Konjunktur im Kammerbezirk
Dreimal jährlich befragt die IHK für Oberfranken Bayreuth ihre Mitgliedsunternehmen zur Einschätzung der aktuellen und der künftigen Wirtschaftslage. Diese Befragung hat sich in den vergangenen 30 Jahren zu einem wichtigen Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Oberfranken entwickelt. Die Ergebnisse werden für den gesamten Kammerbezirk und nach Branchen ausgewertet. Die Veröffentlichung erfolgt jeweils zu Jahresbeginn, im Frühjahr und im Herbst des Jahres. Den detaillierten Bericht und Daten dazu finden Sie auf dieser Seite unter Weitere Informationen. Zudem werden weitere Auswertungen für die acht regionalen Gremien als Pressemitteilungen veröffentlich.
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Erhoffte konjunkturelle Erholung bleibt aus
Nahost-Konflikt verschärft Herausforderungen für die Wirtschaft
Die wirtschaftliche Situation im Kammerbezirk der IHK für Oberfranken Bayreuth trübt sich zum Start in das Sommerhalbjahr weiter ein. Die Konjunkturbefragung im Frühjahr 2026 zeigt, dass sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate spürbar nachgeben. Parallel dazu sinken die Investitionspläne für das Inland sowie die Beschäftigtenprognosen. Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, der die Unternehmen zusätzlich verunsichert und die Hoffnung auf eine zeitnahe wirtschaftliche Erholung dämpft. Der Konjunkturklimaindex verzeichnet einen Rückgang um 8 Punkte und liegt nun bei einem Wert von 87.
Die wirtschaftliche Situation in Deutschland konnte sich seit der Corona-Krise nicht nachhaltig erholen und ist weiterhin angeschlagen. Zu sehr lasten strukturelle Herausforderungen und die angespannte weltpolitische Situation auf den Unternehmen. Im Frühjahr 2026 versetzt nun der Konflikt im Nahen Osten der Wirtschaft einen weiteren Dämpfer und erstickt die Hoffnung auf einen baldigen konjunkturellen Aufschwung im Keim.
Entsprechend bewerten die Unternehmen im Kammerbezirk der IHK für Oberfranken Bayreuth in der Frühjahrsbefragung ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als zu Jahresbeginn. Insgesamt gibt die Hälfte der befragten Unternehmen eine aktuell befriedigende Geschäftslage zu Protokoll. 21 Prozent schätzen ihre Lage gut ein, 29 Prozent schlecht. Aus der Differenz der positiven und negativen Bewertungen ergibt sich ein Saldo von -8 (Saldo -2 zu Jahresbeginn).
Die Geschäftserwartungen für die folgenden zwölf Monate geben noch deutlicher nach. Während 13 Prozent der befragten Unternehmen von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage ausgehen, rechnen 55 Prozent mit einer gleichbleibenden Lage. 32 Prozent sehen einer Verschlechterung entgegen. Im Vergleich zur Vorbefragung nehmen damit vor allem die pessimistisch gestimmten Unternehmen zu. Im Saldo liegen die Geschäftserwartungen bei -19. Folglich nimmt der Konjunkturklimaindex, welcher die Bewertungen der aktuellen Geschäftslage und der Geschäftserwartungen miteinander verknüpft, deutlich ab und sinkt um 8 Punkte auf einen Wert von 87.
Zunehmender Pessimismus bei Investitions- und Beschäftigtenplanung
Die Erwartungen bezüglich der Investitionen im Inland für die folgenden zwölf Monate zeigen weiter nach unten (Saldo -12 im Vergleich zu -9 zu Jahresbeginn). Während 17 Prozent der befragten Unternehmen im Kammerbezirk steigende Inlandsinvestitionen vorhersagen, gehen 29 Prozent von einem Rückgang aus. Dazu kommen 26 Prozent, welche angeben keinerlei Investitionen zu tätigen.
Ein entgegengesetztes Bild zeichnet sich für die geplanten Investitionen im Ausland ab. Diese werden nun im Saldo leicht positiv eingeschätzt (Saldo +5). Wenn die Hauptmotive für Investitionen im In- und Ausland unter die Lupe genommen werden, zeigen sich deutliche Unterschiede. Als mit Abstand wichtigstes Motiv für Investitionen im Inland werden Ersatzbeschaffungen genannt (68 Prozent Nennung), gefolgt von Rationalisierung (34 Prozent Nennung). Ganz anders ist die Situation bei den Auslandsinvestitionen. Hier liegt das Hauptmotiv bei Kapazitätserweiterung (55 Prozent Nennung) gefolgt von Produktinnovation (45 Prozent Nennung). Dieses Muster bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Region. Wenn zukunftsträchtige Investitionen vor allem im Ausland geplant werden, am Standort hingegen der Status Quo erhalten wird, besteht die die Gefahr einer zunehmenden Deindustrialisierung.
