International

Chancen in unsicheren Zeiten

Die IHK Aachen setzte 2025 klare Akzente in der internationalen Wirtschaftspolitik und eröffnete ihren Mitgliedsunternehmen konkrete Chancen durch Delegationsreisen und grenzüberschreitende Kooperationen. Vernetzung und strategische Partnerschaften schaffen auch in unsicheren Zeiten Wachstumspotenziale.

Zügige Ratifizierung des Mercosur-Abkommens gefordert

Die IHK Aachen appellierte an die Politik, das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) zügig zu ratifizieren. Nach langjährigen Verhandlungen wurde am 6. Dezember 2024 eine Einigung erzielt. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer bezeichnet das Abkommen als wichtigen Impuls für die Wirtschaft, insbesondere in Zeiten zunehmenden Protektionismus. Es schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt mit rund 700 Millionen Menschen und ist ein starkes Signal für freien Handel und offene Märkte. Zudem ermöglicht es der EU, Chinas geopolitischem Einfluss entgegenzutreten.

Das Abkommen ist von strategischer Bedeutung, da die Mercosur-Staaten wichtige Rohstoffe wie Lithium und Nickel für Europas Klimawende liefern können, während die EU Chemikalien, Automobile und Maschinen exportiert. Die Ein- und Ausfuhrabgaben zwischen den Vertragsparteien würden um rund 90 Prozent reduziert, was einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung für beide Regionen bedeutet.

Für die Region Aachen bietet das Abkommen enorme Chancen. Schon jetzt exportieren mindestens 60 Unternehmen aus Branchen wie Maschinenbau, Chemie, Elektroindustrie, Agrarsektor und Automobilzulieferer in die Mercosur-Staaten. Zukünftig werden weitere Unternehmen von reduzierten Zöllen, besseren Handelsbedingungen und leichterem Zugang zu Rohstoffen und neuen Märkten profitieren.

Höchste Zeit für Europa: Roland Koch zu Gast bei der IHK

Die europäische Wirtschaft steht unter erheblichem Druck durch globalen Wettbewerb (China, USA), Defizite bei der Digitalisierung, hohe Energiepreise, einen komplexen Regulierungsdschungel und geopolitische Unsicherheiten. Diese Faktoren beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit und verschärfen die Standortnachteile Europas. Die IHK Aachen unterstrich daher ihr Engagement für eine starke europäische Wirtschaft mit der Veranstaltung "Höchste Zeit für Europa". Präsidentin Gisela Kohl-Vogel und Prof. Dr. Roland Koch diskutierten die Herausforderungen für Europa durch globalen Wettbewerb, Digitalisierungsrückstände und hohe Energiekosten. Die IHK forderte weniger Regulierung, mehr Innovationsfreiheit und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen, um Europas wirtschaftliche Stärke zu sichern und einen Anschlussverlust zu vermeiden. Die Veranstaltung war Teil des Rahmenprogramms der Karlspreisverleihung.

Karlspreis: Europas Wettbewerbsfähigkeit im Fokus

Die IHK Aachen gratulierte der Präsidentin der Europäischen Kommission, Dr. Ursula von der Leyen, zur Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen. Gleichzeitig nutzte die IHK die Gelegenheit, um eine stärkere wirtschaftliche Orientierung der EU-Kommission einzufordern.
IHK-Präsidentin Gisela Kohl-Vogel betonte, dass der Preis nicht nur eine Würdigung der bisherigen Leistungen ist, sondern auch eine Verpflichtung. Die Erwartungen der Wirtschaft sind klar: Europa benötigt eine wirtschaftspolitische Agenda, um weiterhin Innovationen, Arbeitsplätze und Wertschöpfung generieren zu können. Die Hoffnung ist groß, dass Dr. von der Leyen künftig verstärkt die Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit Europas in den Blick nimmt.

Die IHK steht für ein Europa, das Freiheit, Sicherheit und Vielfalt garantiert, und betont, dass europäische Werte und internationaler Zusammenhalt nicht verhandelbar sind. Ziel ist ein Europa mit einer starken Wirtschaft, die ein Leben in einer freien, friedlichen und demokratischen Gesellschaft ermöglicht.

IHK ZukunftsArena: Diskussion um US-Wirtschaftspolitik

Die IHK Aachen veranstaltete die ZukunftsArena #morgenland360, um die Auswirkungen der US-Wirtschaftspolitik und der Zollpolitik auf die transatlantischen Beziehungen und die regionale Wirtschaft zu diskutieren. Die Veranstaltung am 26. Juni 2025 versammelte Experten und Unternehmer, die sich mit der Verunsicherung durch die erratische Handelspolitik der USA auseinandersetzten.
IHK-Präsidentin Gisela Kohl-Vogel betonte die Notwendigkeit offener Märkte und Planungssicherheit für Unternehmen. Sie forderte Europa auf, eine proaktive Rolle einzunehmen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationen zu stärken und eine neue, selbstbewusste Handelsstrategie zu entwickeln, um den USA auf Augenhöhe zu begegnen. Zölle wurden als ineffektives Mittel kritisiert.

