Über 500 Unternehmen beteiligen sich an der IHK-Konjunkturumfrage
Die Lage der heimischen Wirtschaft hat sich im Vergleich zum Frühjahr kaum verändert: 33 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Lage als schlecht, nur 18 Prozent als gut. Etwa die Hälfte meldet befriedigende Geschäftszahlen. Der Geschäftslagesaldo, das heißt die Differenz der positiven und negativen Lageeinschätzungen, sinkt im Vergleich zur vorherigen Umfrage geringfügig um zwei auf minus 15 Punkte. Dies zeigen die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage, an der sich 504 Unternehmen mit 18.100 Beschäftigten beteiligt haben.
Erneut bewerten nur die Dienstleister ihre Geschäftslage überwiegend positiv. Ein Lichtblick sind insbesondere die Kreditinstitute. Das gestiegene Zinsniveau verbessert die Margen der Banken und Sparkassen im Kreditgeschäft. In den übrigen Wirtschaftssektoren dominieren dagegen die negativen Lageurteile. Die Industrie und das Verkehrsgewerbe stagnieren auf niedrigem Niveau. Der Groß- und Einzelhandel bilden im Branchenvergleich das Schlusslicht. Die hohen Kraftstoffpreise schmälern die Kaufkraft der Bürger und belasten den privaten Konsum.
Das Bergische Städtedreieck im Vergleich
Im Vergleich der drei bergischen Großstädte bewertet die Solinger Wirtschaft sowohl ihre derzeitige Lage als auch ihre Perspektiven für die kommenden Monate positiver als die Unternehmen in den beiden Nachbarstädten. Die Remscheider Wirtschaft ist am wenigsten zufrieden.
Bei den Geschäftsaussichten für die kommenden Monate überwiegen in allen Branchen die Pessimisten.
„Die Unternehmen stehen erheblich unter Druck, knapp ein Drittel befürchtet in den kommenden Monaten einen Umsatzrückgang“, erläutert IHK-Präsident Henner Pasch.
Die Industrie hofft allerdings, von den stark steigenden Staatsausgaben zu profitieren und ist deshalb etwas zuversichtlicher als der Handel und der Dienstleistungssektor.
Die größten Risikofaktoren
Die Energie- und Rohstoffpreise bleiben die am häufigsten genannten Risikofaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung. Fast zwei Drittel der Umfrageteilnehmer zählen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland zu den wichtigsten Geschäftsrisiken. Die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist weiterhin hoch.
„Die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands erodiert, sodass der Reformbedarf immer größer und dringender wird. Der Bürokratieabbau kommt aber nicht voran und auch der Anstieg der Arbeitskosten, insbesondere der Lohnnebenkosten, bereitet der bergischen Wirtschaft erhebliche Probleme“, so Pasch.
Die umfangreichen öffentlichen Investitionen führen bislang nicht dazu, dass die privaten Investitionen anziehen. Das Vertrauen in einen nachhaltigen Aufschwung ist gering. Mehr als ein Viertel der Unternehmen plant, Arbeitsplätze abzubauen. Auch die duale Berufsausbildung steht unter Druck: Knapp ein Drittel der Ausbildungsbetriebe erwartet, in den kommenden 12 Monaten weniger Ausbildungsverträge abzuschließen.
Wenn Sie Interesse am ausführlichen IHK-Konjunkturbericht Herbst 2026 haben, senden wir Ihnen gerne ein PDF-Exemplar per E-Mail zu.
Statement Henner Pasch
Statement von IHK-Präsident Henner Pasch anlässlich der IHK-Konjunkturpressekonferenz am 16. Oktober 2026. Es gilt das gesprochene Wort.
ich begrüße Sie ganz herzlich zur Konjunkturpressekonferenz der Bergischen IHK. Wie immer werde ich Ihnen zunächst die wichtigsten Ergebnisse unserer Konjunkturumfrage vorstellen, an der sich 504 Unternehmen mit rund 18.100 Beschäftigten beteiligt haben.
