Internationalisierung durch Digitalisierung

Euregio-Projekt: Internationalisierung durch Digitalisierung

Für Unternehmen lohnt es sich, digital gut aufgestellt und international aktiv zu sein. Deshalb möchte die IHK Aachen im Rahmen eines neuen INTERREG-Projekts, gemeinsam mit Partnern aus der Euregio, Unternehmen zu digitaler Kompetenz und internationaler Stärke verhelfen. 
Ziel der Initiative ist es, Unternehmen in den Bereichen “Digitales Marketing” und ”Internationalisierung” zu unterstützen. Dabei ist die Förderung beider Bereiche nicht beliebig: Denn durch die Digitalisierung – speziell: digitales Marketing – ergeben sich Chancen auch in den bisher vielleicht unerreichbaren internationalen Märkten. Auf diese Weise sollen die Unternehmen aus der Euregio gestärkt und international wettbewerbsfähig gemacht werden.
Ins Leben gerufen wurde die Initiative von den Partnern in der Euregio Maas-Rhein, Hogeschool Zuyd, Agence du Numérique, Basse-Meuse Développement, Voka Kamer van Koophandel Limburg, IHK Eupen und IHK Aachen. Gefördert wird sie von der Europäischen Union. Projekte | Interreg Euregio Maas-Rhein (interregemr.eu) Die Teilnahme während des gesamten Projektes ist für die Unternehmen kostenfrei.

1. Fragebogen zur Bedarfsanalyse

Um den Status quo sowie den Bedarf zu ermitteln, haben die Projektpartner einen Fragebogen erarbeitet, der ab sofort von den Unternehmen ausgefüllt werden kann. Dieser gibt den Teilnehmern einen Anhaltspunkt, wie stark sie in den Bereichen “Digitales Marketing” und “International” aufgestellt sind.
Die Bedarfsanalyse ist unverbindlich und dauert nur wenige Minuten. Am Ende erhält jeder Teilnehmer einen “Maturity Scan“, erstellt anhand seiner individuellen Daten.

2. Interview und Workshops

Anschließend planen die Projektpartner, die Themen und Anliegen aus der Bedarfsanalyse in Form von Interviews zusammen mit allen interessierten Unternehmen zu vertiefen. Die so gewonnenen Ergebnisse fließen aktiv in die Gestaltung der grenzüberschreitenden Workshops ein.

3. Gezieltes Coaching

Die Unternehmen werden von Experten individuell gecoacht, um einen konkreten Aktionsplan zu definieren. Sie treten einem Netzwerk euregionaler Unternehmer bei und haben Zugang zu Lernwerkzeugen.

4. Workshop-Programm 2022/23

Workshop-Reihe “E-Commerce”
Datum
Status
Termin wird noch bekannt
gegeben

Online
Digital Skills
Which digital skills do you need to proceed in E-Commerce?   
Sprache: Englisch
Workshop-Reihe “International“ – Zoll, Umsatzsteuer und Exportkontrolle für grenzüberschreitende Aktivitäten
Datum
Status
26. Januar 2023
9:30 – 11:30 Uhr
Online
Präferenzrecht in der EU – Informationen und hilfreiche Tools/
Datenbanken ( zum Beispiel: Access2Markets)

Sprache: Englisch/Deutsch
9. Dezember 2022
9:30 – 11:30 Uhr
Online 
US-(Re-)Exportkontrolle – US-Exportkontrollvorschriften 
und EU-Recht
Sprache: Englisch
30. November 2022
9:30 -11:30 Uhr
Online
Exportkontrolle in der EU – mit Blick auf die aktuelle Situation
Russland / Weißrussland / Ukraine
Umgang mit Sanktionslisten
Sprache: Englisch
21. September 2022
9:30 – 12:30 Uhr
Online
Zollbasics Import/Export
Sprache: Deutsch
31. August 2022
13:00 – 16:00 Uhr
Online
Umsatzsteuer im grenzüberschreitenden Warenverkehr
Die Teilnahme ist kostenfrei!
Teilnahmebedingung: Fragebogen zur Bedarfsanalyse               
Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt, daher jetzt anmelden und die Teilnahme sichern.
Anmeldung einfach per E-Mail an:

