Konjunktur im Kammerbezirk
Dreimal jährlich befragt die IHK für Oberfranken Bayreuth ihre Mitgliedsunternehmen zur Einschätzung der aktuellen und der künftigen Wirtschaftslage. Diese Befragung hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem wichtigen Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Oberfranken entwickelt. Die Ergebnisse werden für den gesamten Kammerbezirk und nach Branchen ausgewertet. Die Veröffentlichung erfolgt jeweils zu Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst des Jahres. Den detaillierten Bericht und Daten dazu finden Sie auf dieser Seite unter Weitere Informationen. Zudem werden weitere Auswertungen für die acht regionalen Gremien als Pressemitteilungen veröffentlich.
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Silberstreif am oberfränkischen Konjunkturhimmel
Hoffnungsschimmer zeigt sich nicht in allen Branchen
Zum Start in das Winterhalbjahr lassen sich in der oberfränkischen Wirtschaft erste Anzeichen einer konjunkturellen Erholung erkennen. Das zeigt die Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth im Herbst 2026. Die aktuelle Geschäftslage verbessert sich und liegt inzwischen auf einem ausgeglichenen Niveau. Auch die Investitionsbereitschaft im Inland nimmt zu, wobei weiterhin mehr Unternehmen mit sinkenden als mit steigenden Ausgaben planen. Diese positiven Entwicklungen werden jedoch jeweils nur von einem Teil der Branchen getragen. Die Geschäftserwartungen für die folgenden zwölf Monate bleiben dagegen branchenübergreifend deutlich negativ, ebenso die Beschäftigtenprognose. Der Konjunkturklimaindex steigt aufgrund der besseren Lagebewertung um 2 Punkte auf einen Wert von 89.
Mit der deutschen Wirtschaft geht es seit Ende letzten Jahres wieder leicht bergauf. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren zudem, dass sich der vorsichtige Erholungskurs fortsetzten wird. Nun sind zum Start in das Winterhalbjahr auch im oberfränkischen Wirtschaftsraum erste konjunkturelle Lichtblicke erkennbar. Das zeigt die Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth im Herbst 2026.
Deutlich positive Entwicklungen, auf die viele in der Region gewartet haben dürften, bleiben jedoch aus. Zu stark wird die Wirtschaft durch weiterhin schwierige Rahmenbedingungen ausgebremst. Als besonders kritisch erachten die oberfränkischen Unternehmen aktuell die hohen Energie-, Rohstoff- und Warenpreise. Jeweils gut drei von vier der befragten Unternehmen sehen im Herbst in den hohen Preisen bei Energie (79 Prozent) sowie bei Rohstoffen und Waren (76 Prozent) ein gewisses Hemmnis für ihr Geschäft. Auch bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen gibt es aus Unternehmenssicht keine merkliche Verbesserung. Seit nunmehr zweieinhalb Jahren werden diese als eines der größten Risiken für die eigene wirtschaftliche Entwicklung eingestuft, aktuell von 64 Prozent der Befragten. Dazu hemmen hohe Arbeitskosten und eine geringe Inlandsnachfrage weiterhin die oberfränkische Konjunktur.
Der Konjunkturklimaindex, welcher die Bewertungen der aktuellen Lage und der Geschäftserwartungen als globaler wirtschaftlicher Stimmungsindikator miteinander verknüpft, steigt um 2 Punkte. Mit einem aktuellen Wert von 89 liegt er weiterhin deutlich unter der sogenannten Wachstumsschwelle von 100 Punkten und dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre (106 Punkte).
Aktuelle Geschäftslage erholt sich in einzelnen Branchen
In der Herbst-Konjunkturbefragung bewerten 23 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Genauso viele empfinden sie als schlecht, 54 Prozent als befriedigend. Damit wird die Geschäftslage im Saldo, sprich der Differenz aus positiven und negativen Bewertungen, zum ersten Mal in diesem Jahr ausgeglichen eingeschätzt. In der vorangegangenen Frühjahrsbefragung lag der Saldo noch bei -8 Punkten. Diese Entwicklung lässt sich als erster Schritt hin zu einer konjunkturellen Erholung deuten.
Zurückzuführen ist die verbesserte Lagebewertung jedoch vor allem auf die Entwicklung in einzelnen Brachen, und zwar der Dienstleistungsbranche, dem Baugewerbe und dem Tourismus. Alle drei Branchen weisen im Herbst einen positiven Saldo auf. Bei den beiden letztgenannten Branchen spielen immer auch saisonale Schwankungen eine Rolle. Die Dienstleistungsbranche zeigt sich nach einer Verschnaufpause im Frühjahr wieder deutlich positiver. In der oberfränkischen Industrie sowie im Groß- und Einzelhandel überwiegen weiterhin deutlich die negativen Bewertungen. Entsprechend wird die Auslastung der vergangenen sechs Monate in der Industrie schlechter eingeschätzt als in der Dienstleistungsbranche, dem Baugewerbe und dem Tourismus.
