Unternehmensumfrage 2026

Going International Baden-Württemberg

Zur Einschätzung des internationalen Geschäftsumfelds wurden im Rahmen der Umfrage „Going International“ bundesweit 2.400 Unternehmen befragt. Aus dem Südwesten beteiligten sich 241 Firmen. Deren Rückmeldungen wurden von der IHK Region Stuttgart nochmals separat für Baden-Württemberg ausgewertet.

Geschäftslage und -perspektiven

Das Geschäftsklima im Ausland bleibt für die Südwestunternehmen angespannt. Die aktuelle Lage wird überwiegend kritisch eingestuft, auch wenn die Einschätzungen nicht mehr ganz so negativ ausfallen wie im Jahr zuvor. Insgesamt ergibt sich für die momentane Geschäftssituation ein Saldo von minus 14 Punkten, da 35 Prozent der Befragten ihre Lage als schlecht (2025: 40 Prozent) und 21 Prozent als gut (2025: 18 Prozent) einordnen.
Auch der Blick nach vorne zeigt ein insgesamt verhaltenes Stimmungsbild. Zwar rechnen etwas mehr Unternehmen mit einer positiven Entwicklung als im Jahr 2025, doch erwartet eine deutliche Mehrheit keine spürbare Erholung. So prognostizieren 22 Prozent eine Verschlechterung ihrer internationalen Geschäfte (2025: 29 Prozent), während 15 Prozent eine Verbesserung vermuten (2025: 13 Prozent). Daraus ergibt sich ein Saldo von minus sieben Punkten.
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Die internationale Geschäftsklima der Südwestunternehmen zeigt ein äußerst differenziertes Bild. Während einige Märkte erste Erholungsimpulse senden, bleibt die Stimmung in anderen Regionen weiterhin gedämpft. Die folgenden Einschätzungen verdeutlichen, wie unterschiedlich sich die Einschätzungen je nach Weltregion präsentieren und wohin der Blick für künftige Chancen besonders gerichtet ist:
Nordamerika
In Nordamerika bleibt die wirtschaftliche Grundstimmung verhalten. Zwar berichten 23 Prozent der befragten Südwestunternehmen von einer guten Geschäftslage, doch 27 Prozent melden Schwierigkeiten, was zu einem negativen Saldo von vier Punkten führt. Besonders herausfordernd zeigt sich weiterhin der US-Markt: 35 Prozent der Firmen bewerten ihre aktuelle Situation als ungünstig, während 23 Prozent positive Rückmeldungen geben (Saldo: minus zwölf Punkte). In Kanada (Saldo: minus ein Punkt) und Mexiko (Saldo: minus zwei Punkte) halten sich positive und negative Einschätzungen zwar weitgehend die Waage, sie tendieren jedoch leicht ins Negative. Etwas anders sieht es bei den Erwartungen für die kommenden Monate aus. In den USA überwiegt mit einem Erwartungssaldo von minus 29 Punkten weiterhin die Skepsis. Für Mexiko blicken die Unternehmen hingegen zunehmend optimistisch nach vorn (Saldo: elf Punkte) und für Kanada gibt es mit einem Saldo von drei Punkten zumindest erste positive Signale.
Süd- und Mittelamerika
Die Situation in Süd- und Mittelamerika hat sich im Vergleich zum letzten Jahr zwar verbessert, doch bleibt das Gesamtbild weiterhin überwiegend kritisch: 18 Prozent der Befragten bewerten ihre wirtschaftliche Lage als gut, wohingegen 30 Prozent von schwierigen Verhältnissen berichten. Das daraus resultierende Saldo von minus zwölf Punkten liegt zwar nach wie vor im negativen Bereich, stellt im Vergleich zu minus 26 Punkten im Vorjahr jedoch eine deutliche Besserung dar. Von einer grundlegenden Erholung kann allerdings noch nicht ausgegangen werden. Die Einschätzungen für das zukünftige Geschäft zeigen zurückhaltenden Optimismus. 15 Prozent der Firmen erwarten eine Verbesserung und 12 Prozent eine Verschlechterung (Saldo: drei Punkte). Uneinheitlich bleiben hingegen die Einschätzungen für die Mercosur-Staaten, in denen sich positive und negative Zukunftsbewertungen exakt ausgleichen (Saldo: null Punkte).
