mai 2025 ein nationales Programm für die allgemeine Exploration kritischer Rohstoffe und Trägerminerale kritischer Rohstoffe zu erstellen.
Mit Artikel 20 bis 25 sollen Risiken überwacht und gemindert werden. Dazu dienen regelmäßige Stresstests und Informationspflichten zum Beispiel über vorhandene strategische Vorräte an strategischen Rohstoffen. Außerdem müssen die Mitgliedstaaten die wichtigsten Marktteilnehmer entlang der Wertschöpfungskette für kritische Rohstoffe ermitteln und diese bei Bedarf um weitere Informationen bitten, wobei hier auf Geschäftsgeheimnisse Rücksicht genommen werden muss.
Artikel 24 richtet sich dabei wie folgt zunächst an die EU-Staaten und dann direkt an Unternehmen:
„(1) Bis zum 24. Mai 2025 und innerhalb von 12 Monaten nach jeder Aktualisierung der Liste der strategischen Rohstoffe gemäß Artikel 3 Absatz 3 ermitteln die Mitgliedstaaten die in ihrem Hoheitsgebiet tätigen großen Unternehmen, die strategische Rohstoffe für die Herstellung von Batterien für die Energiespeicherung und Elektromobilität, Ausrüstung für die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff, Ausrüstung für die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen, Luftfahrzeuge, Antriebsmotoren, Wärmepumpen, Ausrüstung für die Datenübertragung und -speicherung, mobile elektronische Geräte, Ausrüstung für die additive Fertigung, Ausrüstung für Robotik, Drohnen, Raketenwerfer, Satelliten oder fortgeschrittene Chips verwenden.
(2) Die in Absatz 1 genannten großen Unternehmen [mehr als 500 Mitarbeiter und weltweit mehr als 150 Millionen Euro Netto-Umsatz] führen mindestens alle drei Jahre und in dem Umfang, in dem ihnen die erforderlichen Informationen zur Verfügung stehen, eine Risikobewertung ihrer Rohstofflieferkette für strategische Rohstoffe durch, die Folgendes umfasst: (…….)“
Aufgrund von Artikel 25 hat die EU-Kommission ein System einzurichten, um gegebenenfalls eine gemeinsame Beschaffung von strategischen Rohstoffen konkret zu unterstützen.
Artikel 26 fordert mit vielen Details nationale Maßnahmen zur Kreislaufwirtschaft; Artikel 27 zielt mit konkreten Vorgaben zum Beispiel an Bergbau-Unternehmen auf eine bessere Verwertung kritischer Rohstoffe aus mineralischen Abfällen.
Artikel 28 verpflichtet mittelfristig die Inverkehrbringer bestimmter Produkte zur Auskunft über gegebenenfalls vorhandene Dauermagnete durch entsprechende Kennzeichnung sowie weiteren Angaben. Genannt werden in Absatz 1 folgende Produkte: Magnetresonanztomografen, Windenergiegeneratoren, Industrieroboter, Kraftfahrzeuge, leichte Verkehrsmittel, Kühlgeneratoren, Wärmepumpen, Elektromotoren, auch wenn Elektromotoren in andere Produkte integriert sind, Waschautomaten, Wäschetrockner, Mikrowellengeräte, Staubsauger oder Geschirrspüler. Gemäß Artikel 29 müssen die genannten Inverkehrbringer ab circa 2028 dann auch Angaben öffentlich zugänglich machen über den Recyclatanteil in ihren Dauermagneten (ab einem Gewicht von 200 Gramm). Später wird die EU-Kommission hierzu Mindestwerte, differenziert nach acht typischen Einsatzstoffen, vorgeben.
Artikel 30 dient als Grundlage, um Zertifizierungssysteme für die Nachhaltigkeit kritischer Rohstoffe offiziell anerkennen zu können; Anhang IV listet dazu eine Reihe von Kriterien auf. Ein Register aller anerkannten Systeme wird die EU veröffentlichen und aktuell halten.
Mit Artikel 31 wird die EU-Kommission ermächtigt, delegierte Rechtsakte zum ökologischen Fußabdruck zu erlassen. Dazu wird sie bis Ende 2026 berichten, welche kritischen Rohstoffe Vorrang haben bei der Bewertung der Frage, ob die Verpflichtung zur Angabe des ökologischen Fußabdrucks kritischer Rohstoffe notwendig und verhältnismäßig ist. Artikel 31 und Anhang V enthalten dazu viele weitere Detailregelungen.
Weitere Artikel regeln unter anderem die Konformitätsbewertungsverfahren, strategische Partnerschaften und eine Bewertung dieser Verordnung binnen vier Jahren.