5. Projektlaufzeit

Januar 2020 – Juni 2023

6. Infos

Datum
Status
Projektstatus
"aktiv" Die Teilnahme ist jederzeit möglich!
August 2022
Start der neuen Workshop-Reihe “International” – Customs, VAT & export control for cross-border activities
Mai 2022
Start der neuen Workshop-Reihe “E-Commerce”
Februar – März 2022
Workshop-Reihe “Social Media / Mailing / Online Presence” erfolgreich abgeschlossen.
Juni bis Dezember 2021
Juni – Dezember 2021 -  Workshop-Reihe “Digitales Marketing“ erfolgreich abgeschlossen.
März 2021
Am 25. März 2021 fand das erste, grenzüberschreitende Webinar “Die Bedeutung der Digitalisierung für das internationale Wachstum” statt.
Februar 2021
Die ersten Interviews mit Unternehmen sind erfolgreich gestartet.
November 2020
Artikel "Alles eine Frage der Klickrichtung" ein Interview mit dem Geschäftsführer von "aixcon PowerSystems“ - Simon Gerads, erschienen in den Wirtschaftlichen Nachrichten 11/2020
Ende Sommer 2020
Start "Fragebogen zur Bedarfsanalyse der Fragebogen zur Bedarfsanalyse ist online

7. Artikel aus IHK-Zeitschrift: “Alles eine Frage der Klickrichtung”

Wie ein Stolberger Industrie-Anlagenbauer durch das Projekt "DigitSME“ neue Kunden im Ausland gewinnen will