Mit einem Saldo von -19 verschlechtern sich die Beschäftigtenprognosen im Frühjahr erheblich (Saldo -11 zu Jahresbeginn). Zurückzuführen ist diese Entwicklung ist auf den gestiegenen Anteil an Pessimisten. Insgesamt gehen 28 Prozent der befragten Unternehmen von einer sinkenden Belegschaft am Standort in den folgenden zwölf Monaten aus, 9 Prozent von einer wachsenden. 62 Prozent sehen einer gleichbleibenden Beschäftigung entgegen.
Wirtschaftszweige mit ähnlichen Erwartungen aber unterschiedlicher Lage
Ein Blick hinein in die großen oberfränkischen Wirtschaftszweige zeigt, dass sich diese hinsichtlich ihrer Erwartungen für die folgenden zwölf Monate größtenteils einig sind. Sowohl das Urteil zu den Geschäftserwartungen als auch zu den Investitionsplanungen im Inland und der vorhergesagten Beschäftigtenentwicklung sind im Saldo negativ. Einzige Ausnahme stellen die Beschäftigungsaussichten im Baugewerbe dar, welche aufgrund der Saison und wohl auch des Bauturbos mit einer steigenden Belegschaft planen.
Einigkeit besteht auch bei der Entwicklung des Auftragsvolumens bzw. der Umsätze im Inland. Diese werden in allen Branchen in den vergangenen sechs Monaten überwiegend als rückläufig klassifiziert.
Die aktuelle Geschäftslage wird jedoch nicht überall gleich eingeschätzt. Während die Industrie, der Groß- und Einzelhandel sowie der Tourismus in Summe ein negatives Urteil abgegeben, wird die Situation im Baugewerbe immerhin ausgeglichen bewertet. Die Lage im Dienstleistungssektor rangiert im positiven Bereich, auch wenn sich die Stimmung deutlich abgekühlt hat. Entsprechend der Geschäftslage wird auch die Auslastung in den vorangegangenen sechs Monaten in der Industrie und im Tourismussektor schlechter eingeschätzt als in Baugewerbe und den Dienstleistungen. Insbesondere die Dienstleistungsbranche hebt sich mit einer guten Auslastung hervor.
Kaum positive Impuls im Auslandsgeschäft
Das Auftragsvolumen im Ausland der vorangegangenen sechs Monate wird von den dort geschäftstätigen Unternehmen im Saldo als rückläufig bewertet und das durchweg auf den unterschiedlichen Auslandsmärkten.
Die Erwartungen für die folgenden zwölf Monate zum Auslandsgeschäft sind insgesamt ebenfalls pessimistisch. Einzig positiv hebt sich die Region Asien und Pazifik (ohne China) hervor. Hier gehen 29 Prozent der im Ausland geschäftstätigen Unternehmen von einem steigenden Auftragsvolumen aus, 15 Prozent von einem sinkenden.
Nahost-Konflikt dämpft Konjunktur
Wie sehr der Konflikt im Nahen Osten die oberfränkische Wirtschaft belastet, zeigen eine Reihe von Zusatzfragen, welche im Rahmen der Konjunkturbefragung gestellt wurden. Gut drei von vier Unternehmen sehen aktuell jeweils in den hohen Preisen bei Rohstoffen und Waren (76 Prozent) sowie den hohen Preisen bei Energie (78 Prozent) ein gewisses Hemmnis für ihr Geschäft. Dazu fühlt sich jedes Dritte Unternehmen (34 Prozent) durch Material-, Rohstoff- oder Warenknappheit zumindest teilweise behindert. Probleme bei Be- oder Auslieferung zum Beispiel durch stockende Lieferketten in Folge des Irankriegs erachten zudem 28 Prozent der Unternehmen als Geschäftshemmnis.
Bei der Frage nach den größten Risiken für die wirtschaftlichen Entwicklung ihres Unternehmens nennen im Frühjahr 72 Prozent der Befragten die Energie- und Rohstoffpreise. Nachdem dieser Aspekt in den letzten Jahren an Dringlichkeit verloren hatte, stellen die Energie- und Rohstoffpreise nun wieder das Top 1 Risiko der oberfränkischen Unternehmen dar.
Daneben verschlechtern sich aus Sicht der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Diese werden so kritisch bewertet wie zuletzt zu Jahresbeginn 2024, dem bisherigen Höchststand. Arbeitskosten, Inlandsnachfrage und Fachkräftemangel werden im Frühjahr im Gegenzug weniger brisant eingeschätzt.
