4 min
Lesezeit
„Einfach mal machen“
Warum der Mittelstand in Sachen Robotik nicht länger warten soll und was er kleinen und mittleren Unternehmen rät, dazu spricht Ömer Atiker, Berater für KI und Transformation und Keynote Speaker der Veranstaltung, im Interview.
Herr Atiker, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit digitaler Transformation, KI und dem Zusammenspiel von Mensch und Technik. Was macht Robotik aus Ihrer Sicht gerade jetzt zu einem wichtigen Thema für den Mittelstand?
Es haben sich drei Dinge geändert. Zum einen der Preis: Ein Cobot ist bezahlbar geworden, er kostet heute nicht mehr als ein Gebrauchtwagen. Der zweite Punkt ist die Programmierung, die dank KI sehr viel einfacher geworden ist. Ich muss keine komplexen Programme schreiben oder Teile vorsortieren. Es reicht den Bewegungsablauf vorzumachen, und zu sagen: „Mach doch mal so.“ Und der dritte Punkt ist die Verfügbarkeit von Robotern. Die Frage ist nicht: Was kostet der Roboter im Vergleich zum Menschen? Sondern: Was kostet es mich, wenn eine Schicht ausfällt. Wenn ich jetzt mit einem Roboter auch nur Teile der Schicht abdecken kann, dann wird das richtig interessant. Zudem sind mit einem flexiblen Roboter mittlerweile auch kleine Serien machbar. Da lohnt sich der Einsatz schon ab fünfzig oder hundert Teilen – und genau da ist der Mittelstand zu Hause und genau da ist noch wenig passiert. Darüber hinaus gewinnt man bereits, bevor der Roboter zum Einsatz kommt: Denn es ist notwendig, seine Produktionsprozesse klar zu definieren. Das ist sehr hilfreich.
In Ihrer Arbeit sprechen Sie häufig davon, Technik, Wirtschaft und Menschen zusammenzubringen. Was sind aus Ihrer Erfahrung die drei häufigsten Missverständnisse, die Unternehmen von Robotik-Projekten abhalten?
Drei Missverständnisse begegnen mir immer wieder. Erstens: Robotik lohne sich erst bei großen Stückzahlen. Dabei geht es heute um Verfügbarkeit und Durchlaufzeiten. Der Roboter erledigt den Job, den keiner mehr machen will. Da sind wir doch dann alle fein raus: Die Mitarbeitenden sind fröhlich und der Roboter macht den Kram, auf den wir keine Lust haben. Das ist doch super.
Das zweite Missverständnis ist der deutsche Perfektionismus. Zwei Jahre Konzeptphase, in der wir viel nachdenken und Angebote vergleichen, bringen weniger als acht Wochen mit einem Roboter an einer Station. Also aufhören, alles totzudenken, sondern einfach mal machen.
Und drittens ist es auch ein Denkfehler, dass der Roboter der große Kostenblock ist. Der Roboter ist gar nicht mehr so teuer, das Geld und die Arbeit steckt im Drumherum: Greifer, Zuführung, Sicherheit.
Bei KI, IT und Technik allgemein kommt schnell die Angst vor Stellenabbau auf. Wir suchen aber händeringend Leute. Wenn die Maschine einen Teil übernimmt, bleibt der Betrieb lieferfähig, obwohl Stellen offen sind. Der Roboter kostet hier keinen Arbeitsplatz, er hält welche.
Also ich denke, Kollege Roboter ist etwas, das uns mehr Möglichkeiten bietet.
Das zweite Missverständnis ist der deutsche Perfektionismus. Zwei Jahre Konzeptphase, in der wir viel nachdenken und Angebote vergleichen, bringen weniger als acht Wochen mit einem Roboter an einer Station. Also aufhören, alles totzudenken, sondern einfach mal machen.
Und drittens ist es auch ein Denkfehler, dass der Roboter der große Kostenblock ist. Der Roboter ist gar nicht mehr so teuer, das Geld und die Arbeit steckt im Drumherum: Greifer, Zuführung, Sicherheit.
Bei KI, IT und Technik allgemein kommt schnell die Angst vor Stellenabbau auf. Wir suchen aber händeringend Leute. Wenn die Maschine einen Teil übernimmt, bleibt der Betrieb lieferfähig, obwohl Stellen offen sind. Der Roboter kostet hier keinen Arbeitsplatz, er hält welche.
Also ich denke, Kollege Roboter ist etwas, das uns mehr Möglichkeiten bietet.
Viele Unternehmen fragen sich: "Müssen wir jetzt sofort etwas tun oder können wir noch abwarten?" Was würden Sie diesen Unternehmen antworten?
Ja, Sie können natürlich abwarten. Dann sind sie im nächsten Jahr ein Jahr älter, die Roboter bestimmt auch billiger, aber Sie sind nicht unbedingt schlauer. Denn beim Abwarten lernen sie nichts. Wer jetzt anfängt, hat in einem Jahr ein Gefühl für die Technik, das sich kaum aufholen lässt. Kaufen müssen Sie deshalb noch nichts. Setzen Sie sich eine Woche hin und prüfen Sie drei Fragen: Welche Jobs sind für Roboter geeignet oder welche Jobs nerven? Kann ein Roboter das? Und lohnt es sich? Dreimal grün, dann los.
Wo sehen Sie in den kommenden fünf bis zehn Jahren die größten Chancen für kleine und mittlere Unternehmen?
Vorhersagen sind schwierig, trotzdem ein paar Gedanken. Ich glaube Roboter werden normal, so wie Computer, Handy und Smartphone normal geworden sind. Die Programmierung verschwindet: Ich sage der Maschine im Dialog, was ich will, so wie heute im Chatbot. Wenn Sonderteile und Kleinserien dank günstiger Roboter wieder hier vor Ort entstehen, spare ich mir Logistik und Zölle. Und Robotik ist längst mehr als Produktion. Sie findet Einzug in Lager und Intralogistik; im Labor, weil sie die ganzen automatischen Prozesse mit hoher Präzision und Geduld zuverlässig durchführt; Groß ist auch das Thema Reinigung, genauso wie Kommissionierung. In der Gastronomie gibt es schon ganz ordentliche Küchenroboter, die zwar nicht Kochen, aber bei weiteren Prozessen unterstützen, das Essen portionieren und an den Tisch bringen.
Bei humanoiden Robotern bin ich noch skeptisch, da liegen Genie und Dummheit dicht beieinander. In der KI sprechen wir von der Jagged Frontier. Also die machen in riesigen Schritten Fortschritte, aber gleichzeitig auch banale Dinge wieder falsch. Es gibt ganz schicke Videos, wie ein Roboter einen Parcours klettert. Man sieht aber nicht, dass er davor 20-mal furchtbar auf die Nase gefallen ist. Schauen wir mal, wie es wird. Der größte Gewinn aber bleibt: Die Maschine zwingt uns, unsere Prozesse zu klären und Aufgaben neu zu denken.
Bei humanoiden Robotern bin ich noch skeptisch, da liegen Genie und Dummheit dicht beieinander. In der KI sprechen wir von der Jagged Frontier. Also die machen in riesigen Schritten Fortschritte, aber gleichzeitig auch banale Dinge wieder falsch. Es gibt ganz schicke Videos, wie ein Roboter einen Parcours klettert. Man sieht aber nicht, dass er davor 20-mal furchtbar auf die Nase gefallen ist. Schauen wir mal, wie es wird. Der größte Gewinn aber bleibt: Die Maschine zwingt uns, unsere Prozesse zu klären und Aufgaben neu zu denken.
Kontakt
Ralph Buus
Digitalisierung und IT-Sicherheit

