Energie, Strukturwandel, Innovation

Mitgestalten statt abwarten

Die IHK forderte 2025 einen Kurswechsel in der Energiepolitik, trieb den Wasserstoffhochlauf und den Halbleiter-Cluster voran und unterstützte Unternehmen bei der Transformation zu klimaneutralen Gewerbegebieten. Strukturwandel gelingt nur mit pragmatischen Lösungen, schnelleren Genehmigungen und verlässlichen Rahmenbedingungen.

Kurswechsel in der Energiepolitik gefordert

Die Energiewende stellte die Unternehmen in unserer Region 2025 vor große Herausforderungen. Die IHK Aachen setzte sich für einen Kurswechsel in der Energiepolitik ein. IHK-Hauptgeschäftsführer Michael F. Bayer forderte eindringlich ein Regelwerk für einen Kapazitätsmarkt und eine schnelle Senkung der Netzentgelte.

Die Energiewende ist eines der größten Transformationsprojekte Deutschlands. Trotz beachtlicher Erfolge, wie einem Anteil von über 50 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung, sind die volkswirtschaftlichen Kosten erheblich gestiegen. Das Energiewendebarometer 2025 zeigt: Nur jedes fünfte Unternehmen in NRW profitiert, fast 60 Prozent der Industriebetriebe verzeichnen Verschlechterungen. Die DIHK-Studie "Plan B" belegt, dass ein Kurswechsel notwendig ist – ein "Weiter so" kostet bis 2049 bis zu 5,4 Billionen Euro. Die IHK fordert daher einen technologieoffenen Kurs mit Kapazitätsmarkt, niedrigeren Netzentgelten und schnelleren Genehmigungen.

Zwei ergänzende Studien der DIHK, die im Herbst erschienen sind, vertieften die Analyse: Sie beleuchteten, wie einzelne Branchen konkret von der aktuellen Energiepolitik betroffen sind und welche Vorteile ein neuer Ansatz bringen könnte. Außerdem wurde untersucht, welche institutionellen Anpassungen notwendig sind, um die Energiewende erfolgreicher und zukunftsfähiger zu gestalten.

Wasserstoffhochlauf: Revier-IHKs fordern mehr Tempo

Die IHKs Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein riefen die Bundesregierung zu entschlossenen Maßnahmen auf, um den Wasserstoffhochlauf im Rheinischen Revier deutlich zu beschleunigen. In einem gemeinsam erarbeiteten Forderungskatalog betonten die IHKs, dass Wasserstoff langfristig eine unverzichtbare Alternative zu fossilen Brennstoffen werden muss, um die Energieversorgung zukunftssicher zu machen und Klimaschutzziele zu erreichen.

Die IHKs forderten pragmatische Regelungen für Erzeuger, gezielte Erleichterungen für "First Mover" und eine flexible, zukunftsfähige Regulierung für Wasserstoffverteilnetze. Angesichts des geplanten Anschlusses des Rheinischen Reviers an das nationale Wasserstoff-Kernnetz ab 2028 sahen sie eine große Chance für die Region, eine führende Rolle in der Wasserstoffwirtschaft einzunehmen, insbesondere für die energieintensive Industrie.

Konkrete Forderungen umfassten zudem eine dauerhafte Netzentgeltbefreiung für Elektrolyseure über 2029 hinaus, die zügige Einführung unbürokratischer Zertifizierungssysteme und die umfassende Anerkennung von CO2-armem Wasserstoff zur industriellen Dekarbonisierung. Zudem wurde die Harmonisierung technischer Standards auf nationaler und EU-Ebene als essenziell angesehen. Die IHKs warnten davor, dass ein Zögern die industrielle Wettbewerbsfähigkeit von morgen gefährdet.

