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IHK Aachen diskutiert mit Logistikprofis über Wege aus der Krise
Die Blockade der Straße von Hormus verdeutlicht, wie verwundbar globale Lieferketten sind – mit direkten Auswirkungen für Unternehmen und Konsumenten aus der Städteregion Aachen und aus den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen hat deshalb die jüngste Sitzung ihres Verkehrsausschusses genutzt, um mit rund 60 Unternehmerinnen und Unternehmern aus der Transport- und Logistikbranche – Deutschlands drittgrößtem Wirtschaftsbereich – resiliente Logistikketten und deren Bedeutung für die heimische Wertschöpfung und Versorgungssicherheit in den Fokus zu rücken.
Eine aktuelle Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zum Krieg im Nahen Osten unterstreicht dessen Ausmaß für die Wirtschaft: 85 Prozent der rund 4.500 weltweit befragten deutschen Unternehmen im Ausland spüren bereits die Folgen des Konflikts. Mehr als die Hälfte meldet massive Störungen ihrer Lieferketten.
Passend zum bundesweiten “Tag der Logistik” traf sich der Verkehrsausschuss der IHK Aachen auf dem Advanced Logistics Campus der Spedition Hammer in Eschweiler. Gemeinsam mit Experten aus der Wissenschaft diskutierten die Unternehmerinnen und Unternehmer über zentrale Lösungsansätze wie die Stärkung kritischer Infrastruktur, neue Chancen durch Kreislaufwirtschaft und den Aufbau regionaler Wasserstoffkapazitäten als Alternative zu importabhängigen Kraftstoffen.
Die Botschaft der Logistikprofis ist unmissverständlich:
“Ohne Plan B und C sind Unternehmen heute nicht mehr überlebensfähig”, unterstreicht Holger Ortwig, Executive Director Sales der Hammer GmbH.
In der Praxis bedeutet das: Alternativrouten und Ausweichterminals fest in die Planung integrieren, Abhängigkeiten von einzelnen Routen, Häfen oder Zulieferern reduzieren, Kapazitäten auf mehrere Partner verteilen und durch Tourenoptimierung und Telematik Leerfahrten und Dieselverbrauch konsequent reduzieren. Auch engere Kooperationen in der Region und neue Geschäftsmodelle der Kreislaufwirtschaft erhöhen die Versorgungssicherheit und Wertschöpfung vor Ort.
Ingo Malsbenden von der Moeller Internationale Spedition + Logistik GmbH aus Düren, Gerhard Gudergan vom FIR an der RWTH Aachen und Marko Schuba von der FH Aachen sind sich einig: Resiliente Logistik erfordert das Zusammenspiel von diversifizierten Lieferquellen, robusten IT-Systemen, regionalen Partnerschaften und innovativen Technologien. Grüner Wasserstoff und alternative Kraftstoffe sollten mittelfristig eine tragfähige Alternative bilden und die Importabhängigkeit beim Diesel verringern.
Mit Blick auf das aktuelle Reformpaket der Bundesregierung fasst Philipp Piecha, Teamleiter Standort und Infrastruktur bei der IHK Aachen, den Tenor der Unternehmerinnen und Unternehmer zusammen:
“Die befristete Senkung der Energiesteuer kann kurzfristig Druck von Betrieben und Pendlern nehmen – entscheidend ist aber, dass die Entlastung auch tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt und durch mehr Transparenz sowie wirksame kartellrechtliche Kontrolle abgesichert wird. Dauerhaft bezahlbare Mobilität erreichen wir nicht mit immer neuen Tankrabatten, sondern mit verlässlichen Rahmenbedingungen wie einer widerstandsfähigen Infrastruktur und weniger staatlich bedingten Standortkosten.”
Der Verkehrsausschuss der IHK Aachen appelliert an die Politik, kurzfristige Hilfen mit einer langfristigen Strategie für Infrastruktur, Energie und Mobilität zu verbinden – damit Logistikbetriebe in der Region auch in Krisenzeiten lieferfähig bleiben und Versorgungssicherheit gewährleisten können.