die WIRTSCHAFT | Das Magazin
Nr. 7049372
3 min Lesezeit
Fachartikel

Motive verstehen, Leistung fördern – eine Einordnung

Seit einigen Jahren hält sich das Bild von der angeblich antriebsarmen, freizeitorientierten Jugend. Solche Zuschreibungen verunsichern manche Arbeitgeber. Doch sie greifen zu kurz, denn Motivation entsteht nicht im luftleeren Raum – und schon gar nicht einheitlich innerhalb ganzer Generationen. Hohe Motivation zeigt sich, wenn Menschen engagiert Ziele verfolgen und auch bei Widerständen dranbleiben. Unternehmen wünschen sich genau das. Grundlage jeder Motivation sind jedoch die Motive jedes Einzelnen: individuelle Werthaltungen, die Orientierung geben. Dazu zählen etwa materieller Wohlstand, Leistungsstreben, Work-Life-Balance oder soziale Anerkennung. Wie stark diese Motive ausgeprägt sind, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Motive allein erzeugen noch keine Leistung. Erst wenn das Arbeitsumfeld die Auszubildenden und Mitarbeiter anspricht, entsteht Motivation zur Leistung. Arbeitgeber sollten deshalb nicht nur Signale senden, dass sich Leistung „lohnt“, sondern dabei auch die individuellen Motive ihrer Beschäftigten kennen und berücksichtigen: Wer stark materiell orientiert ist, reagiert auf leistungsabhängige Vergütung. Wer Freizeit hoch gewichtet, wird eher durch flexible Arbeitszeiten oder Effizienzmodelle motiviert. Gute Leistung setzt also kein ausgeprägtes Leistungsmotiv voraus. Unterschiedliche Motive können zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Diese gezielte Ansprache nennt man Motivierung.

Individuelle Motive statt Generationenklischees

Voraussetzung für wirksame Motivierung ist es, die Motive der Beschäftigten zu kennen. Die Diskussionen und Medienberichte rund um die „Generation Z“ vermitteln dabei oft den Eindruck, alle Angehörigen dieser Gruppe hätten ähnliche Motive. Ein Blick in die Forschung relativiert das jedoch deutlich: Unterschiede zwischen Altersgruppen werden häufig überschätzt. Zwar zeigen sich im Durchschnitt gewisse Tendenzen – etwa eine etwas höhere Bedeutung von Work-Life-Balance bei Jüngeren. Gleichzeitig sind ihnen im Mittel Aspekte wie Einkommen keineswegs weniger wichtig, teils sogar wichtiger. Auch beim Leistungsstreben liegen sie nicht zurück. Entscheidend ist jedoch: Innerhalb der Gruppe sind die Unterschiede viel größer als zwischen den Generationen. Millionen junger Menschen lassen sich nicht auf ein einheitliches Motivprofil reduzieren. Häufig ähneln sich Menschen stärker entlang von Beruf, Bildung oder Lebensumständen als entlang ihres Geburtsjahres. Motive entstehen durch individuelle Sozialisation – etwa durch familiären Hintergrund, Bildungserfahrungen oder berufliche Ziele – und verändern sich mit der Lebensphase. Wer zum Beispiel kleine Kinder hat, setzt andere Prioritäten als zuvor; später können sich diese wieder verschieben.

Motivlage erkennen und realistisch nutzen

Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen sollten die individuelle Motivlage ihrer Auszubildenden und Mitarbeitenden verstehen. Nur so lässt sich gezielt ansetzen. Gleichzeitig braucht es Realismus: Nicht jedes Unternehmen kann jedes Motiv bedienen. Diese Passung sollte bereits bei der Personalauswahl berücksichtigt werden. So wird es etwa ein Betrieb mit begrenzten finanziellen Spielräumen schwer haben, Bewerber mit stark ausgeprägtem Einkommensmotiv langfristig zu binden.

Leistung ist mehr als Motivation

Wichtig ist zudem, Motivation nicht zu überschätzen. Leistung entsteht im Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Fachliche Kompetenzen, kognitive Fähigkeiten und – je nach Beruf – soziale Kompetenzen sind mindestens ebenso entscheidend. Wer ausschließlich auf Motive schaut, greift zu kurz.
Fazit: Weg von Pauschalurteilen, hin zur individuellen Betrachtung. Wer Motive versteht, kann Motivation gezielt fördern – und damit die Grundlage für Leistung schaffen, die zu den Anforderungen des Unternehmens passt.
IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
Tel. 0731 173-0
E-Mail: info@ulm.ihk.de