IHK Aachen verleiht 2. Nachhaltigkeitspreis

Die IHK Aachen hat einen Nachhaltigkeitspreis ins Leben gerufen, um Unternehmen in der Region für ihr Engagement und ihre innovativen Beiträge zur Nachhaltigkeit zu würdigen. Dieser Preis, der 2025 zum nunmehr zweiten Mal verliehen wurde, unterstreicht die zentrale Rolle der IHK Aachen bei der Förderung einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Unternehmen aller Branchen und Größen aus der Region waren eingeladen, sich mit konkreten Projekten und Produkten zu bewerben, die den Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsform vorantreiben.

Dabei ging es um Themen wie Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, soziales Engagement und die Entwicklung einer vorbildlichen Nachhaltigkeitskultur. Die eingereichten Projekte durchliefen ein zweistufiges Jury-Verfahren, bei dem ein Gremium aus Wissenschaft und Wirtschaft die Bewertung vornahm. Ziel war es, gute Beispiele hervorzuheben und die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaftsform zu stärken.

Beim zweiten Nachhaltigkeitspreis 2025 wurden unter anderem die GKD - Gebr. Kufferath AG für ein Filtersystem gegen Mikroplastik, die Hermetia Tech GmbH für die Verwertung von Lebensmittelabfällen und die Schwermetall Halbzeugwerk GmbH & Co. KG für ihren "Aktionsplan Nachhaltigkeit" prämiert. Den Publikumspreis erhielt Picard's.

Einblicke in die euregionale Wirtschaft

Auch 2025 setzte die IHK Aachen das erfolgreiche Besuchsprogramm "Hallo Nachbar!" fort, das bereits in sein zwölftes Jahr geht. Es ermöglichte kostenfrei Einblicke in Unternehmen der Region Aachen und darüber hinaus, wie beispielsweise im niederländischen Nuth. Das Programm, das gemeinsam mit Unternehmern im Aachener Industrie-Dialog entwickelt und von der IHK Aachen und der AGIT mbH mit Unterstützung der regionalen Wirtschaftsförderungen organisiert wurde, förderte den branchenübergreifenden Erfahrungsaustausch und die Vernetzung. Teilnehmende Betriebe stellten sich mit Vorträgen und Produktionsbesichtigungen vor und gewährten den Gästen einen Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit, um das Kennenlernen und den Aufbau regionaler Lieferketten zu unterstützen.

Im Jahr 2025 konnten Interessierte unter anderem die Otto Junker GmbH in Simmerath, die Bösl Medizintechnik GmbH in Aachen, die LAUDON GmbH & Co. KG in Weilerswist, die SCHAAF GmbH & Co. KG in Erkelenz und die Stelrad BV in Nuth (Niederlande) besuchen.

Wasserstoff-Netzwerk trifft sich zum Sommerfest

Der Hydrogen Hub Aachen lud zum Sommerfest ins KREATIVWERK ELIM nach Düren – ein ehemaliges Industriegebäude, das symbolisch für Transformation steht, wie auch Wasserstofftechnologie. Das Netzwerk, das seit 2021 über die Stadtgrenzen hinaus Unternehmen, Forschung und Kommunen in der Region verbindet, diskutierte konkrete nächste Schritte für die Wasserstoffregion Aachen.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Upcycling, einer Form der Wiederverwertung von Materialien, die nicht nur ressourcenschonend ist, sondern auch den Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen reduziert. Nach einem Grußwort von Michael F. Bayer präsentierte Tim Husmann die erfolgreiche H2-Region Emsland als Beispiel für den Aufbau regionaler Wasserstoffökosysteme. Anschließend diskutierten Anna Mechler, Anne Schüssler und Marian Jansen auf dem Podium über die Chancen, Herausforderungen und konkreten nächsten Schritte für die Wasserstoffregion Aachen.

Auf dem Weg zum Halbleiter-Ökosystem

Die IHK Aachen legte 2025 den Grundstein für einen grenzüberschreitenden Halbleiter-Cluster in der Euregio Maas-Rhein. Ziele: bestehende Initiativen bündeln, strategische Netzwerke ausbauen, Ansiedlungen beschleunigen und die Wertschöpfungskette vervollständigen. Durch Round-Tables, Workshops, die Präsentation auf der EXPO REAL und den Parlamentarischen Dialog in Berlin machte die IHK die Region als Halbleiterstandort sichtbar und baute ein tragfähiges Netzwerk auf.

