Konjunktur im Kammerbezirk

Dreimal jährlich befragt die IHK für Oberfranken Bayreuth jeweils rund 1.500 Unternehmer zur Einschätzung der aktuellen und der künftigen Wirtschaftslage. Diese Befragung hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem wichtigen Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Oberfranken entwickelt. Die Ergebnisse werden für den Kammerbezirk und seine acht regionalen Gremien ausgewertet.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschlechtern sich

Erwartungen der oberfränkischen Wirtschaft geben nach

Die Weltwirtschaft gerät ins Stottern und das ist auch in Oberfranken spürbar. Steigende Energiepreise auch aufgrund des Krieges in der Ukraine treiben viele Unternehmen um. Hinzu kommen Preissteigerungen für Rohstoffe und Waren, denen durch die stockenden Lieferketten deutlichen Vortrieb geleistet wird. Zeitgleich rutscht die Konsumlaune wegen der hohen Inflation und des Ukrainekriegs auf ein Rekordtief. Ein schwieriges Umfeld, in dem die oberfränkischen Unternehmen manövrieren müssen, das jedoch Vielen weiterhin gut gelingt. Die aktuelle Geschäftslage kann ihr Niveau im Saldo halten. Die Erwartungen an die kommenden Monate geben hingegen nach einem langsamen Erholungsprozess erwartungsgemäß nach. Der Konjunktur-klimaindex verliert sieben Punkte und liegt jetzt bei 105 Zählern.

Ein leichter Dämpfer in vielen Branchen

Die aktuelle Geschäftslage der oberfränkischen Wirtschaft bleibt der vielen Hemmnisse und Herausforderung zum Trotz im Saldo positiv. 36 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer berichten in der Konjunkturumfrage der IHK für Oberfranken Bayreuth von einer guten betrieblichen Lage. Auf der anderen Seite vermelden 19 Prozent der Betriebe, sich aktuell in einer schlechten Geschäftslage zu befinden. Damit notiert der Saldo im Vergleich zur Neujahrsumfrage auf gleichem Niveau und die Geschäftslage kann zusammenfassend weiterhin als „verhalten optimistisch“ beschrieben werden.
In den untersuchten Branchen fällt der verhaltene Optimismus hingegen durchaus unterschiedlich aus. Vielen Branchen zu eigen ist, dass die Beurteilung der Geschäftslage im Vergleich zum Januar leicht nachgegeben hat, im Saldo aber weiterhin positiv ist. Dies gilt unter anderem für den Industriesektor, die Dienstleistungen und den Großhandel. Der Einzelhandel kann sein Ergebnis aus dem Winter bestätigen und im Baugewerbe berichten mehr Firmen auch saisonal bedingt von einer guten Geschäftslage als noch zu Jahresbeginn. Die Unternehmen aus dem Tourismussektor sind in ihrer Beurteilung ebenfalls milder gestimmt als noch vor vier Monaten. Der Saldo der touristischen Betriebe verbleibt jedoch deutlich im negativen Segment. Auch die Impulse für Umsatzzuwächse schwächen sich ab und sind im Inland leicht im positiven Bereich, wo Industrie und Baugewerbe im Saldo wieder einen leichten Aufwind vermelden. Die Umsatzentwicklung auf den ausländischen Märkten ist im Saldo ebenfalls leicht positiv ausgeprägt. Zuwächse können im Euroraum und vor allen im Nordamerika-Geschäft verbucht werden. Sinkende Umsätze vermeldet die Wirtschaft hingegen aus China und als logische Konsequenz der Sanktionen aus dem Russlandgeschäft.

Preise und Verfügbarkeit – die großen Bremsklötze der Wirtschaft

Die Herausforderungen, mit denen sich die oberfränkische Wirtschaft konfrontiert sieht, werden in den vergangenen Jahren eher größer als kleiner. War es vor der Pandemie vor allem die sektorale Strukturkrise der Automobilbranche, traf es in der Pandemie die gesamte Wirtschaft. Und auch in Post-Pandemie Zeiten sind die Hemmnisse nahezu allumfassend mit dem Potenzial sich zu einer weltweiten Rezession auszuweiten. Hierfür sind vor allem zwei Faktoren verantwortlich, die wiederum eng miteinander und auch mit weiteren Aspekten verwoben sind: Preise und Verfügbarkeiten.