Auf dem Podium wurden unterschiedliche Perspektiven beleuchtet: Während Alexander Wilden (schwartz Gruppe) vor den Folgen von Strafzöllen warnte und Diversifizierung forderte, zeigte sich Nadja Atwal (US-Medienexpertin) trotz Differenzen optimistisch für eine starke deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Alexander Peters (NEUMAN & ESSER Gruppe) sprach sich für mehr strategischen Mut Europas bei neuen Handelsabkommen aus.

US-Zollpolitik: IHK fordert europäische Handelsstrategie

Im Jahr 2025 stand die IHK Aachen vor der Herausforderung, die Auswirkungen der US-Wirtschaftspolitik, insbesondere der unberechenbaren Zollpolitik, auf die regionale Wirtschaft zu analysieren und Handlungsstrategien zu entwickeln. Die IHK ZukunftsArena #morgenland360 diente als zentrale Plattform, um die Verunsicherung unter exportorientierten Unternehmen zu beleuchten, deren Planungssicherheit durch die erratische US-Handelspolitik erheblich beeinträchtigt wird.
IHK-Präsidentin Gisela Kohl-Vogel forderte Europa auf, proaktiv die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken statt passiv zu reagieren. Notwendig seien offene Märkte, klare Regeln und Investitionen in Zukunftsfelder wie Künstliche Intelligenz und digitale Infrastrukturen. Zölle kritisierte sie als ineffektiv; stattdessen brauche es eine selbstbewusste europäische Handelsstrategie.
Experten warnten vor den negativen Folgen für die exportstarke Region und plädierten für Marktdiversifizierung und konstruktiven Dialog statt Konfrontation.
Die IHK formulierte vier Kernempfehlungen:
  • Förderung des Freihandels durch moderne, multilaterale Abkommen
  • Geeintes EU-Auftreten mit selbstbewusstem Handeln
  • Diversifikation der Märkte zur Reduktion von Abhängigkeiten
  • Stärkung der Resilienz durch stabile Lieferketten und digitale Infrastrukturen
Die IHK unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen mit umfassender Beratung bei der Bewältigung dieser Herausforderungen.

Grenzen überwinden, Netzwerke verbinden

Der Deutsch-Niederländische Businessclub bildete auch 2025 eine zentrale Plattform für die Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Unternehmen der Region. Unter dem Motto “Connection before Transaction” verfolgte der Club das Ziel, Unternehmerinnen und Unternehmer aus Deutschland und den Niederlanden zusammenzubringen und so eine Basis für nachhaltige Kooperationen zu schaffen. Er förderte den offenen Erfahrungsaustausch und eröffnete konkrete Anknüpfungspunkte für Kooperationen in der Grenzregion.

Die Aktivitäten des Clubs umfassten im Jahr 2025 inspirierende Veranstaltungen, die den Mitgliedern wertvolle Einblicke und Netzwerkchancen boten. Ein Beispiel hierfür war der Sommerempfang des MKB Limburg, der gemeinsam mit dem Deutsch-Niederländischen Businessclub ausgerichtet wurde. Ein weiteres Highlight war der Besuch des Hotel Winselerhof by Flow in Landgraaf, einem Boutique-Hotel, das Historie, Innovation und Nachhaltigkeit auf besondere Weise verbindet und den Mitgliedern einen beeindruckenden Einblick in modernes Unternehmertum gab.
Solche Veranstaltungen ermöglichten den direkten Austausch und das Knüpfen wertvoller Kontakte, die essenziell für die Überwindung regionaler Grenzen und die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen sind. Der Club leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und zur Schaffung von Synergien in der deutsch-niederländischen Grenzregion.

Wertvolle Impulse beim Außenwirtschaftstag

Die IHK Aachen setzte im Jahr 2025 ihren Fokus auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft im internationalen Kontext, insbesondere durch die Förderung der Digitalisierung im Außenhandel. Ein wichtiger Termin hierbei war der Außenwirtschaftstag der IHK NRW, der am 25. Juni 2025 im Borussia-Park in Mönchengladbach stattfand. Unter dem Leitthema "Digitalisierung als Chance im Außenhandel" wurden Herausforderungen und Potenziale der digitalen Transformation beleuchtet. Ein Schwerpunkt lag auf dem Fachpanel "Smart Supply – Lieferketten digital, effizient und nachhaltig managen", moderiert von Patricia Heiliger der IHK Aachen.
Die IHK Aachen unterstützte ihre Mitgliedsunternehmen durch Informationen und Netzwerkmöglichkeiten, um Digitalisierung als strategischen Vorteil zu nutzen. Die Veranstaltung vermittelte konkrete Handlungsempfehlungen zu geopolitischen Entwicklungen, Exportkontrolle und Supply Chain Management.