Es war wohl so etwas wie ein Schlüsselerlebnis mit Keyword: "Wir hatten traumhaft schöne Klickzahlen“, erinnert sich Simon Gerads,  aber von Interessenten, die niemals unsere Kunden werden.“ Wohnmobilbesitzer und Camping-Fans auf ihrer Internetsuche nach "Brennstoffzellen“ gehören schlichtweg nicht zur Zielgruppe der aixcon PowerSystems GmbH aus Stolberg. Dass sie sich durch die Web-Anzeige des weltweit aktiven Industrie-Anlagenbauers dennoch angesprochen fühlten, liegt im nicht immer selbsterklärenden Geschäft des Online-Marketings begründet. Für digitale Kompetenz und internationale Stärke: Was Simon Gerards zusammen mit seinen zwei Mitstreitern als Geschäftsführer in zweiter Generation in Eigenregie auf den Weg gebracht hat, soll dank einer neuen Initiative für Unternehmen aus der Euregio mit professioneller Begleitung zum Ziel führen, "DigitSME“ nennt sich das von der IHK Aachen mit ins Leben gerufene Interreg-Projekt, das Betrieben sämtlicher Branchen noch gut drei Jahre lang offensteht.
"Das Programm bietet die Chance, das internationale Geschäft durch Digitalisierung voranzubringen, sich neue Potenziale in bislang unerreichten Märkten zu erschließen und Partner in der Euregio oder gar darüber hinaus kennenzulernen“, erklärt Dr. Gunter Schaible, Geschäftsführer der IHK Aachen für den Bereich "International, Verkehr und Handel“. Die bis Ende Juni 2023 laufende Initiative gliedert sich in drei Schwerpunkte. Am Anfang steht die Beantwortung eines Fragebogens, der dabei helfen soll, den Status quo und den Bedarf des jeweiligen Unternehmens zu ermitteln. Anschließend sollen die durch die Fragebögen aufgeklärten Anliegen und Bedarfe in Einzel­Interviews mit den Betrieben vertieft werden. Daneben sollen Schwerpunkte für Workshops erarbeitet werden, an denen die Betriebe kostenfrei teilnehmen können. Den Abschluss bildet ein gezieltes Coaching, das den Start oder die Ausweitung des internationalen Geschäfts fördern soll. "Das Besondere an diesem Projekt ist der aktive Austausch sowohl mit Experten als auch der Teilnehmer untereinander“, betont Schaible.
Zu den Teilnehmern gehört auch Simon Gerards, der mit seinem 20 Mitarbeiter starken Ausbildungsbetrieb in Stolberg Produkte der Leistungselektronik entwickelt und herstellt – etwa Anlagen zum Schweißen, Beschichten, für Brennstoffzellen und viele weitere Anwendungen. "Dabei geht es oft um spezifische Sonderanfertigungen, um jedem Kunden die beste Integration in sein vielleicht schon vorhandenes System zu gewährleisten“, erklärt der 32 Jahre junge Geschäftsführer. Marketing hat in dem 26 Jahre alten Betrieb lange Zeit auf klassischem Wege stattgefunden; die internationale Ausrichtung hat es indes immer schon gegeben. 1994 gegründet, befindet sich "aixcon PowerSystems“ seit 2018 in der zweiten Geschäftsführungs­Generation. "Wir sind weltweit tätig – dementsprechend müssen wir auch weltweit Marketing betreiben“, sagt Gerads: "Der mit Abstand effektivste Weg ist mittlerweile der über das Internet.“
"Internationales Online-Marketing ist schon ein gewaltiger Aufwand für einen Betrieb, der in diesem Bereich nicht gerade als Spezialist unterwegs ist.“ Simon Gerads, Geschäftsführer der aixcon PowerSystems GmbH.
Sich als mittelständisches Unternehmen seiner Größenordnung – noch dazu in der Corona­Krisenzeit – bei Messen professionell zu präsentieren, bedeute ein vergleichsweise "gigantisches Investment“, meint Gerads. Schon vor zwei Jahren habe das Unternehmen deshalb großen Wert darauf gelegt, allem voran seine Internetseite neuzugestalten und mit gezielter Suchmaschinenoptimierung zu beginnen. "Das ist schon ein gewaltiger Aufwand für einen Betrieb, der in diesem Bereich nicht gerade als Spezialist unterwegs ist“, bilanziert Gerads. Dabei kann sich das Unternehmen durchaus sehen lassen: Im Bereich des Verbundrohrschweißens gilt "aixcon PowerSystems“ mit seinen Anlagen als Marktführer, "weil wir aus dem Stand heraus jede beliebige Länge ohne jeglichen Produktionsabfall herstellen können“, sagt Gerads. Bloß: Wie lässt man das einen riesigen Markt potenzieller Interessenten wissen?
Den "DigitSME“-Fragebogen zur Bedarfsanalyse hat Gerads bereits beantwortet. Die Ergebnisse waren ihm indes schon vorher klar, denn: Als sich das Unternehmen vor Kurzem bereits einer eigenen Bedarfsanalyse unterzogen hatte, wurde für den Geschäftsführer offensichtlich, "dass der deutsche Markt gar nicht mehr unser primäres Ziel ist“. Bedarfe gebe es vielmehr anderswo – etwa in den USA: "Die haben das Produkt noch gar nicht erkannt“, sagt Gerads, dessen Betrieb mit Ausnahme von Australien schon Kunden auf jedem Kontinent beliefert hat. Um das Auslandsgeschäft weiter voranzutreiben, hat Gerads gezielte Web-Werbekampagnen für den internationalen Markt auf den Weg gebracht: Nachdem Ende Mai zunächst Deutschland dran war, hat "aixcon Power Systems“ im vergangenen Juli den englischsprachigen Raum ins Visier genommen. Das Online-Marketing biete mit Blick auf internationale Märkte und Kundenakquise eine wesentlich komfortablere, weil buchstäblich weitreichendere Möglichkeit als die klassischen Instrumente der Werbung.
"Das Programm bietet die Chance, sich neue Potenziale und Partner in bislang unerreichten Märkten zu erschließen.“ Simon Gerads, Geschäftsführer der aixcon PowerSystems GmbH
Das war und ist auch den Initiatoren von "DigitSME“ bewusst – von den Industrie- und Handelskammern in der Euregio Maas-Rhein bis zur "Zuyd Hogeschool“, von der "Agence du Numérique“ bis zur "Basse-Meuse Développement“. Trotz bereits selbst gemachter Schritte hegt Gerads hohe Erwartungen an das von der Europäischen Union geförderte Projekt und damit auch an das bevorstehende Coaching: "Online-Marketing ist für uns letztlich ein komplett neuer Bereich. Deshalb wäre es optimal, wenn wir am Ende eine Strategie dazu an der Hand haben, wie wir das hinbekommen, ohne dabei unser Alltagsgeschäft zu vernachlässigen.“
von Mischa Wyboris