Klimaschutz

Maut für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen

Nachdem die Lkw-Maut in Deutschland bereits zum 1. Dezember 2023 deutlich erhöht wurde, wird sie ab dem 1. Juli 2024 auf kleinere Fahrzeuge mit einer technisch zulässigen Gesamtmasse (tzGm) von mehr als 3,5 Tonnen ausgeweitet. Wie hoch die Mautgebühren ausfallen, die damit auf die betroffenen Betriebe zukommen, lässt sich nicht pauschal sagen. Klar ist jedoch, dass insbesondere kleinere Betriebe mit erheblichen Mehrkosten konfrontiert sein werden. Die Höhe der Maut hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa von der Länge der zurückgelegten Strecke oder der Schadstoffklasse. Emissionsfreie Fahrzeuge sind vorerst von der Mautpflicht befreit. Erfasst werden kann die Maut mithilfe einer für diesen Zweck eingebauten On-Board-Unit (OBU), alternativ kann jede einzelne Fahrt manuell eingebucht werden. Die Mehreinnahmen durch die Maut sollen der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur dienen und vor allem für den Ausbau des Schienennetzes genutzt werden. 
Ausgenommen von der Mautpflicht sind Handwerksbetriebe und handwerksähnliche Gewerbe. Dass eine Fahrt unter diese Handwerkerausnahme fällt, ist bei einer Mautkontrolle nachzuweisen. Dazu müssen beispielsweise die Handwerks-/Gewerbekarte, eine Kopie der Gewerbeanmeldung, ein Lieferschein oder Kundenaufträge vorgelegt werden. "Wir begrüßen es, dass Forderungen der Industrie- und Handelskammern, auch handwerksähnliche Gewerbe von der Maut zu befreien, entsprochen wurde. Allerdings wurde der Kreis der Begünstigten zu eng gefasst", sagt Patrick Thiele, Leiter des Referats Nationale Verkehrspolitik und Verkehrswirtschaft bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Betroffen von der Neuregelung sind nicht nur der Güterkraftverkehr, sondern auch Gewerbe wie Messebauunternehmen, Gartenbaubetriebe, Veranstaltungstechniker oder Hausmeisterdienste, die zwar als handwerksähnliche Gewerbe angesehen werden können, aber bei der Ausnahmeregelung nicht berücksichtigt wurden. "Viele Betriebe aus diesen Branchen haben sich in den vergangenen Monaten besorgt an die regionalen IHKs und die DIHK gewandt, weil sie davon ausgegangen waren, dass sie unter die Ausnahmeregelung fallen, und nun verunsichert sind angesichts der Kosten, die ab Sommer auf sie zukommen."