Im Herbst 2026 hat sich die konjunkturelle Lage der bergischen Wirtschaft gegenüber dem Frühjahr kaum verändert. 18 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als „gut“, 49 Prozent als „befriedigend“ und 33 Prozent als „schlecht“ (Folie 1: Gegenwärtige Geschäftslage). Der Geschäftslageindex sinkt geringfügig um zwei Punkte auf minus 15 (Folie 2: Entwicklung des Geschäftslageindex). Die bergische Wirtschaft verharrt somit auf einem unbefriedigenden Niveau. Zwar haben sich die Geschäftsaussichten etwas aufgehellt, von einem Aufschwung kann aber noch keine Rede sein. 30 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Verschlechterung ihrer Lage, lediglich 17 Prozent erwarten eine Verbesserung. Insofern steigt der IHK-Konjunkturklimaindikator leicht von 83 auf 86 Punkte, liegt damit aber seit drei Jahren unter der neutralen Marke von 100 Punkten.
Die Energie- und Rohstoffpreise sind weiterhin das größte Geschäftsrisiko (Folie 3: Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung). Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise in die Höhe und belastet Unternehmen wie private Haushalte. Fast zwei Drittel der Befragten sehen zudem die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als erhebliches Risiko für ihren Geschäftserfolg. Die Unzufriedenheit mit dem Reformtempo der Bundesregierung ist groß. Der Bürokratieabbau kommt kaum voran, während neue Belastungen, etwa durch die Verpackungsverordnung, hinzukommen. Verschärft werden die Probleme durch steigenden Arbeitskosten und Sozial-abgaben. Die Investitionsbereitschaft der Firmen bleibt schwach: Die öffentlichen Investitionen führen bislang nicht dazu, dass die Unternehmen ihre Ausgaben spürbar erhöhen.
Die Beschäftigungsperspektiven bleiben entsprechend düster. Nur acht Prozent der Betriebe wollen ihren Personalbestand aufstocken, mehr als ein Viertel plant dagegen Stellenabbau. Auch die duale Berufsausbildung steht unter Druck: Knapp ein Drittel der Ausbildungsbetriebe rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit weniger Ausbildungsverträgen.
Im Vergleich der drei bergischen Großstädte beurteilt die Solinger Wirtschaft ihre derzeitige Lage und die Perspektiven positiver als die Unternehmen in Wuppertal und Remscheid (Folie 4: Entwicklung der Geschäftslage in den Städten). Am wenigsten zufrieden ist die Wirtschaft in Remscheid.
Meine Damen und Herren, die bergische Industrie stabilisiert sich auf niedrigem Niveau (Folie 5: Entwicklung der Geschäftslage der bergischen Industrie). Eine nachhaltige Trendwende ist allerdings nicht in Sicht. Die Industrieumsätze in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 bleiben nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Auftragslage ist weiterhin schwach, und knapp die Hälfte der Betriebe berichtet von nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten. Lediglich neun Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als „gut“, 32 Prozent als „schlecht“. Besonders problematisch ist die Kostenentwicklung. Fast zwei Drittel der Industrieunternehmen sehen die steigenden Arbeitskosten einschließlich der Lohnnebenkosten als gravierendes Geschäftsrisiko – ein neuer Höchststand in unserer Umfrage. Hinzu kommen hohe Energie- und Bürokratie-kosten. Dadurch nimmt die internationale Wettbewerbsfähigkeit der bergischen Industrie weiter ab. Zwar haben sich die Geschäftsaussichten etwas verbessert, doch der Beschäftigungsabbau setzt sich fort: Nur fünf Prozent der Firmen wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen, 28 Prozent rechnen mit Personalabbau. Die Zahl der Ausbildungsplätze dürfte ebenfalls weiter sinken.
Ansonsten zeigt die Analyse der übrigen Wirtschaftszweige folgendes Bild (Folie 6: Geschäftslage im IHK-Bezirk): Der Großhandel bleibt Schlusslicht im Branchenvergleich. 45 Prozent der Betriebe beurteilen ihre Geschäftslage als „schlecht“. Bestellungen gehen schleppend ein, der Preisdruck ist hoch und die Margen sind gering. Mehr als 70 Prozent befürchten, dass die schwache Nachfrage ihren Geschäftserfolg beeinträchtigen wird. Zusätzliche Belastungen entstehen durch bürokratische Vorgaben wie die Verpackungsverordnung oder den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus. Eine Trendwende ist nicht erkennbar.
