Oberfränkische Wirtschaft unter Druck

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen: Oberfränkische Wirtschaft behauptet sich


„Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Hoffnung auf eine spürbare Erholung der Wirtschaft zunächst zunichte gemacht“,

so Dr. Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.

„Unsere heimischen Unternehmen schlagen sich aber besser als erwartet. Allerdings ist die Unsicherheit über die weitere Entwicklung sehr hoch.“  
Im Saldo bewerten die Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth die aktuelle Geschäftslage positiv. Der seit Mai 2020 zu beobachtende Aufwärtstrend bei den Erwartungen reißt dagegen ab. Der Konjunkturklimaindex verliert deswegen sieben Punkte und liegt aktuell bei 105 Zählern.

Oberfränkische Wirtschaft kann schwierigen Rahmenbedingungen noch trotzen

„Die oberfränkische Wirtschaft muss sich derzeit in einem äußerst schwierigen Umfeld behaupten. Dass dies vergleichsweise gut gelingt, zeigt die Stärke unserer heimischen Unternehmen“, so Dr. Waasner in einer ersten Bewertung. „Die Weltwirtschaft ist ins Stottern geraten, was auch Oberfranken immer mehr zu spüren bekommt.“ Steigende Energiepreise - nicht zuletzt aufgrund des Krieges in der Ukraine - setzen viele Unternehmen erheblich unter Druck. Hinzu kommen Preissteigerungen für Rohstoffe und Waren, denen durch die stockenden Lieferketten deutlichen Vorschub geleistet wird. Zugleich rutscht die Konsumlaune der oberfränkischen Verbraucher wegen der hohen Inflation und des Ukrainekriegs auf ein Rekordtief. „Was mit unterbrochenen Lieferketten aufgrund der Corona-Pandemie begann, hat sich längst zu einem dauerhaften Stresstest für Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt“, macht Gabriele Hohenner deutlich, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Aktuelle Geschäftslage unverändert

Die gegenwärtige Geschäftslage der oberfränkischen Wirtschaft bleibt im Saldo positiv, trotz der vielen Hemmnisse und Herausforderungen. 36 Prozent der Befragten sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, 19 Prozent unzufrieden. Damit bleiben die Relationen von positiven und negativen Bewertungen stabil auf dem Niveau der IHK-Konjunkturumfrage zur Jahreswende.

Während sich die Einschätzungen zur aktuellen Geschäftslage im Tourismussektor spürbar gebessert haben, in der Summe aber weiterhin negativ sind, beurteilen alle anderen Wirtschaftsgruppen die Geschäftslage positiv, wenn auch meist mit nachlassendem Saldo, vor allem im Dienstleistungssektor.

Auslands- und Inlandsnachfrage sind gleichermaßen leicht angestiegen. Im Auslandsgeschäft können dabei Zuwächse im Euroraum und vor allen im Nordamerika-Geschäft verbucht werden. Eine sinkende Nachfrage melden die Unternehmen hingegen aus China und natürlich im Russlandgeschäft.

Preise und Verfügbarkeit – die großen Bremsklötze der Wirtschaft

Die oberfränkische Wirtschaft sieht sich mit immer mehr Herausforderungen konfrontiert. Dr. Waasner: „Der Krieg in der Ukraine hat deutliche Spuren in der Weltwirtschaft hinterlassen. Insbesondere die extrem gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise machen unseren Unternehmen dabei zu schaffen.“ Die größten Risiken sehen die Unternehmen nämlich in der Entwicklung der Rohstoffpreise (86 Prozent aller Befragten) und der Energiekosten (84 Prozent). 75 Prozent der Betriebe stehen durch die Rohstoff- und Materialknappheit unter Druck, mehr als die Hälfte der Unternehmen außerdem durch instabile Lieferketten und die Auswirkungen des Ukraine-Krieges. „Somit sind die Preisentwicklung und die Verfügbarkeit von Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen direkt oder indirekt die fünf meistgenannten Hemmnisse für die oberfränkischen Wirtschaft“, macht Dr. Waasner deutlich.

Eine Normalisierung der Versorgungssituation scheint für viele der befragten Unternehmen jedoch vorerst nicht in Sicht zu sein. Gerade einmal 13 Prozent rechnen mit einer Verbesserung ihrer Versorgungssituation noch in diesem Jahr. Die restlichen 87 Prozent erwarten eine Verbesserung zu einem späteren Zeitpunkt (32 Prozent), keine Erholung der Versorgungssituation (12 Prozent) oder können aufgrund der unsicheren Märkte hierzu keine Einschätzung abgeben (43 Prozent). „Die Versorgungssituation ist in vielen Branchen schwierig und angespannt. Diese Problematik wird uns auch in der Zukunft noch beschäftigten“, so der Präsident.

Erwartungen geben nach

Die Konjunkturaussichten für die kommenden zwölf Monate geben spürbar nach. „Mit dem Krieg in der Ukraine bleibt die Wirtschaft nach zwei Jahren Corona-Pandemie im Krisenmodus“, so Dr. Waasner. Insgesamt rechnen 28 Prozent der befragten Unternehmen mir einer Verschlechterung der Geschäftslage und nur noch 23 Prozent mit einer Verbesserung.

Einzig der Tourismussektor ist mehrheitlich positiv gestimmt. Besonders pessimistisch und rückläufig sind dagegen die Prognosen im Baugewerbe, im Groß- und im Einzelhandel. Die erhoffte Trendwende bei der Konsumlaune bleibt aus. Hohenner: „Vielmehr rutscht die Kaufneigung der oberfränkischen Verbraucher aufgrund des Ukraine-Krieges und der steigenden Inflation auf einen neuen Tiefstand.“

In der Industrie bereitet vor allem das Auslandsgeschäft Sorgen. Neben dem wegbrechenden Russlandgeschäft erwarten die exportorientierten Unternehmen auch eine schwächelnde Nachfrage vor allem in China, aber auch in Europa. Hohenner: „Die Lage bleibt angespannt, auch bei den Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern.“

Investitions- und Beschäftigtenplanungen bleiben optimistisch

Trotz der unsicheren Rahmenbedingungen wollen die Unternehmen im Saldo 2022 mehr investieren. Nur im Tourismussektor und im Baugewerbe lässt die Investitionsbereitschaft nach. Investitionen sind dabei vor allem in Ersatzbeschaffungen geplant, aber auch in den Umweltschutz.

Noch mehr Unternehmen als in der Umfrage zur Jahreswende wollen ihren Personalbestand aufstocken, vor allem im Tourismus-, aber auch im Dienstleistungssektor. „Es zeigt sich, dass die berufliche Bildung und die Fachkräftesicherung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zentraler Baustein für den Erfolg der oberfränkischen Wirtschaft sind“, so Hohenner.

„Auch wenn die akuten Herausforderungen derzeit an ganz anderer Stelle liegen, darf die Politik die Fachkräfteproblematik nicht aus den Augen verlieren“, warnt Dr. Waasner. „So muss etwa das erst 2019 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz mit seinen oft sehr bürokratischen und in Teilen praxisfernen Lösungen dringend überarbeitet werden.“
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