Medieninfo 28/26 vom 11.05.2026

Bergische Wirtschaft: Geschäftsaussichten trüben sich stark ein

Nahost-Krise und Reformstau drücken Stimmung
Im Frühjahr 2026 bewerten die bergischen Unternehmen die wirtschaftliche Situation ebenso negativ wie zum Jahresbeginn. Nur 18 Prozent der Unternehmen beurteilen die Geschäftslage als „gut“, 50 Prozent als „befriedigend“ und 32 Prozent als „schlecht“. Der Geschäftslageindex bleibt mit minus 13,4 Punkten fast unverändert. Die Geschäftsaussichten haben sich aber stark eingetrübt: 35 Prozent erwarten eine Verschlechterung und nur 14 Prozent eine Verbesserung ihrer Lage. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Bergischen IHK, an der sich 492 Unternehmen mit rund 19.200 Beschäftigten beteiligt haben.
„Der erhoffte Aufschwung rückt damit in weite Ferne. Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts im Nahen Osten treffen nahezu alle Branchen“, betont IHK-Präsident Henner Pasch. 74 Prozent der Umfrageteilnehmer befürchten, dass die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise ihren Unternehmenserfolg gefährden könnte; das sind 23 Prozentpunkte mehr als zum Jahresbeginn. Überdies mindert der Energiepreisschock die Kaufkraft der Bürger. Auch das Investitionsklima wird durch den Iran-Krieg belastet. Über die Hälfte der Industriebetriebe beabsichtigt, ihre Ausgaben für Maschinen und Anlagen im laufenden Jahr einzuschränken. „Die Deindustrialisierung setzt sich unvermindert fort. Die Unternehmen beklagen außerdem den Reformstau bei Steuern und Abgaben, der Energiepolitik und dem Bürokratieabbau“, macht Pasch deutlich. Fast zwei Drittel der Unternehmen zählen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu den wichtigsten Risikofaktoren für ihre Geschäftsentwicklung – ein neuer Höchststand in der IHK-Konjunkturumfrage. Sechs von zehn Unternehmen sorgen sich zudem um die schwache Entwicklung der Inlandsnachfrage. Das ist der höchste Wert seit der Corona-Krise.
Bei der Betrachtung der weiteren Wirtschaftszweige zeigt sich, dass der Großhandel das Schlusslicht bleibt und über starke Umsatzeinbußen berichtet. Die Lage im Verkehrsgewerbe hat sich durch die drastisch gestiegenen Treibstoffkosten erheblich verschlechtert. Die Einzelhändler und die Gastronomen leiden unter dem deutlich eingetrübten Konsumklima, zudem belastet der steigende Mindestlohn das Gastgewerbe zusätzlich. Lediglich im Dienstleistungssektor überwiegen weiterhin die positiven Einschätzungen. Die Energiepreiskrise geht aber auch an dieser Branche nicht spurlos vorüber: 30 Prozent der Dienstleister befürchten eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage.
Im Vergleich der drei bergischen Großstädte schätzen die Remscheider Betriebe ihre gegenwärtige Geschäftslage noch negativer ein als die Wuppertaler und Solinger. Im Hinblick auf ihre künftige Geschäftsentwicklung sind sie aber etwas weniger pessimistisch als die Betriebe in den Nachbarstädten.
Die insgesamt sehr trüben Geschäftsaussichten schlagen sich auch am Arbeitsmarkt nieder. „Rund ein Viertel der IHK-zugehörigen Betriebe beabsichtigt, im Jahr 2026 Stellen zu streichen. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse wird sinken“ so der IHK-Präsident abschließend.