Europa
Freundlicher fällt die Geschäftsbeurteilung für einige Teile Europas aus. Während im Vorjahr noch Zurückhaltung dominierte, überwiegen nun positive Rückmeldungen. Für die Eurozone wird ein Saldo von elf Punkten gemeldet, für die übrige EU einschließlich der Schweiz und Norwegen ein Wert von zwölf Punkten. Beim Blick in die Zukunft bleibt die Stimmung jedoch gedämpft. In der Eurozone rechnen 20 Prozent der Südfestfirmen mit besseren Geschäften, während 17 Prozent eine Abschwächung erwarten (Saldo: drei Punkte). Etwas besser fallen die Prognosen für die übrige EU aus: Hier überwiegen die Optimisten mit einem Verhältnis von 19 zu 13 Prozent (Saldo: sechs Punkte). Herausforderungen bestehen vor allem in Ost- und Südosteuropa sowie im Vereinigten Königreich, wo sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen negativ beurteilt werden.
Asien
Auch in Asien wird die derzeitige Geschäftssituation grundsätzlich positiv eingeschätzt (Saldo: sieben Punkte). Zugleich treten zwischen den einzelnen Märkten aber deutliche Unterschiede zutage. In China halten sich positive und negative Antworten nahezu die Waage (Saldo: null Punkte), was auf eine verhaltene Entwicklung hindeutet. Besser fällt die Einschätzung in Indien aus. Dort berichten 35 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen von einer guten Geschäftssituation, während 25 Prozent von Schwierigkeiten sprechen (Saldo: zehn Punkte). Beim Blick nach vorn verstärken sich diese Unterschiede nochmals. In China erwarten 15 Prozent der befragten Firmen eine Verbesserung, während 20 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. Dies führt zu einem negativen Erwartungssaldo von minus fünf Punkten. In Indien überwiegt dagegen klar der Optimismus. Dort rechnen 35 Prozent der Befragten mit besseren Geschäften in den nächsten Monaten, und 18 Prozent befürchten eine schlechtere Geschäftsentwicklung (Saldo: 17 Punkte). Daraus ergibt sich für Asien insgesamt ein moderat positives Zukunftsbild (Erwartungssaldo: zwei Punkte).
Weitere Weltregionen
Deutlich zurückhaltender beurteilen die Südwestunternehmen die Lage in den übrigen Weltregionen. Für den Nahen Osten, die Türkei, Nordafrika, Subsahara‑Afrika sowie Russland fallen sowohl die aktuellen Geschäftseinschätzungen als auch die Erwartungen per Saldo negativ aus. Die Entwicklungspotenziale dieser Märkte werden derzeit als begrenzt wahrgenommen.
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Fazit: Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Zukunftserwartungen der Südwestunternehmen besonders stark auf Indien gerichtet sind. Der Markt dort überzeugt mit deutlich positiven Einschätzungen und gilt als vielversprechende Zielregion für weiteres Wachstum. Zugleich behalten die Unternehmen ihre etablierten wirtschaftlichen Verbindungen im Blick. Die Eurozone sowie die übrige EU inklusive der Schweiz und Norwegen bleiben zentrale Wirtschaftsräume, die auch zukünftig eine wichtige Rolle im internationalen Geschäft spielen werden.