85 Prozent der befragten Unternehmen haben aufgrund der Preisentwicklung für Rohstoffe und Waren erhebliche oder teilweise Einschränkungen hinzunehmen. Gleiches gilt für 84 Prozent bei der Entwicklung der Energiepreise. Weiterhin berichten 75 Prozent der oberfränkischen Betriebe von einer erheblichen oder teilweisen Knappheit an Rohstoffen und Materialien sowie alarmierende 58 Prozent, die stockende Lieferketten zu Protokoll geben. Hinzu kommen 56 Prozent der Befragten, die Einschränkungen durch den Russland-Ukraine-Krieg hinzunehmen haben. Somit sind die Preisentwicklung und die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen direkt oder indirekt für die fünf meistgenannten Hemmnisse in der oberfränkischen Wirtschaft verantwortlich.

Erwartungen geben nach

Die Erwartungen an die kommenden Monate geben unter aktuellen Vorzeichen nach. Ob Preisentwicklung, stockende Lieferketten, Verfügbarkeit von Material und Energie, ein Wiederaufflammen der Corona-Pandemie in China oder natürlich der Krieg in der Ukraine: zu unsicher und vor allem unplanbar sind die kommenden Monate, als das noch flächendeckender Optimismus in der oberfränkischen Wirtschaft vorherrschen könnte. Damit ist der positive Trend der letzten Umfragen beendet. Insgesamt rechnen 28 Prozent der befragten Unternehmen mir einer Verschlechterung der Geschäftslage in den anstehenden Monaten. Eine Verbesserung für die kommende Zeit erwarten immerhin noch 23 Prozent.

Einzig der Tourismussektor ist – auch aufgrund der anstehenden Sommersaison und dem Zurückfahren vieler Corona-Einschränkungen – mehrheitlich positiv gestimmt. Besonders pessimistisch und rückläufig sind die Prognosen im Baugewerbe, im Großhandel und im Einzelhandel. Vor allem im Einzelhandel bleibt damit die erwartete Trendwende bei der Konsumlaune aus und die Kaufneigung der Bundesbürger rutscht aufgrund des Ukraine-Krieges und der steigenden Inflation auf einen neuen Tiefstand.

Auch die Industrie und die Dienstleistungen rechnen im Saldo mit einer Verschlechterung der Geschäftslage. Hierbei ist es vor allem das Auslandsgeschäft, das den befragten Unternehmerinnen und Unternehmern Sorge bereitet. Auf den ausländischen Märkten kalkulieren insgesamt mehr Firmen mit einem Rückgang der Umsätze. Hiervon könnten neben dem logischen Einbrechen der Geschäfte mit Russland vor allem der chinesische und der europäische Markt betroffen sein. Für das Inlandsgeschäft rechnet die oberfränkische Wirtschaft im Saldo insgesamt eher mit einer Seitwärtsbewegung, die mit einem leicht negativen Vorzeichen versehen ist.

Investitions- und Beschäftigtenplanungen bleiben optimistisch

Bemerkenswert ist, dass die oberfränkische Wirtschaft in ihren Planungen für Investitionen und Beschäftigung ihren Wachstumskurs beibehalten möchten, wenn auch zwei Gänge niedriger als zuvor. Im Saldo planen etwas mehr Betriebe mit steigenden als mit sinkenden Investitionen. Impulse können noch die Industrie und der Dienstleistungssektor setzen, wohingegen das Baugewerbe und der Tourismussektor mit einem Rückgang der Investitionstätigkeit planen. Und auch der Personalbestand soll in mehr Unternehmen zulegen. Hier sind es die Branchen Industrie, Dienstleistungen, Groß- und Einzelhandel aber vor allem Tourismus, in denen Personalaufbau zu erwarten ist. So zeigt sich, dass die Berufliche Bildung und die Fachkräftesicherung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zentraler Baustein für den Erfolg der oberfränkischen Wirtschaft ist.