Im Einzelhandel hat sich die Stimmung deutlich eingetrübt. Hohe Kraftstoff- und Energiepreise belasten die Kaufkraft und das Konsumklima. Im September 2026 lagen die Kraftstoffpreise 37 Prozent über dem Vorjahresniveau, die Inflationsrate stieg auf 3,3 Prozent. Rund die Hälfte der Einzelhändler verzeichnet Umsatzeinbußen. Die Prognosen bleiben pessimistisch, auch die Zahl der Arbeits- und Ausbildungsplätze dürfte sinken.
Im Gastgewerbe hat sich das Konjunkturklima ebenfalls verschlechtert. Die Verbraucher halten sich bei ihren Ausgaben zurück, die Gästezahlen und Umsätze sinken. Trotz der Mehrwertsteuersenkung für Speisen bleibt die Finanzlage vieler Betriebe besorgniserregend. Die Gastronomie zählt bundesweit weiterhin zu den Branchen mit dem höchsten Insolvenzrisiko.
Das Verkehrsgewerbe stagniert auf niedrigem Niveau. 37 Prozent der Unternehmen bewerten hier ihre Geschäftslage als „schlecht“. Die Umsatz- und Ertragssituation bleibt angespannt: 37 Prozent berichten von rückläufigen Umsätzen, mehr als die Hälfte von gesunkenen Gewinnen. Mit 90 Prozent nennen nahezu alle Betriebe die Energie- und Rohstoffpreise als wesentliches Geschäftsrisiko. Hinzu kommen hohe Arbeitskosten, Wettbewerbsdruck und zunehmende Zahlungsausfälle. Die Hälfte der Unternehmen erwartet eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage.
Eine positive Ausnahme bilden die Kreditinstitute. Die Mehrheit der Banken und Sparkassen beurteilt ihre Geschäftslage als „gut“. Das gestiegene Zinsniveau verbessert die Margen im Kreditgeschäft. Zwar bremsen die schwache Konjunktur sowie die geringe Investitions- und Bautätigkeit die Kreditnachfrage, die Geschäftsaussichten der Institute bleiben aber positiv.
Die Dienstleistungsbranchen können sich weiterhin vergleichsweise gut behaupten, verlieren aber etwas an Zuversicht. 31 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als „gut“, 43 Prozent als „befriedigend“ und 26 Prozent als „schlecht“. Insbesondere IT-Dienstleister, Unternehmensberatungen und Marketingagenturen spüren, dass ihre Kunden Investitionen aufschieben. Während die Umsätze hier weitgehend stagnieren, geraten die Gewinne durch steigende Kosten unter Druck. Vergleichsweise stabil entwickeln sich die Dienstleister im Grundstücks- und Wohnungswesen.
Meine Damen und Herren, unsere IHK-Konjunkturumfrage zeigt: Die bergische Wirtschaft stabilisiert sich allenfalls auf niedrigem Niveau. Die steigenden Staatsausgaben können zwar wichtige Impulse geben, er-setzen aber nicht die notwendigen Reformen. Die Politik muss daher endlich die strukturellen Probleme des Standorts Deutschland angehen. Wir brauchen wirksame Reformen und eine Wirtschaftspolitik, die Investitionen erleichtert, Arbeits- und Energiekosten begrenzt und die Unternehmen von überbordender Bürokratie befreit. Nur wenn die Betriebe verlässlich planen und wieder mehr investieren können, entstehen neue Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze. Das ist letztendlich auch die Voraussetzung dafür, dass die wirtschaftliche Erholung auch in unserem Bergischen Städtedreieck ankommt.
Für Rückfragen und weitere Erläuterungen stehen wir Ihnen jetzt gerne zur Verfügung.
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