Globale Handelshemmnisse

Immer mehr Südwestunternehmen empfinden den internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr als zunehmend durch Handelsbarrieren erschwert. Rund 77 Prozent der befragten Firmen berichten, in den vergangenen zwölf Monaten eine Zunahme solcher Hemmnisse wahrgenommen zu haben. Im Vergleich zum Vorjahr (2025: 67 Prozent) bedeutet dies einen weiteren Anstieg. Ein langfristiger Rückblick verdeutlicht die Dimension dieser Entwicklung: Vor zehn Jahren gaben lediglich 32 Prozent der Unternehmen an, im Auslandsgeschäft auf spürbare Hürden zu stoßen. Heute hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt.
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Erhöhte Zölle zählen für die baden-württembergischen Unternehmen zu den am stärksten wahrgenommenen Handelshemmnissen. Unter den Betrieben, die eine Zunahme internationaler Hürden registriert haben, berichten 78 Prozent von gestiegenen Zollbelastungen im vergangenen Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Anteil mehr als verdoppelt. Die Dynamik dieser Entwicklung ist so ausgeprägt, dass andere Hemmnisarten im Vergleich an Bedeutung verlieren.
Neben tarifären Maßnahmen belasten auch nichttarifäre Handelshemmnisse den grenzüberschreitenden Austausch. Besonders häufig nennen die Unternehmen lokale Zertifizierungspflichten, die vor einer Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen im Zielland erfüllt werden müssen. 49 Prozent der von Handelshemmnissen betroffenen Firmen sehen sich mit solchen Anforderungen konfrontiert. Diese Form der Regulierung ist in mehreren Weltregionen zu beobachten, darunter Nordamerika, insbesondere die USA, wichtige asiatische Märkte wie China und Indien sowie die Eurozone.
Strengere Exportkontrollen stellen besonders für exportorientierte Unternehmen ein relevantes Hemmnis dar. Längere Genehmigungsprozesse führen zur wachsenden Planungsunsicherheit. Unter den Befragten, die verstärkte internationale Hürden wahrgenommen haben, betrachten 43 Prozent die verschärften Exportkontrollregime als erhebliche Herausforderung. Besonders im Handel mit den Vereinigten Staaten, China, der Türkei sowie innerhalb der Eurozone berichten Unternehmen von entsprechenden Einschränkungen.
Sanktionen zählten vor zwei Jahren noch zu den am stärksten wahrgenommenen Handelshemmnissen: Damals nannten 63 Prozent der Südwestunternehmen sie als Belastung. In diesem Jahr wurden sie mit 37 Prozent deutlich seltener genannt und rangieren nun auf Platz vier. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Sanktionen weniger relevant geworden wären. Vielmehr haben andere Barrieren, wie höhere Zölle oder strengere Exportkontrollen, in der Wahrnehmung der Unternehmen erheblich an Gewicht gewonnen.
Auch verschärfte Sicherheitsanforderungen stellen eine Hürde im internationalen Geschäft dar. 37 Prozent der baden-württembergischen Unternehmen berichten von Schwierigkeiten im Zusammenhang mit unterschiedlichen Produktsicherheitsvorgaben. Besonders anspruchsvoll werden die Regelwerke in den Vereinigten Staaten und in der Eurozone eingeschätzt.
Mangelnde Rechtsklarheit bleibt ein weiteres strukturelles Problem. 26 Prozent der Südwestfirmen beklagen eine intransparente Gesetzgebung in ihren Zielmärkten, die Planung und Markteintritt erschweren.
Die Verpflichtung zu Local Content, also die Vorgabe, einen bestimmten Anteil der Wertschöpfung im Zielland zu erbringen, stellt für 18 Prozent der international tätigen Unternehmen ein Hindernis dar. Im Vergleich zum Vorjahr (15 Prozent) ist dieser Anteil leicht gestiegen. Solche Anforderungen erhöhen den organisatorischen Aufwand und können Investitionen verteuern, da Produktionsschritte und Beschaffungsprozesse an lokale Vorgaben angepasst werden müssen.
Der Zugang zu öffentlichen Aufträgen (sieben Prozent) sowie die Vorgaben zum Technologietransfer (drei Prozent) werden von den Befragten weiterhin als Handelshemmnisse wahrgenommen. Im Vergleich zu anderen Hürden fallen sie jedoch weniger stark ins Gewicht.
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Lokale Handelshemmnisse