Die Entwicklung der Auftragslage wird für diesen Zeitraum in allen Branchen überwiegend kritisch eingeschätzt, und das im In- und Ausland sowie auf den unterschiedlichen Auslandsmärkten. Der Saldo für das inländische Auftragsvolumen liegt bei -23 für das ausländische bei -20. Einzig in der Region Asien und Pazifik ohne China scheint die Situation weniger stark angespannt.
Geschäftserwartungen durchwegs deutlich zurückhaltend
Bei den Geschäftserwartungen für die folgenden 12 Monate bleiben die Unternehmen zurückhaltend. Insgesamt 11 Prozent der Befragten Unternehmen im Kammerbezirk rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage. 58 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Lage aus. 31 Prozent sehen einer Verschlechterung entgegen. Mit einem Saldo von -20 liegen die Geschäftserwartungen weiterhin tief im negativen Bereich. Entsprechend kritisch sind die unternehmerischen Erwartungen zum zukünftigen Auftragsgeschehen im Inland. Während 14 Prozent einem steigenden Auftragsvolumen entgegensehen, rechnet jedes Dritte Unternehmen mit einem sinkenden Volumen. Auch die erwartete Auslastung bleibt niedrig. Nach mehreren Jahren eines konjunkturellen Aufs und Abs lassen sich die Unternehmen von ersten positiven Anzeichen noch nicht zu spürbarem Optimismus verleiten.
Die Dienstleistungsbranche hebt sich bezüglich ihrer Erwartungen durch durchwegs vorhandene, aber dennoch geringere Skepsis hervor. Die Industrie sieht vereinzelt Lichtblicke im Auslandsgeschäft. So rechnen genauso viele Industrieunternehmen mit einem steigenden wie sinkenden Auftragsvolumen im Ausland. Vorsichtig positive Impulse werden dabei auf dem süd- und mittelamerikanischen Markt erwartet.
Inlandsinvestitionen im Aufwärtstrend
Die Vorhersagen zu den Inlandsinvestitionen für die folgenden zwölf Monate zeigen, dass weiterhin mehr Unternehmen im Kammerbezirk mit sinkenden als mit steigenden Ausgaben planen (23 im Vergleich zu 17 Prozent). Zudem gibt gut jedes vierte Unternehmen an, keinerlei Investitionen zu tätigen (26 Prozent). Damit nimmt die Investitionsbereitschaft jedoch im Vergleich zum Frühjahr zu (Saldo -6 von im Vergleich zu -12). Ein wichtiges Signal, denn ohne Investitionen wird kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum in der Region möglich sein. Hauptmotiv für diese Investitionsausgaben sind nach Angabe der Unternehmen vor allem Ersatzbeschaffung (69 Prozent Nennung), ferner auch Rationalisierungen (33 Prozent Nennung) und Produktinnovation (28 Prozent Nennung).
Doch auch bei den Investitionsplanungen ist der Aufwärtstendenz auf einzelne Branchen zurückführen, nämlich die Dienstleistungsbranche, den Einzelhandel und den Tourismus. In den beiden ersten Branchen überwiegen mittlerweile sogar die optimistisch gestimmten Unternehmen die pessimistischen. Kritisch für den Standort ist insbesondere die Situation in der Industrie. Hier wird im Saldo mit deutlich sinkenden Investitionen im Inland geplant, aber mit tendenziell leicht steigenden Ausgaben im Ausland.
Negative Beschäftigungsvorhersagen aufgrund von Personalabbau
Bei der erwarteten Beschäftigtenentwicklung am Standort ist keine Trendwende erkennbar. Während 8 Prozent der befragten Unternehmen von einer steigenden Belegschaft in den folgenden 12 Monaten ausgehen, erwarten 27 Prozent eine gegenläufige Entwicklung. Damit rangieren die Beschäftigtenprognosen ähnlich tief im negativen Bereich wie in der Frühjahrsbefragung. Zudem überwiegen in allen Branchen die pessimistischen Stimmen.
Unternehmen welche mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl rechnen, wurden zusätzlich im Herbst nach dem Hintergrund gefragt. Während 19 Prozent angeben offene Stellen nicht nachbesetzen zu können, geben 81 Prozent an, Personal abzubauen. Dieses Ergebnis stimmt mit dem Befund überein, dass im Kammerbezirk der Fachkräftemangel zunehmend für die Unternehmen an Brisanz verliert. Eine weitere Sonderfrage zeigt, dass im Ausland tendenziell mehr Unternehmen von einer steigenden als sinkenden Belegschaft ausgehen (26 im Vergleich zu 13 Prozent). In Kombination zeichnen diese Ergebnisse ein kritisches Bild. Wenn zukünftig Unternehmen Personal hierzulande eher abbauen, aber im Ausland aufbauen, droht die heimische Wirtschaftsregion zunehmend den Anschluss zu verlieren.