Die Euregio Maas-Rhein und das Rheinische Revier verfügen bereits über dynamische und herausragende Einzelakteure entlang der Halbleiter-Wertschöpfungskette – von exzellenter Forschung über IC-Design und innovativen Start-Ups bis hin zu spezialisierten Anwendungen in KI und neuromorphem Computing. Was noch fehlte, war die Verbindung dieser Stärken zu einem geschlossenen Ökosystem, das die Halbleiterherstellung, vom Design über Produktion, Packaging und Testing bis hin zur Ausbildung systematisch verankert.

Genau hier setzen die Halbleiter-Aktivitäten der IHK Aachen an: Gemeinsam mit starken Partnern aus der Region, ausgehend von der Euregio Maas-Rhein, wurde der Grundstein für den Aufbau eines grenzüberschreitenden Halbleiter-Clusters gelegt, das als europäischer Referenzstandort Maßstäbe setzt.

Klimaneutrale Gewerbegebiete: Leitfaden für die Region

Die IHK Aachen hat gemeinsam mit der Regionetz GmbH, der Leitungspartner GmbH und der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen einen praxisorientierten Leitfaden zur Umstellung auf klimaneutrale Gewerbegebiete entwickelt. Dieser hatte zum Ziel, Kommunen und Unternehmen ein konkretes Werkzeug an die Hand zu geben, um die Energieversorgung zu dekarbonisieren. Raphael Jonas von der IHK Aachen betonte: "Wir wollten kein theoretisches Papier, sondern ein pragmatisches und praxisnahes Werkzeug entwickeln."

Die Entwicklung des Leitfadens basierte auf umfassenden Workshops in der ersten Jahreshälfte mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Netzbetrieb und Verwaltung. Diese Workshops stellten sicher, dass der Leitfaden praxisnah ist und klare Schritte vom Status-Quo-Check bis zur Umsetzung, Praxistipps, Checklisten und Vorlagen für effiziente Prozesse bietet. Eine frühzeitige Abstimmung der Bedarfe und eine gute Koordination sind entscheidend für zukunftsfähige Netze und eine zuverlässige Energieversorgung.

Die IHK Aachen agierte dabei als zentraler Ansprechpartner und Schnittstelle, um Transparenz zu schaffen, Doppelstrukturen zu vermeiden und Ressourcen effizient einzusetzen. Eine ergänzende Checkliste zum Leitfaden kann kostenfrei bei der IHK Aachen angefordert werden. Die IHK setzt sich aktiv dafür ein, die Energiewende gemeinsam mit allen Akteuren zu gestalten, um Versorgungssicherheit und Zukunftsfähigkeit für die Unternehmen der Region zu gewährleisten.

Energieintensive Industrie sichert Wohlstand und Klimaschutz

Zahlreiche energieintensive Unternehmen - von Glas und Papier über Aluminium und Stahl bis zur Chemie - haben sich im Rheinland angesiedelt. Doch in Multi-Krisen-Zeiten geraten sie unter Druck. Die IHK-Initiative Rheinland ließ daher eine Studie zur Bedeutung dieser Branchen erstellen – mit Fokus auf Beschäftigung, Wertschöpfung, Energieverbrauch und Emissionsintensität.

Laut Studienergebnissen schafft die energieintensive Industrie über 215.000 Arbeitsplätze im Rheinland. 41 Prozent aller Arbeitsplätze des verarbeitenden Gewerbes im Rheinland sind in der energieintensiven Industrie angesiedelt, während es in NRW nur insgesamt 36 Prozent und in Deutschland 28 Prozent sind. Das Rheinland hat damit eine überdurchschnittliche Spezialisierung. Deutschlandweit sind sogar mehr als 800.000 Beschäftigte direkt, indirekt und induziert abhängig von der energieintensiven Industrie im Rheinland.

