IHK-MEDIENINFO NR. 7/26 VOM 30.1.2026
Bergische Wirtschaft: Geschäftsaussichten leicht verbessert – aber noch kein Aufschwung in Sicht
Zum Jahresbeginn 2026 bleibt die Wirtschaftslage im Bergischen Städtedreieck angespannt. 20 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre wirtschaftliche Situation als gut, 48 Prozent als befriedigend und 32 Prozent als schlecht.
Der Geschäftslageindex steigt gegenüber der vorherigen Umfrage im Herbst 2025 geringfügig um zwei Punkte auf minus 12,9. Das geht aus der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage hervor, an der der sich 555 Unternehmen mit rund 21.900 Beschäftigten beteiligt haben.
„Die Strukturkrise der Industrie hält die bergische Wirtschaft weiterhin im Griff. Das Verarbeitende Gewerbe hat in den vergangenen drei Jahren im IHK-Bezirk 5.300 Arbeitsplätze abge-baut. Dies entspricht einem Rückgang der Beschäftigtenzahl um 9,4 Prozent“, erläutert IHK-Präsident Henner Pasch. In ganz Deutschland sank die Industriebeschäftigung im gleichen Zeitraum nur um 2,9 Prozent, in Nordrhein-Westfalen um 3,7 Prozent.
Die Erwartungen für das Jahr 2026 sind verhalten. 19 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten, dass sich ihre Geschäftszahlen verbessern werden. Demgegenüber befürchten 24 Prozent eine Verschlechterung. Der Saldo der Geschäftserwartungen bleibt mit minus fünf Punkten im negativen Bereich. Dies ist zwar der beste Wert seit 2022 - ein echter Aufschwung ist aber noch nicht in Sicht.
Wegen des weit überdurchschnittlich hohen Industrieanteils ist die Stimmung in der Remscheider Wirtschaft schlechter als in der Wuppertaler und Solinger Unternehmerschaft. Der Abstand zwischen den drei Städten hat sich aber deutlich verringert.
Der Großhandel beurteilt seine Geschäftslage noch negativer als die Industrie und bildet im Branchenvergleich das Schlusslicht. Bei den Kunden der Einzelhändler kommt auch keine rechte Kauflaune auf. Das Verkehrsgewerbe schätzt seine aktuelle Geschäftslage positiver ein als zuletzt, ist aber für die kommenden Monate pessimistisch. Die sonstigen Dienstleister entwickeln sich robust: Alle Konjunkturindikatoren bleiben im positiven Bereich. Dabei spüren die unternehmensnahen Dienstleister durchaus, dass ihre Kunden aus der Industrie zögerlicher Aufträge erteilen.
„Der Anstieg der Arbeitskosten beunruhigt jedes zweite Unternehmen. In der Industrie trifft dies sogar auf 64 Prozent der Betriebe zu; der Wert markiert einen neuen Höchststand“, verdeutlicht der IHK-Präsident. Der ungebremste Anstieg der Lohnnebenkosten verdüstert die Perspektiven für die heimische Wirtschaft weiter. Ein schwacher Lichtblick sind die Umsatzprognosen: Per Saldo erwarten die Unternehmen, dass ihre Umsätze nicht weiter sinken werden. „Dies ist die erste positive Prognose seit dem Jahresanfang 2022. Selbst in der Industrie scheint der Abwärtstrend vorerst gestoppt. Auch die Vorhersagen für das Ausfuhrgeschäft sind wieder etwas freundlicher“, so Pasch.
Deutschland ist derzeit aber kein attraktiver Investitionsstandort. Nur 20 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionsbudgets im laufenden Jahr aufzustocken, 26 Prozent wollen sie einschränken. Auch der Personalbestand wird sich weiter verringern. Dies liegt vor allem an der schwachen Auftragslage und dem Kostendruck im internationalen Wettbewerb. Ebenso wird die Zahl der Ausbildungsverhältnisse sinken.