Die DIHK setzt sich derzeit bei der Bundesregierung dafür ein, dass weitere Gewerbe unter die Ausnahmeregelung fallen. Gleichwohl sollten sich die betroffenen Unternehmen jetzt auf die Gesetzesänderung einstellen. Das bedeutet laut Thiele nicht nur, sich schnellstmöglich um den Einbau der Geräte zur Mauterfassung und die Registrierung der Fahrzeuge zu kümmern. "Wichtig ist, dass die betroffenen Unternehmen jetzt ihre Kalkulation überdenken und die aus der Mautpflicht resultierenden Mehrkosten gegenüber ihren Kunden erläutern, und entsprechende Kostenerhöhungen durchsetzen. Und zwar so schnell wie möglich und nicht erst, wenn die neue Regelung in Kraft getreten ist."
Selbst wenn die Mehrkosten vollständig an die Kunden weitergegeben werden können, könne dies zu Einbußen bei der Liquidität führen, da zwischen der Mautzahlung und dem Zahlungseingang durch die Kunden häufig sechs bis acht Wochen vergingen, warnt der DIHK-Verkehrsexperte. Zudem ist es laut Thiele fraglich, ob durch die Änderungen bei der Lkw-Maut mehr Unternehmen auf klimafreundliche Fahrzeuge umsteigen werden. "Der Lenkungseffekt, den die Politik sich erhofft, wird voraussichtlich nicht eintreten. Denn das Problem besteht nicht darin, dass die Unternehmen kein Bewusstsein dafür haben. Die meisten hätten durchaus Interesse, auf alternative Antriebe umzusteigen", sagt Thiele. Dies sei jedoch für viele Unternehmen nicht möglich. Zum einen, weil die Anschaffungskosten für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben – insbesondere für kleinere Betriebe – zu hoch seien. Zum anderen mangele es am Angebot geeigneter Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge. "Die begrenzte Auswahl an Modellen sowie Lieferengpässe können die Umstellung für Unternehmen deutlich erschweren. Hinzu kommt, dass die Infrastruktur noch nicht flächendeckend ausgebaut ist und den breiten und bundesweiten Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben verhindert", erläutert Louise Maizières, Leiterin des Referats Wasserstoff, Wärme und alternative Antriebe bei der DIHK. Mautpflicht und CO2-Preis könnten als Signale auf den Markt wirken, Voraussetzung für eine erfolgreiche Transformation sei jedoch die Verfügbarkeit von Fahrzeugen inklusive Ladeinfrastruktur zu einem wettbewerbsfähigen Preis. "Dies erfordert im Vorfeld einen starken Ausbau der Energieerzeugung sowie der Strom- und Wasserstoffnetze."