Der Austausch von Waren und Dienstleistungen über die Landesgrenzen hinweg wird nicht nur durch internationale Barrieren erschwert, sondern auch durch eine Reihe von hausgemachten Hindernissen. Insgesamt klagen 86 Prozent der auslandsaktiven Südwestunternehmen über Hürden, die ihren Ursprung im nationalen oder europäischen Regulierungsrahmen haben.
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Zu den größten Bremsfaktoren zählt der umfangreiche bürokratische Aufwand, der mit internationalen Geschäftsbeziehungen verbunden ist. Dies wird besonders bei den administrativen Anforderungen durch Ausfuhrbehörden deutlich. Genehmigungen des BAFA, Exportkontrollen, Zolldokumentationen oder Investitionsprüfverfahren führen bei vielen Unternehmen zu spürbaren Verzögerungen. Rund die Hälfte der Südwestfirmen (51 Prozent), die im Auslandsgeschäft auf heimische Hürden stoßen, beklagt diesen hohen Aufwand.
Ein weiterer wesentlicher Belastungsaspekt sind die Sorgfalts- und Berichtspflichten entlang der Lieferketten. 46 Prozent der Betroffenen verweisen auf die Anforderungen aus der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) oder dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Vorgaben erfordern detaillierte Dokumentationen und komplexe Compliance-Strukturen, was insbesondere für mittelständische Betriebe einen zusätzlichen Aufwand bedeutet.
Auch die zunehmenden Auflagen für Verpackungen entwickelt sich in zu einer spürbaren Hürde. 35 Prozent der Südwestfirmen berichten von einer Belastung durch neue Verpackungsregulierungen. Hintergrund sind insbesondere die bevorstehenden Anpassungen an die EU‑Verpackungsverordnung (PPWR), die ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen EU‑Mitgliedstaaten gilt. Die PPWR ist deutlich strenger und umfangreicher als die bisherigen Richtlinien und bringt weitreichende Anforderungen mit sich. Ein zentraler Bestandteil ist die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility), nach der Unternehmen für den gesamten Lebenszyklus ihrer Verpackungen verantwortlich sind.
Die Umsetzung des EU-CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) stellt ebenfalls international tätige Unternehmen vor Herausforderungen. 31 Prozent der Umfrageteilnehmer, die heimische Hindernisse wahrnehmen, sehen darin eine Belastung. Die verpflichtende Erfassung und Meldung produktbezogener Emissionsdaten, die Nachweisführung entlang globaler Wertschöpfungsketten sowie die künftig notwendige Abgabe von CBAM‑Zertifikaten erhöhen die Komplexität der Geschäftsprozesse.
Neben den bereits genannten Punkten gibt es noch weitere Faktoren, die den internationalen Geschäftsverkehr einschränken. So stellt die Beantragung von Visa für Mitarbeitende oder Geschäftspartnerinnen und -partner für 23 Prozent der Südwestunternehmen ein erhebliches Hindernis dar. Nahezu ebenso viele Befragte (22 Prozent) berichten von zusätzlichem Aufwand durch vorbereitende Maßnahmen im Zusammenhang mit der neuen EU-Entwaldungsverordnung. Zudem fühlen sich 21 Prozent im freien Waren- und Dienstleistungsverkehr innerhalb des EU-Binnenmarkts eingeschränkt. Weitere acht Prozent sehen Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierungen für Auslandsengagements.

