Mexiko
Wirtschaft und Außenhandel
Wirtschaft und Außenhandel
Zum ersten Mal seit der Staatsgründung hat Mexiko Anfang Juni 2024 eine Frau zur Präsidentin gewählt. Claudia Sheinbaum trat das Amt am 1. Oktober an und wird für sechs Jahre regieren, eine Wiederwahl ist nicht möglich. Sie gehört der Partei Morena des noch amtierenden Staatschefs López Obrador an, gilt jedoch als pragmatischer und weniger populistisch. Die Physikerin dürfte den Ausbau der erneuerbaren Energien ankurbeln, der unter López Obrador ins Stocken geraten ist. Sie will aber die sozialpolitische Bewegung ihres Vorgängers ("Vierte Transformation") fortführen und hat bereits eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns um inflationsbereinigt 50 Prozent während ihrer Amtszeit angekündigt.
Wirtschaftsentwicklung: Mittelfristig über 2 Prozent Wachstum erwartet
Mexikos Wirtschaft profitiert vom Nearshoring. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Die Economist Intelligence Unit (EIU) rechnet zwischen 2024 und 2028 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um real 2,2 Prozent pro Jahr. Ungewissheit über die politische Linie von Sheinbaum könnte jedoch einige Investoren vorerst zögern lassen.
Ein weiterer Risikofaktor sind die US-Wahlen im November. Ein Machtwechsel beim Nachbarn im Norden könnte zu bilateralen Spannungen führen. Darüber hinaus wird 2026 das USMCA-Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada einer Revision unterzogen. Auch die schlechte Sicherheitslage in einigen Landesteilen sowie der sich zuspitzende Wassermangel stellen Mexiko auf die Probe.
Attraktive Produktionsbedingungen, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie das USMCA-Abkommen ziehen dennoch viele Unternehmen ins Land. Die ausländischen Direktinvestitionen (FDI) erreichten 2023 mit 36,1 Milliarden US-Dollar ein Rekordniveau und zogen im 1. Quartal 2024 nochmals um 9,1 Prozent an.
Rund die Hälfte der FDI stammen aus den angrenzenden USA, so das mexikanische Wirtschaftsministerium (Secretaría de Economía). An zweiter Stelle stand im 1. Quartal 2024 Deutschland, auf das 9 Prozent entfielen (1,7 Milliarden US-Dollar). Allerdings wird China in der Statistik nicht aufgelistet. Die Prüfungsgesellschaft Deloitte schätzt, dass chinesische Unternehmen derzeit noch mehr in Mexiko investieren als Firmen aus Deutschland.
Deutsche Großinvestitionen finden vor allem im Automobilsektor statt: Im Juni 2024 kündigte Audi an, für rund 1 Milliarde US-Dollar den Standort im Bundesstaat Puebla für die Produktion von Elektroautos zu erweitern. Eine ähnliche Investition hatte Volkswagen Anfang des Jahres bekannt gegeben. BMW gibt rund 900 Millionen US-Dollar für die Herstellung von Elektrofahrzeugen ab 2027 in San Luis Potosí aus.
Verschiedene Zölle treffen die mexikanische Wirtschaft
Seit Anfang März 2025 gilt beim Import mexikanischer Waren in die USA ein Zoll in Höhe von 25 Prozent. Damit soll Druck auf Mexiko ausgeübt werden, den Zufluss von Drogen und die illegale Migration einzudämmen. Kurz nach Inkrafttreten des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) befreite die US-Regierung von diesem Zoll jedoch Waren, die im Rahmen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA gehandelt werden.
Zusätzlich gelten verschiedene Zölle gemäß Sektion 232 des Trade Expansion Act, die den Präsidenten der USA dazu bevollmächtigt, aus Gründen der nationalen Sicherheit Sonderzölle zu erlassen. Vor allem der Zoll auf Kfz und Kfz-Teile (25 Prozent) wirkt sich negativ auf Mexiko aus. Sogar bei Fahrzeugen, die die Ursprungsregeln des USMCA-Abkommens erfüllen, fällt auf nicht-US-amerikanische Komponenten der Zusatzzoll an. Auch die Zölle auf Einfuhren bestimmter Stahl-, Aluminium- und Kupfererzeugnisse in Höhe von 50 Prozent sorgen bei vielen exportorientierten Unternehmen für zusätzliche Kosten.
Mexikos Wirtschaft sieht sich im internationalen Wettbewerb benachteiligt, da etwa die EU und Japan Zölle von nur 15 Prozent mit den USA aushandeln konnten. Sie wartet auf die vertraglich festgelegte Revision des USMCA, die für Juli 2026 angesetzt ist. Zu befürchten ist, dass die US-Regierung diesen Prozess eher als eine Neuverhandlung des Abkommens angeht. Insider gehen davon aus, dass sich Unternehmen in Mexiko auf höhere Mindestanteile lokaler Wertschöpfung (regional value content) und auf Lohnvorgaben (labor value content) einstellen müssen.