Mental Health First Aid

Erste Hilfe für die Psyche

Die Anforderungen an Ausbilderinnen und Ausbilder wachsen kontinuierlich. Neben fachlicher Anleitung rückt die mentale Gesundheit von Auszubildenden zunehmend in den Fokus. Wer hier frühzeitig unterstützt, kann Ausbildungsabbrüche vermeiden und Konflikte lösen. Zum Glück gibt es für diese wichtige Aufgabe niedrigschwellige Kursangebote für “Mental Health First Aid” (MHFA). Sie liefern das nötige Handwerkszeug und sensibilisieren passgenau für das Thema.

Die Rolle des Ausbilders wandelt sich

Die Vorbereitung und Prüfung nach Ausbildereignungsverordnung (AEVO) legt eine wichtige Grundlage für die Praxis als Ausbilderin oder Ausbilder. Doch die Realität im Ausbildungsalltag ist komplexer geworden: Junge Menschen reagieren sensibler auf psychische Belastungen. Verhaltensauffälligkeiten im Arbeitsalltag sind nicht immer nur eine Frage der Disziplin. Oft stecken handfeste Sorgen, Nöte oder Probleme dahinter.
Viele Ausbildungsverantwortliche kennen diese Unsicherheit: Ein Azubi wirkt verändert, zieht sich zurück oder ist unkonzentriert. Man ahnt, dass “etwas nicht stimmt”. Doch wie spricht man eine solche Vermutung an, ohne Grenzen zu überschreiten? Wie diskutiert man das im Kollegenkreis, ohne zu urteilen? Genau hier setzt Erste Hilfe für psychische Gesundheit an.

Was ist Mental Health First Aid (MHFA)?

Das Programm “Mental Health First Aid” schult Laien darin, bei psychischen Problemen Erste Hilfe zu leisten – ähnlich wie bei einem Erste-Hilfe-Kurs für körperliche Notfälle. Wichtig: Es geht nicht darum, Diagnosen zu stellen oder zu therapieren. Das ist und bleibt die Aufgabe von Fachleuten.
Der Kurs vermittelt vielmehr die Kompetenz, erste Anzeichen zu erkennen und gibt Sicherheit, auf Betroffene zuzugehen. Teilnehmende lernen:
  • Erste Anzeichen psychischer Probleme zu erkennen
  • Ein unterstützendes Gespräch zu führen
  • Aktiv und vorurteilsfrei zuzuhören
  • Den Weg zu professioneller Unterstützung zu ebnen
Das Ziel: Eine erste, niederschwellige Hilfe anbieten und Auszubildende zurück “in die Spur” bringen – und damit Ausbildungsabbrüche vermeiden.

Das können Sie jetzt tun

  • Sensibilisieren Sie Ihr Umfeld: Sprechen Sie mit anderen Ausbildungsverantwortlichen über die Bedeutung von mentaler Gesundheit. Oft hilft schon der Austausch, um Verhaltensweisen von Azubis anders einzuordnen.
  • Reflektieren Sie Ihren Umgang: Wie reagieren Sie, wenn ein Azubi Verhaltensänderungen zeigt? Sehen Sie es als reines Disziplinproblem oder ziehen Sie andere Ursachen in Betracht?
  • Informieren Sie sich über MHFA: Die Kurse sind oft online verfügbar und mit überschaubarem Aufwand im Hinblick auf Kosten und Zeit verbunden. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung zur AEVO-Qualifikation – für jeden mit Personalverantwortung!
  • Bauen Sie Brücken: Machen Sie Ihren Azubis deutlich, dass sie bei Problemen auf Sie zukommen können. Zeigen Sie auf, welche internen und externen Anlaufstellen es gibt.

Die IHK unterstützt Sie

Die Ausbildung von Fachkräften ist eine zentrale Aufgabe der IHK Aachen. Dazu gehört auch, Auszubildende in schwierigen Phasen zu begleiten. Wir beraten Sie zu allen Fragen rund um die Ausbildung und möchten Sie ermutigen, Ihre Rolle als Ausbilderin oder Ausbilder zu stärken – auch durch neue Kompetenzen im Bereich der mentalen Gesundheit.
Weiter Informationen, Erste Hilfe für Psychische Gesundheit in Unternehmen und Organisationen und Kurse finden Sie bei MHFA Ersthelfer, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim.
Diese Kolumne ist Teil der Serie von Ulrich Ivens und erscheint regelmäßig im IHKmagazin.