Auswirkungen eines “Buy European”-Ansatzes

In einer Zeit, in der protektionistische Tendenzen weltweit zunehmen, stellt sich auch für Europa die Frage, ob eine strategische Bevorzugung lokaler Wertschöpfung ein geeignetes Instrument sein könnte, um die heimische Industrie zu stärken und Abhängigkeiten zu verringern. Doch welche direkten Auswirkungen hätte ein solcher „Buy‑European“-Ansatz für die Unternehmen?
Eine deutliche Mehrheit der baden‑württembergischen Unternehmen (77 Prozent) geht davon aus, dass ein solcher Ansatz spürbare Auswirkungen für ihre Geschäftstätigkeiten hätte. Dabei werden sowohl Risiken als auch mögliche Chancen gesehen:
Besonders groß ist die Sorge vor zusätzlicher Bürokratie. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) erwartet eine Zunahme bürokratischer Prozesse, etwa durch zusätzliche Herkunftsnachweise. Diese könnten den Verwaltungsaufwand weiter erhöhen und betriebliche Abläufe verlangsamen. Ein weiteres Risiko sehen 44 Prozent der Firmen in möglichen Gegenreaktionen wichtiger Handelspartner, die den Zugang zu Drittstaatenmärkten erschweren könnten. Zudem rechnen 36 Prozent mit steigenden Produktionskosten, wenn Teile der Wertschöpfungskette nicht mehr global, sondern stärker regional organisiert werden müssen. Ein Viertel der Südwestunternehmen (25 Prozent) befürchtet den Verlust von Lieferanten und neun Prozent sehen sogar die Gefahr, sich langfristig vom EU-Binnenmarkt abwenden zu müssen.
Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die auch positive Effekte für möglich halten. So gehen 48 Prozent davon aus, dass sich ihre Wettbewerbsposition im EU-Binnenmarkt verbessern könnte, wenn europäische Anbieter gegenüber globalen Konkurrenten bevorzugt würden. Ein Viertel der Betriebe (25 Prozent) kann sich vorstellen, die Produktion bei einem „Buy European“-Ansatz in die EU zurückzuverlagern. Für 18 Prozent käme sogar eine Rückverlagerung nach Deutschland infrage.
Auch wenn es auf den ersten Blick verlockend erscheinen mag, protektionistisch zu handeln, zeigen die Ergebnisse deutlich: Die Sorge von negativen Folgen überwiegt die Hoffnung auf Vorteile. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Südwestfirmen stark in den internationalen Handel eingebunden und global verflochten sind.

Auswirkungen der US-Handelspolitik

Ein Jahr nach dem Amtsantritt der Trump-Regierung zeigt sich immer deutlicher, wie stark die veränderten handelspolitischen Rahmenbedingungen die Unternehmen in Baden‑Württemberg belasten. 89 Prozent der Befragten berichten, dass ihre Geschäftsaktivitäten von der aktuellen US‑Handelspolitik beeinträchtigt werden.
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Besonders gravierend wirkt die mangelnde Planbarkeit, die 66 Prozent der Unternehmen aufgrund der politischen Unsicherheit als größte Herausforderung im US‑Geschäft einstufen. Zusätzlich erschweren steigende Kosten im Zuge von Zollverfahren sowie ein zunehmender bürokratischer Aufwand den transatlantischen Handel, was 63 Prozent der Firmen als spürbare finanzielle und administrative Belastung bewerten. Weiter nennen über die Hälfte der Unternehmen den Basiszollsatz von 15 Prozent (57 Prozent) sowie die Zölle auf Stahl, Aluminium, Kupfer und deren Derivate (56 Prozent) als wesentliche Hürden. Rund die Hälfte sieht zudem die sinkende Wettbewerbsfähigkeit im US‑Markt (50 Prozent) und die Instabilität der Finanzmärkte, insbesondere beim Euro‑Dollar‑Wechselkurs (46 Prozent), als zusätzliche Risikofaktoren. 37 Prozent der befragten Unternehmen kämpft darüber hinaus mit den Exportkontrollen und Sanktionen der US‑Regierung, die zunehmend auch Drittmärkte betreffen, während 35 Prozent Sorgen vor neuen sektoralen Zöllen äußern und 13 Prozent bereits bestehende sektorale Zölle als Belastung benennen. Insgesamt entsteht so ein komplexes Belastungsbild, das für viele Unternehmen die Planung und den Marktzugang in den USA nachhaltig erschwert.
Die Reaktion der Südwestunternehmen auf die höheren Zollkosten ist eindeutig. Der Großteil der exportierenden Firmen (60 Prozent) passt die Preise an und gibt die zusätzlichen Zollkosten überwiegend an Kunden oder Importeure weiter. 18 Prozent tragen die Belastungen selbst, was unmittelbar zu einer Verringerung der Gewinnmarge führt. Weitere 13 Prozent der Südwestunternehmen wählen einen Mittelweg und verteilen die Zollkosten sowohl auf das eigene Unternehmen als auch auf ihre Kundschaft, um die Belastungen abzufedern. Neun Prozent der Firmen haben schließlich ihre Exporte in die USA reduziert, um zusätzliche Zollkosten ganz zu vermeiden.
Auf die Investitionspläne der Südwestunternehmen in den Vereinigten Staaten wirkt sich die US-Handelspolitik unterschiedlich aus: 38 Prozent der Firmen halten an ihren bestehenden Investitionsvorhaben fest und sehen derzeit keinen Anlass für Anpassungen. Gleichzeitig verschieben 29 Prozent ihre geplanten Investitionen vorerst und reagieren damit vorsichtig auf die aktuellen Rahmenbedingungen. Weitere 19 Prozent planen eine Reduzierung ihres Engagements als direkte Antwort auf die Zollpolitik der Vereinigten Staaten. Nur ein kleiner Teil zeigt sich investitionsbereit. Lediglich sieben Prozent möchten ihre Investitionen in den USA ausweiten und acht Prozent ziehen neue Projekte oder eine Verlagerung von Investitionen in die Vereinigten Staaten in Betracht.