Umfrage: Betriebe verzeichnen hohe Zahl an Stromunterbrechungen

Stromausfälle können Unternehmen erheblich beeinträchtigen. Produktionsausfälle, Maschinenschäden oder Datenverluste können die Folge sein. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung von Prozessen und der zunehmenden Sensibilität von Maschinen steigt die Bedeutung einer verlässlichen und stabilen Stromversorgung vor allem für die Industrie. Gleichzeitig steigt die Belastung der Netze durch den zunehmenden Anteil witterungsabhängiger erneuerbarer Energien an der Stromversorgung. Wenn die Infrastruktur nicht Schritt hält, können Spannungsabfälle bis hin zu Ausfällen zunehmen. Die IHK-Organisation hat vor dem Hintergrund einer wachsenden Sorge in der Wirtschaft vor Stromausfällen eine Umfrage im Februar 2024 zur Versorgungssicherheit durchgeführt. An der Umfrage haben knapp 1.000 Unternehmen teilgenommen. Auch wenn sich vor allem diejenigen beteiligt haben, die von Stromausfällen besonders betroffen sind, sind die Ergebnisse für diesen Ausschnitt aus der Wirtschaft bemerkenswert.

Betrieblicher Umweltschutz

Verordnung zur Einrichtung eines Industrieemissionsportals verkündet

Die Überarbeitung der EU-Industrieemissionsrichtlinie (2010/75/EU, „IED“) steht kurz vor dem Abschluss, aber die offizielle Verkündung der novellierten Richtlinie steht derzeit noch aus. Im Zusammenhang damit wurde auch die europäische PRTR-Verordnung (EG) Nr. 166/2006 überarbeitet und erweitert. Deren Novelle ist Anfang Mai 2024 im EU-Amtsblatt veröffentlicht worden. Die neue Verordnung („IEP“) trägt den Titel „Verordnung (EU) 2024/1244 vom 24. April 2024 über die Berichterstattung über Umweltdaten von Industrieanlagen, zur Einrichtung eines Industrieemissionsportals und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 166/2006“. Sie verpflichtet wie bisher bestimmte Unternehmen zu jährlichen Datenmeldungen in das neue Portal (bisher „pollutant release and transfer register (PRTR)“). Neue Berichtspflichten kommen hinzu über die Nutzung von Wasser, Energie und bestimmten Rohstoffen gemäß einem bis Ende 2025 zu erlassenden Durchführungs-Rechtsakt. Außerdem sollen in dem neuen Portal auch Daten gemäß der Industrieemissionsrichtlinie veröffentlicht werden. Im Einzelnen ergeben sich die Berichtspflichten der Anlagenbetreiber aus Artikel 6 der neuen Verordnung. Die neue Verordnung gilt ab Anfang 2028 und betrifft damit erstmals die Datenmeldungen für das Jahr 2027. Die Werte für 2026 sind noch gemäß der bisherigen PRTR-Verordnung zu berichten. In Baden-Württemberg erfolgt dies wie bisher über die Software bube-online, die derzeit erneuert wird.

Novellierte EU-Richtlinie über Umweltstraftaten veröffentlicht

Eine mittelfristige Verschärfung des Umweltstrafrechts stellt die neue EU-Richtlinie (2024/1203) dar, welche die derzeitige Richtlinie aus dem Jahr 2008 ablöst und deutlich umfangreicher ist als die bisherige Regelung. Die „Richtlinie (EU) 2024/1203 vom 11. April 2024 über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt und zur Ersetzung der Richtlinien 2008/99/EG und 2009/123/EG“ wurde am 30. April 2024 hier im EU-Amtsblatt verkündet. Sie muss bis zum 21. Mai 2026 ins jeweilige nationale Recht übernommen werden, in Deutschland vor allem ins Strafgesetzbuch, 29. Abschnitt „Straftaten gegen die Umwelt“, ab § 324. Was dies konkret bedeutet, wird von der Kanzlei „avocado rechtsanwälte“ auf deren Homepage erläutert. Es steht zu befürchten, dass sich Deutschland hier eng an die neuen Vorgaben halten muss, was deutlich strengere Anforderungen für Unternehmen mit sich bringt (zum Beispiel beim Umgang mit gefährlichen Abfällen).