Raphael Jonas, Bereichsleiter Energie, Innovation, Standort und International bei der IHK Aachen, betonte, dass die energieintensive Industrie nicht nur ein Pfeiler des Wohlstands ist, sondern ihre Produktion in Deutschland im internationalen Vergleich auch deutlich klimafreundlicher ist. Die deutsche Wirtschaft stößt bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt 40 Prozent weniger CO2-Emissionen aus als die USA und 70 Prozent weniger als China. Daher ist es für den globalen Klimaschutz entscheidend, diese Industrie in Deutschland zu halten.

Neue Impulse für mehr Tempo im Rheinischen Revier

Die IHK Aachen hat gemeinsam mit der IHK Köln und der IHK Mittlerer Niederrhein den ersten "Beschleuniger-Tag" in Erkelenz veranstaltet, um innovative Ansätze zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren im Rheinischen Revier zu diskutieren. Im Fokus standen verbindliche Qualitätsvorgaben, serielles Bauen sowie Effizienzgewinne durch Digitalisierung, insbesondere mithilfe Künstlicher Intelligenz.

Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, betonte, dass die Unternehmen schnelle und schlanke Prozesse benötigen, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Es sei entscheidend, die Mitarbeitenden in den Verwaltungen zu befähigen, mutige Entscheidungen zu treffen. Während des Beschleuniger-Tags unterzeichneten die neu gewählten Bürgermeister von Eschweiler, Waldfeucht und Jüchen den "Pakt für Planungsbeschleunigung". Diese Initiative der IHKs Aachen, Köln und Mittlerer Niederrhein vereint Städte, Gemeinden, Kreise sowie die Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf, um die Transformation im Rheinischen Revier voranzutreiben und die Wirtschaft von Bürokratie zu entlasten.

IHK-Wahlarenen in Aachen und Euskirchen

Die IHK Aachen veranstaltete im Vorfeld der Kommunalwahlen zwei Wahlarenen, um die wirtschaftspolitischen Agenden der Kandidaten zu beleuchten und die Anliegen der regionalen Unternehmen direkt an die Politik zu adressieren.

Vor der Landratswahl im Kreis Euskirchen brachte die IHK Amtsinhaber Markus Ramers und Herausforderin Sabine Preiser-Marian mit rund 160 Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen. Die Kandidaten präsentierten ihre Pläne für den Kreis. Markus Ramers, der sich um eine zweite Amtszeit bewarb, stellte die Fortführung der "Ideenfabrik Nachhaltige Wirtschaft", den Ausbau des Campus für Berufliche Bildung in Euskirchen und Investitionen in die Infrastruktur in den Vordergrund. Herausforderin Sabine Preiser-Marian fokussierte sich auf die Förderung der Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Betrieben, den Abbau bürokratischer Hürden durch Verfahrensbeschleunigung und die Etablierung der Wirtschaftsförderung als "Chefinnen-Sache".

Kurz vor der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Aachen organisierte die IHK eine weitere Wahlarena in Aachen, bei der sich die amtierende Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen und ihr Herausforderer Michael Ziemons den Fragen von ebenfalls rund 160 Gästen stellten. IHK-Präsidentin Gisela Kohl-Vogel hob die Bedeutung der Veranstaltung hervor, um die Erwartungen der Wirtschaft direkt an die Kandidaten zu kommunizieren.

Sibylle Keupen setzte sich für einen nachhaltigen und funktionsfähigen Wirtschaftsstandort mit gesicherten Arbeitsplätzen ein, unter anderem durch die Entwicklung von Rothe Erde und die Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Hochschulen am Bushof. Michael Ziemons plädierte für eine moderne, digitale und zukunftsfeste Verwaltung, die sich als "Ermöglichungsbehörde" versteht, und eine Wirtschaftsförderung, die Unternehmen gezielt begleitet.