IHK-Standortmonitor Schleiden
Gute Basis mit Handlungsbedarf
Schleiden punktet mit attraktiven Standortfaktoren und wirtschaftlicher Resilienz – doch eine hohe Gewerbesteuer und begrenzte Flächenangebote bremsen das Potenzial aus. Das sind die zentralen Erkenntnisse des IHK-Standortmonitors, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen in der Jugendherberge Gemünd Vogelsang vorgestellt hat. An der Befragung beteiligten sich rund 70 Betriebe, die den Wirtschaftsstandort in 31 Kategorien bewertet haben. Das Ergebnis: Note 3,2. Ein differenziertes Bild, das deutlich macht: Vieles funktioniert bereits gut, doch der Weg zu einem wirtschaftsfreundlichen Standort erfordert weitere Anstrengungen.
Raphael Jonas, Bereichsleiter IHK Aachen, Bianka Renn, Geschäftsführerin der GfW Schleiden, Ingo Pfennings, Bürgermeister der Stadt Schleiden, und Philipp Piecha, Teamleiter IHK Aachen.
Positiv hervorgehoben in der Analyse wird die überdurchschnittlich gute Glasfaserabdeckung, das attraktive Tourismusangebot als "Hauptstadt des Nationalparks Eifel" und die Verwaltung, die nicht erst nach der Flutkatastrophe Handlungsstärke und Serviceorientierung bewiesen hat.
Resilienz und Wandlungsfähigkeit gehören zur DNA von Schleiden.
"Von der Eisen- und Papierindustrie über die Metallverarbeitung bis zum nachhaltigen Tourismus: Resilienz und Wandlungsfähigkeit gehören zur DNA von Schleiden", betont Raphael Jonas, Bereichsleiter der IHK Aachen. "Das sind starke Standortfaktoren, auf denen sich aufbauen lässt." Die Chance besteht nun darin, diesen Pfad konsequent mit einer klar wirtschaftsfreundlichen Ausrichtung der Kommunalpolitik zu verbinden.
Denn die Rückmeldungen der Unternehmen machen ebenso deutlich, wo dringender Handlungsbedarf besteht: Ein hoher Gewerbesteuersatz sowie steigende Miet-, Pacht- und Grundstückskosten belasten die Unternehmen. Hinzu kommen begrenzte Flächenangebote sowie Engpässe bei Fachkräften, die Investitionen, Ansiedlungen und Erweiterungen erschweren. Besonders deutlich wird die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit in den Zentren von Schleiden und Gemünd. Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind nicht alle Schäden behoben, Leerstände prägen stellenweise das Stadtbild und der Branchenmix hat Nachholbedarf.
Aus Sicht von Jonas könnte Schleiden seine Position im Wettbewerb der Kommunen deutlich stärken, wenn Steuerpolitik, Flächenmanagement und Genehmigungsverfahren noch klarer an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet würden. Weitere Forderungen aus der Wirtschaft sind mehr Tempo beim Wiederaufbau, eine stärkere Förderung des lokalen B2B-Geschäfts und eine zielgerichtetere Vermarktung des Standorts.
Die Bereiche, die wir aus eigener Kraft gestalten können, funktionieren.
Bürgermeister Ingo Pfennings sieht die Arbeit der Verwaltung und Wirtschaftsförderung der Stadt Schleiden durch die Ergebnisse des IHK-Standortmonitors bestätigt: "Die Bereiche, die wir aus eigener Kraft gestalten können, funktionieren." In den anderen Bereichen – vor allem bei der Verfügbarkeit von Flächen sowie Planungs- und Genehmigungsverfahren – müsse sich dringend etwas ändern, damit die Entwicklungsmöglichkeiten der Betriebe in Schleiden nicht eingeschränkt werden. "Hier gilt es, sich immer wieder gegenüber den übergeordneten Behörden sowie Gesetzgebern laut zu machen und die reale Situation fernab der Aktenlage zu beschreiben", sagt Pfennings. "Prozesse, die wir selbst beeinflussen können, werden wir optimieren und vorantreiben."
In puncto Gewerbesteuer betont der Bürgermeister, dass diese durch die jüngste Steigerung in Schleiden aktuell nur minimal höher sei als der Durchschnitt im Kreis Euskirchen und es davor viele Jahre lang keine Erhöhung gegeben habe. "Gleichwohl sind besonders in ländlichen Räumen die Hebesätze sowohl für Privatpersonen als auch für Gewerbetreibende viel zu hoch. Hier braucht es die große Politik, um Änderungen herbeizuführen", fordert Pfennings und unterstreicht: “Es ist genug Geld im System – es kommt nur nicht bei den Kommunen an.”
IHK-Presseinformation vom 26. März 2026