Erneute Novelle der Abwasserverordnung verkündet

Mit der neuesten Novelle werden die bisherigen (inhaltlich ähnlichen) Anhänge 3, 4, 5, 6, 7, 8, 11, 14, 18 und 21 durch einen neuen Anhang 3 “Herstellung von Nahrungsmitteln und Futtermitteln” ersetzt. Dessen Anwendungsbereich sowie die Liste der Ausnahmen verlängert sich entsprechend. Außerdem wird Anhang 10 geringfügig geändert und Anhang 12 (Herstellung von Bioethanol, bisher: Herstellung von Alkohol und alkoholischen Getränken) neu formuliert und um etliche zusätzliche Anforderungen erweitert. Ursprünglich war vorgesehen, diese Änderung als 14. Änderungsverordnung zu verabschieden.
Zuvor war am 29. Februar 2024 die „Zwölfte Verordnung zur Änderung der Abwasserverordnung“ vom 27. Februar 2024 im Bundesgesetzblatt I Nr. 66 verkündet worden. Sie enthielt im Wesentlichen eine 1:1-Umsetzung von europäischen Vorgaben (besten verfügbaren Techniken) und dazu Neuformulierungen folgender Anhänge:
  • Nr. 9 Herstellung von Beschichtungsstoffen
  • Nr. 22 Chemische Industrie
  • Nr. 36 Herstellung von Kohlenwasserstoffen
  • Nr. 37 Herstellung anorganischer Pigmente
  • Nr. 42 Alkalichloridelektrolyse
  • Nr. 43 Herstellung von Chemiefasern, Folien und Schwammtuch nach dem Viskoseverfahren sowie von Celluloseacetatfasern
Aufgehoben wurde Anhang Nr. 48 „Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe“.
Speziell der Anhang Nr. 22 Chemische Industrie wurde durch die Novelle aufgeteilt in einen „Abschnitt I Allgemeiner Teil“ (vergleichbar dem bisherigen Text) und einen neuen „Abschnitt II: Anforderungen an das Abwasser aus speziellen Herkunftsbereichen“. Diese werden präzisiert mit folgender Aufzählung: „Dieser Abschnitt gilt für Abwasser aus der Herstellung von 1,2-Dichlorethan (DCE), Vinylchlorid (VCM), Dinitrotoluol (DNT), Toluoldiamin (TDA), Toluoldiisocyanat (TDI), Methylendiphenyldiamin (MDA) und Methylendiphenyldiisocyanat (MDI).“ Die Abwasserverordnung des Bundes gilt zum einen für Direkteinleiter in Gewässer; durch die Indirekteinleiterverordnung des Landes Baden-Württemberg gelten ihre Anforderungen zum anderen auch für Indirekteinleiter, also bei Abwasserableitung in die Kanalisation. Im Gegensatz zu früher gelten einige Vorgaben aus der Verordnung seit einigen Jahren unmittelbar für betroffene Unternehmen: „Die allgemeinen Anforderungen dieser Verordnung, die in den Anhängen genannten Betreiberpflichten und die in den Anhängen gekennzeichneten Emissionsgrenzwerte sind vom Einleiter einzuhalten, soweit nicht weitergehende Anforderungen in der wasserrechtlichen Zulassung für das Einleiten von Abwasser festgelegt sind. Die übrigen Anforderungen der Anhänge dieser Verordnung sind bei der Erteilung einer wasserrechtlichen Zulassung für das Einleiten von Abwasser festzusetzen.“ Die besagte 12. Novelle (im Entwurf noch als 13. Novelle vorgesehen) ist im Bundesgesetzblatt zu finden.

REACH

Neue Einschränkungen für die Siloxane D4 und D5 und D6

Am 17. Mai 2024 wurde eine Änderung der europäischen REACH-Verordnung veröffentlicht: „Verordnung (EU) 2024/1328 vom 16. Mai 2024 zur Änderung des Anhangs XVII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) betreffend Octamethylcyclotetrasiloxan (D4), Decamethylcyclopentasiloxan (D5) und Dodecamethylcyclohexasiloxan (D6)“. Mit dieser Änderungsverordnung wird im REACH-Anhang XVII der Eintrag 70 geändert, welcher bisher nur D4 und D5 in abwaschbaren kosmetischen Mitteln reglementierte. Neu wird D6 einbezogen und Spalte 2 des Eintrags auf sieben Absätze ausgeweitet, von denen der erste Absatz die Kernforderung wie folgt formuliert:
„1. Darf nicht in Verkehr gebracht werden:
a) als Stoff, b) als Bestandteil anderer Stoffe oder c) in Gemischen
in einer Konzentration von 0,1 Gew.-Prozent oder mehr des jeweiligen Stoffes nach dem 6. Juni 2026.“
Die weiteren Absätze enthalten eine Vielzahl an Sonderregelungen mit Ausnahmen oder längeren Übergangsfristen, zum Beispiel für Textilreinigung, Medizinprodukte, Arzneimittel, bestimmte industrielle Verwendungen, Silikonpolymere und Grenzwerte für Rückstände aus Silikonpolymere.
Quelle: IHK Südlicher-Oberrhein