Hohe Spritpreise: IHK Aachen fordert neues Denken und Handeln
Angesichts stetig steigender Spritpreise und gestörter Lieferketten auf dem internationalen Rohölmarkt fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, sich konsequent an die neuen Rahmenbedingungen anzupassen und Deutschland fit für die Zukunft zu machen.
“Für dauerhaft niedrige Energiepreise braucht unsere Wirtschaft einen Paradigmenwechsel”, bringt es Michael Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen, auf den Punkt.
Unterstützung erhält er vom Verkehrsausschuss der IHK Aachen, in dem Expertinnen und Experten für Mobilität und Logistik ehrenamtlich zusammenarbeiten: “Die aktuellen Probleme sind strukturell, kurzfristige Maßnahmen reichen nicht aus”, sagt Ingo Malsbenden, Vorsitzender des Verkehrsausschusses der IHK Aachen.
Logistik- und Transportunternehmen leiden besonders unter den akuten Kraftstoffproblemen. Deshalb haben die Expertinnen und Experten des IHK-Verkehrsausschusses nicht nur mittel- und langfristige Lösungen erarbeitet, um Betroffene zu entlasten, sondern fordern auch kurzfristige Akutmaßnahmen. Das Ziel sollte eine Transformation des Energiesektors mit klarer Ausrichtung auf Elektrifizierung und anderer alternativer Technologien inklusive der dafür notwendigen Infrastruktur sein.
“Eine strategische Neuausrichtung ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts und unserer Wirtschaft”, sind Bayer und Malsbenden überzeugt.
IHK-Verkehrsausschuss schlägt konkrete Akutmaßnahmen vor
Die Energie- und Versorgungssicherheit in Europa ist seit Monaten fragil, nicht zuletzt durch den anhaltenden Konflikt in der Straße von Hormus und neue Blockaden im Roten Meer. Die Expertinnen und Experten des IHK-Verkehrsausschusses haben deshalb in ihrer jüngsten Sitzung zentrale Forderungen an die Politik formuliert: Kurzfristig sollten Bund und Länder transparent über die jeweils aktuelle Versorgungslage informieren. Deutschland sollte eine Mineralölsteuer-Rückerstattung für gewerbliche Nutzer nach dem Vorbild anderer EU-Staaten einführen und betroffenen Unternehmen schnelle Liquiditätshilfen gewähren.
Weitere Akutmaßnahmen: Das Bundeskartellamt muss bei auffälligen Preisentwicklungen an den Tankstellen aktiv werden,damit Entlastungsmaßnahmen nicht ausgenutzt werden. Außerdem braucht es bundesweit einheitliche Priorisierungsregeln, sollten Rohstoffe knapp werden. Vorrang sollten lebensnotwendige Versorgungsbereiche, kritische Logistik und systemrelevante Infrastruktur haben. Außerdem müssen alternative Antriebe und Kraftstoffe nutzbar sein, etwa Wasserstoff oder HVO – ein erneuerbarer Dieselkraftstoff auf Basis von hydriertem Pflanzenöl.
Kurzfristig bedeutet nicht kurzsichtig. Auf diese Unterscheidung legen die Expertinnen und Experten des Verkehrsausschusses wert. Denn:
"Bereits der erste Tankrabatt der Bundesregierung hat die strukturellen Probleme in Deutschland nicht gelöst – eine Entlastung nach dem Gießkannenprinzip ist weder zielgenau noch geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit unserer gewerblichen Transportwirtschaft dauerhaft zu sichern“, kritisiert Malsbenden.
Zielführender ist für die IHK Aachen unter anderem der beschleunigte Ausbau der Elektromobilität und die Förderung alternativer Antriebe. Damit einher gehen eine bedarfsgerechte Ladeinfrastruktur für Pkw und schwere Nutzfahrzeuge, ausreichende Netzkapazitäten, schnellere Genehmigungsverfahren sowie leistungsfähige Ladepunkte an Logistikstandorten, Gewerbegebieten und überregionalen Verkehrsachsen.
"Resilienz darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn die nächste Krise bereits eingetreten ist. Unternehmen, Politik und Verwaltung müssen jetzt gemeinsam Vorsorge treffen", empfiehlt Bayer.
Und Malsbenden betont: "Durch Effizienzsteigerungen, Telematik, optimiertes Routing, die Reduzierung von Leerfahrten und die Verlagerung von Transporten auf Schiene und Binnenschiffe leistet die Logistikbranche bereits heute ihren Beitrag zur Krisenbewältigung.“