IHK erkundet Innovationspotenzial in Taiwan

Die IHK Aachen beteiligte sich an einer Delegationsreise der nordrhein-westfälischen Digital- und Medienwirtschaft nach Taiwan, um wirtschaftliche Beziehungen zu stärken und den Austausch in Zukunftsbranchen zu fördern. Die Delegation besuchte führende Unternehmen wie HTC und TAICCA, führte Gespräche mit Regierungsbehörden und nahm am "Business & Technology Forum" in Taipeh teil. Im Fokus standen Technologien wie Künstliche Intelligenz, Extended Reality und digitale Inhalte.

Taiwan erwies als ein dynamischer und innovationsorientierter Markt, insbesondere in der Medien- und Filmproduktion mit KI. Es zeigte sich ein Interesse taiwanesischer Unternehmen an NRW, wobei die Kombination aus taiwanesischer Technologie-Agilität und deutscher digitaler Sicherheit als potenzielle Synergie identifiziert wurde.

Fazit: Persönlicher Austausch ist essentiell für den Aufbau von Partnerschaften. Taiwan bietet deutschen Unternehmen erhebliches Potenzial für zukünftige Zusammenarbeit in digitalen Innovationen.

Smart Cities: IHK erkundet niederländische Lösungen

Die IHK Aachen organisierte in Kooperation mit NRW.Global Business und der Deutsch-Niederländischen Handelskammer eine zweitägige Unternehmerreise zu Smart-City-Konzepten in die Niederlande. Ziel war es, nordrhein-westfälischen Anbietern von Smart-City-Lösungen sowie Vertretern von Städten, Gemeinden und Smart-City-Initiativen innovative Lösungen zu zeigen und Kooperationschancen zu identifizieren. Die Delegation besuchte Utrecht und Rotterdam:

Utrecht präsentierte fortschrittliche Mobilitätskonzepte – eine autofreie Innenstadt, ausgebaute Fahrradinfrastruktur und digitale Lösungen für intelligente Stadtplanung wie 3D-Simulationen von Fußgängerströmen. Rotterdam zeigte, wie Industriestandort und lebenswerte, klimaresiliente Stadtentwicklung vereinbar sind. Schwerpunkte waren Datenerfassung für Entscheidungsfindungen, ein Digitaler Zwilling für Geodaten sowie Projekte zu intelligenter Klimaadaption und Wassermanagement.

Die Reise schärfte das Bewusstsein für innovative urbane Lösungen und identifizierte konkrete Kooperationsmöglichkeiten für regionale Unternehmen und Kommunen – ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Region Aachen im Bereich Smart Cities.

Medizintechnik: Austausch mit der Wallonie

Die IHK Aachen förderte 2025 die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Medizintechnik durch Veranstaltungen zur Markterschließung innovativer Medizinprodukte. Ein zentrales Ereignis war der Besuch einer wallonischen Unternehmerdelegation der Wirtschaftsförderungsagentur der Wallonie (AWEX) am 12. November in der IHK Aachen. Im Fokus dieses Austauschs stand der Marktzugang für innovative Medizinprodukte in Deutschland. Vier hochkarätige Expertinnen und Experten boten den Teilnehmenden spannende Einblicke in den deutschen Gesundheitsmarkt und beleuchteten relevante Aspekte aus unterschiedlichen Perspektiven: innovative Reinraumtechnologien (evos GmbH & sphairlab GmbH), das deutsche Gesundheitssystem und Versicherungsaspekte (BARMER Krankenkasse), Digitalisierung im Gesundheitswesen (helpwave) sowie Forschung zu Medizintechniktextilien (RWTH Aachen University). Die Teilnehmenden schätzten die Kombination aus theoretischem Wissen und Praxiserfahrung. Der Nachmittag bot B2B-Meetings und ein Networking-Dinner, um Kooperationen mit regionalen Unternehmen zu initiieren.

Wiederaufbau Ukraine: Chancen für deutsche Unternehmen

Die IHK Aachen organisierte gemeinsam mit der Stadt Aachen und der Städteregion eine Informationsveranstaltung zum Wiederaufbau der Ukraine mit über 60 Teilnehmern. Kernbotschaft: Trotz des Krieges bieten sich erhebliche Geschäftschancen, insbesondere in Infrastruktur, Energie und Verteidigungstechnologie.
Reiner Perau, Geschäftsführer der AHK Kyjiw, bestätigte, dass deutsche Unternehmen bereits vor Ort aktiv sind. Die AHK unterstützt über 200 Mitgliedsunternehmen mit Beratung, Rechts- und Steuerfragen sowie dem Programm "Rebuild Ukraine" für Finanzierungen und Absicherungen.
Landrat Pavlo Hrabskyi aus Lwiw warb für Investitionen und hob hervor, dass diese durch Bundesgarantien und EU-Programme abgesichert sind. Deutsche Unternehmen profitieren von der Nähe zur EU und qualifizierten Fachkräften vor Ort.
Die Veranstaltung nutzte bestehende Partnerschaften: Aachen mit Chernihiv, die Städteregion mit dem Kreis Lwiw. Honorarkonsulin Linda Mai forderte Unternehmen auf, konkrete Unterstützung zu leisten und vorhandene Netzwerke für Projektumsetzungen zu nutzen.