DIHK plädiert unter anderem für technologieoffene Ausgestaltung
CCS: Eine Schlüsseltechnologie auf dem Weg zur Klimaneutralität
Das Abscheiden und Speichern von Kohlenstoffdioxid (CO₂) wird als wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität betrachtet. Diese Technologie, bekannt als Carbon Capture and Storage (CCS), ist derzeit ein zentrales Thema in politischen Diskussionen, insbesondere auf der Ebene von Bund und Ländern, die in diesen Wochen in Berlin über die rechtlichen Grundlagen für ihren Einsatz beraten. Doch was macht CCS so entscheidend für den Klimaschutz? Wie funktioniert die Technologie und in welchen Bereichen ist ihr Einsatz wirtschaftlich sinnvoll?
Was ist CCS und wie funktioniert es?
CCS ist eine Technologie, die darauf abzielt, CO₂, das bei industriellen Prozessen entsteht, abzuscheiden und in tiefen geologischen Gesteinsschichten zu speichern. Dadurch wird verhindert, dass dieses CO₂ in die Atmosphäre gelangt und den Klimawandel weiter anheizt.
Emissionsvermeidung hat Vorrang
Es gitb bestimmte Produktionsprozesse, bei denen es schwierig oder nahezu unmöglich ist, CO₂ zu vermeiden. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Zementherstellung: Der Prozess der Zementproduktion setzt CO₂ frei, weil beim Brennen des Zementklinkers CO₂ aus dem Kalkstein austreibt. Zement ist ein unverzichtbarer Baustoff im Hoch- und Tiefbau, und hier kommt CCS ins Spiel – da es bislang keine praktikable Alternative zur CO₂-Produktion bei der Zementherstellung gibt. Auch bei der Herstellung von Kalk oder in einigen Bereichen der technischen Abfallbehandlung entsteht CO₂, das ohne CCS nicht oder nur schwer vermieden werden kann.
Der Einsatz von CCS: Optionen und Herausforderungen
Sollte der Einsatz von CCS erforderlich werden, gibt es mehrere Technologien, die CO₂ direkt an der Quelle abfangen können. Ein Thinktank namens IN4climate.NRW hat eine detaillierte Übersicht veröffentlicht, die verschiedene Technologien zur CO₂-Abscheidung vergleicht und bewertet. Beim Thema Speicherung sind vor allem ehemalige Öl- und Gasfelder eine attraktive Option, da diese ihre Undurchlässigkeit über lange Zeiträume bewiesen haben. Solche Speicher sind weltweit bereits in Betrieb, und das Global CCS Institute bietet hierzu eine Übersicht.
Eine der größten Herausforderungen beim Einsatz von CCS ist der Transport des abgeschiedenen CO₂ zu den Speicherstätten. Um dies wirtschaftlich umzusetzen, wird mittelfristig der Aufbau einer Pipelineinfrastruktur notwendig sein, die Industriezentren mit geeigneten Speicherorten verbindet.
Rechtsrahmen für CCS: Entwurf des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes
Die rechtlichen Rahmenbedingungen für CCS sind derzeit noch in der Entwicklung. Im Sommer dieses Jahres hat die Bundesregierung den Entwurf eines neuen Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetzes (KSpTG) vorgelegt. Dieses Gesetz ist eine Novellierung des bestehenden Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes (KSpG), das CCS bislang nur zu Forschungszwecken zulässt. Das neue Gesetz soll demnächst im Bundestag beschlossen werden.
Ein zentrales Element des Entwurfs ist, dass CO₂-Pipelineprojekte als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft werden, was deren Genehmigungsverfahren beschleunigen soll. Grundsätzlich sieht das Gesetz vor, dass die CO₂-Speicherung nur Offshore (auf dem Festlandsockel und im Meeresgrund) stattfinden soll. Die Speicherung Onshore, also auf dem Festland, wird von der Zustimmung der jeweiligen Bundesländer abhängen.
Eine der größten Kontroversen, die derzeit diskutiert wird, ist die Frage, wo CCS zum Einsatz kommen soll. Es muss sichergestellt werden, dass die Technologie nicht dazu führt, dass fossile Strukturen weiter etabliert oder sogar verstärkt werden. Stattdessen sollte CCS tatsächlich einen positiven Beitrag zur Emissionsvermeidung leisten und nur dort eingesetzt werden, wo keine praktikablen Alternativen bestehen.
CCS als Teil der Lösung für Klimaziele
Je schneller ein gesetzlicher Rahmen für den Einsatz von CCS in Deutschland festgelegt wird, desto eher können die drängenden Fragen bezüglich der CO₂-Emissionen gelöst werden, die entweder unvermeidbar oder schwer vermeidbar sind. CCS ist keine Universallösung, sondern ein gezieltes Instrument, das in bestimmten Bereichen der Industrie einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten kann.
