Verkehr und Infrastruktur
IHKs fordern Infrastruktur-Turbo für Rheinbrücken
Rheinbrücken schneller sanieren
Die Industrie- und Handelskammer Nordrhein-Westfalen (IHK NRW) - zu der auch die IHK Aachen gehört - verschärft nach der neuen Lage an der Bonner Nordbrücke ihre Forderung nach schnelleren Planungs- und Genehmigungsverfahren. Anlass ist die Mitteilung des Bundesverkehrsministers, dass die Bonner Nordbrücke der A 565 bis mindestens 2028 gesperrt bleibt und nicht repariert werden kann. Nach Einschätzung der IHK NRW ist das ein schwerer Rückschlag für Unternehmen und Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen.
Luftaufnahme der maroden Friedrich-Ebert-Brücke (Nordbrücke) in Bonn, die bis mindestens 2028 gesperrt bleibt und nicht repariert werden kann.
"Für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen ist das eine Katastrophe. Wir erleben in Bonn ein zweites Rahmedetal. Das hätte nicht passieren dürfen", sagt Ocke Hamann, fachpolitischer Sprecher für Verkehr und Mobilität der IHK NRW. Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen fordert deshalb einen Infrastruktur-Turbo für Rheinbrücken. Aus Sicht der IHK NRW müssen Bund und Land die Verfahren maximal beschleunigen und alle Rheinbrücken als Vorhaben von überragendem öffentlichem Interesse einstufen.
Bonner Nordbrücke verschärft die Lage im Rheinland
Die Industrie- und Handelskammer Aachen (IHK Aachen) hatte bereits am 5. Juni 2026 die schnelle Sanierung und einen extrem beschleunigten Neubau von Rheinbrücken gefordert. Um das zu erreichen, sind aus Sicht der IHK Aachen ein überregionales Sanierungs- und Verkehrsmanagement, eine standardisierte Planung und der Einsatz modularer Brückenbausysteme zwingend erforderlich. Anlass war die damalige Vollsperrung der Rheinbrücke Bonn-Nord seit Mittwoch, 3. Juni.
"Die Sperrung der Rheinbrücke Bonn-Nord ist eine weitere Eskalationsstufe im Infrastrukturkollaps des Rheinlands. Davon ist auch die Region Aachen massiv betroffen", sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. "Wir erleben immer häufiger, wie jahrelanger Investitionsstau auf breiter Linie sichtbar wird. Die Politik muss jetzt liefern, mit einem Fast-Track-Verfahren und dem klaren Willen, Infrastruktur als Grundlage unseres Wohlstands zu priorisieren."
Ingo Malsbenden, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Aachen, warnt: "Die erneute kurzfristige Sperrung einer zentralen Rheinbrücke ist ein alarmierendes Signal. Jeder weitere Brückenausfall kostet Wachstum, Wohlstand und Vertrauen in den Wirtschaftsstandort Deutschland."
Region Aachen ist direkt betroffen
Die jüngste Vollsperrung ist nicht nur ein lokales Problem. Der Ausweichverkehr belastet weitere Brücken, die selbst in einem kritischen Zustand sind. Die Kölner Südbrücke, Baujahr 1939, und die 1972 errichtete Bonner Südbrücke sind bereits mit dem Traglastindex V klassifiziert. Das ist die schlechteste Bewertungsstufe mit akutem Handlungsbedarf. Jede zusätzliche Belastung beschleunigt den Verschleiß und erhöht das Risiko ungeplanter Ausfälle. Das kann einen Dominoeffekt im gesamten Rheinland auslösen.
Die Rheinbrücken sind zugleich Hauptschlagadern für die Transitkorridore aus den belgischen und niederländischen Nordseehäfen. Als westlichstes Tor des Rheinlands ist die Region Aachen unmittelbar Teil dieses Systems. Jede gesperrte Rheinbrücke trifft deshalb auch Unternehmen, Pendler und die gesamte Logistik in Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg.
Straßen und Schienen stoßen an Grenzen
Eine kurzfristige Verlagerung der Transportgüter auf die Schiene ist unrealistisch. Die Schieneninfrastruktur im Rheinland ist bereits überlastet. Gleichzeitig wurde das dringend benötigte dritte Gleis am Burtscheider Viadukt in Aachen, einem Nadelöhr der Schienengüterkorridore aus den Benelux-Häfen, durch ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster vorläufig gestoppt.
"Wir befinden uns in einem Dilemma", bilanziert Bayer. "Straßen und Schienen in Nordrhein-Westfalen geraten gleichzeitig an ihre Grenzen und Deutschland schafft es nicht, die hohen bürokratischen Auflagen für Sanierungs- und Ersatzinvestitionen drastisch zu reduzieren. Deshalb sollten wir uns auf die bautechnisch notwendigen Planungen fokussieren."
IHKs fordern mehr Tempo
Nach Angaben der IHK NRW sind von insgesamt 23 Rheinbrücken in Nordrhein-Westfalen nur noch 16 uneingeschränkt nutzbar. Viele Fahrverbote für Lastkraftwagen kommen für die Wirtschaft faktisch einer Vollsperrung gleich. Zugleich gibt es auf vielen Abschnitten keine tragfähigen Alternativen, weil zwischen den Rheinquerungen oft viele Kilometer Umweg liegen.
Die IHK NRW fordert deshalb, das Infrastruktur-Zukunftsgesetz des Bundes noch vor der politischen Sommerpause zu verabschieden und die Planungs- und Genehmigungsverfahren für Rheinbrücken sofort zu beschleunigen. Aus Sicht der Wirtschaft ist die Bonner Nordbrücke nur die Spitze des Eisbergs. In Nordrhein-Westfalen müssen in den kommenden Jahren mehr als 2.500 Brücken ersetzt werden.
Veröffentlicht am 5. Juni 2026