30 Prozent des entwickelten Garns bestehen aus sogenannten Post-Consumer Recyclingfasern, die restlichen 70 Prozent aus neuer Baumwolle. Aus diesem Garn wurden erneut Frottierhandtücher gewebt.
Forschung und Industrie gehen Hand in Hand
Eine zentrale Rolle spielte das Recycling Atelier der Technischen Hochschule Augsburg, das den Recyclingprozess wissenschaftlich begleitete. „Alttextilien sind ein enormes Rohstofflager, quasi ein riesiges Baumwollfeld direkt vor der Haustür“, sagt Georg Stegschuster, Leiter des Recycling Ateliers. „Bei den aktuellen Sammelmengen und der Zusammensetzung rangiert Deutschland unter den Top fünf der baumwollproduzierenden Länder. Unser Ziel war es, dieses Potenzial anhand eines klar definierten Materialstroms praktisch nutzbar zu machen.“ Als Ausgangsmaterial dienten weiße Bettwäsche und Bettlaken aus dem Mietwäschesegment. Die Erkenntnisse aus dem Labor wurden in der Industrie bestätigt: Bei der Verarbeitung der recycelten Fasern ist mit erhöhter Staubentwicklung zu rechnen und die Maschinengeschwindigkeit muss gedrosselt werden. Der neu gewebte Stoff weist am Ende des Prozesses nicht denselben Weiß grad auf, wie Neuware – doch es lohnt sich dennoch, wie Analysen eines Umweltinstituts zeigen.
Messbarer Umweltvorteil
Begleitet wurde das Projekt vom Bifa Umweltinstitut. Dessen Analyse zeigt: Trotz eines höheren technischen Aufwands spart das Recyclinggarn im Vergleich zu reiner Neuware CO2, Wasser und landwirtschaftliche Fläche ein. Der ökologische Vorteil liegt bei rund 21 Prozent. „Wenn es gelingt, selbst stark beanspruchte Textilien aus der Mietwäsche wieder in einen funktionierenden Kreislauf zu überführen, eröffnet dies neue Perspektiven für viele weitere Anwendungen“, sagt Andreas Merkel, Geschäftsführer der Gebr. Otto. Denkbar seien künftig unter anderem feinere Garne, andere Heimtextilien oder auch neue Materialkonzepte mit definierten Recyclinganteilen. Gleichzeitig könne das Projekt Impulse für den Textilmaschinenbau liefern, um Maschinen und Prozesse künftig noch besser auf die Verarbeitung von Recyclingfasern auszulegen.