Methodik

Im Rahmen der DIHK-Umfrage, die vom 2. bis 26. Februar 2026 durchgeführt wurde, wurden bundesweit 2.400 auslandsaktive Unternehmen befragt. Aus Baden-Württemberg beteiligten sich insgesamt 241 Unternehmen. Über zwei Drittel der Rückmeldungen (68 Prozent) stammen von kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten. Das verbleibende Drittel verteilt sich auf größere Firmen: Zwölf Prozent der teilnehmenden Unternehmen beschäftigen 250 bis 499 Mitarbeitende, neun Prozent 500 bis 999 sowie weitere neun Prozent 1.000 bis 3.000 Personen. Zwei Prozent der Umfrageteilnehmer gehören mit mehr als 3.000 Beschäftigten zu den Großunternehmen.
Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen (69 Prozent) stammt aus dem verarbeitenden Gewerbe. Weitere elf Prozent der Rückmeldungen entfallen auf den Handel und zehn Prozent auf Dienstleistungsunternehmen. Ein Prozent der Antworten kommt aus dem Baugewerbe. Die verbleibenden neun Prozent verteilen sich auf sonstige Branchen.
Die befragten Unternehmen nennen im Durchschnitt zwei unterschiedliche Formen von Auslandsgeschäften. Am verbreitetsten ist dabei der Export aus Deutschland. 89 Prozent der Teilnehmenden sind auf diese Weise international aktiv. Darüber hinaus verfügen 44 Prozent der Unternehmen über eigene Tochtergesellschaften oder Niederlassungen im Ausland. Ein weiteres Viertel (24 Prozent) importiert Waren nach Deutschland zum Weiterverkauf, und 21 Prozent betreiben eine Repräsentanz oder ein Vertriebsbüro im Ausland. 20 Prozent arbeiten im Rahmen selbstständiger Kooperationen mit ausländischen Partnern zusammen. 16 Prozent beziehen Produkte oder Vorleistungen aus dem Ausland zur Weiterverarbeitung in Deutschland. Jeweils neun Prozent sind über Joint Ventures bzw. Allianzen oder über E‑Commerce in internationalen Märkten präsent. Zudem führen acht Prozent Forschung und Entwicklung im Ausland durch, während ein Prozent im Transithandel tätig ist.

Hintergrundinformationen zur Umfrage

Seit 2005 führt der DIHK die bundesweite Umfrage „Going International“ durch, die jährlich in enger Zusammenarbeit mit den 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland konzipiert und umgesetzt wird.
Ihre Wurzeln hat die Befragung jedoch in Stuttgart: Bereits 2003 entstand hier die erste Ausgabe, mit dem Ziel, Unternehmen bei ihren internationalen Aktivitäten gezielt zu unterstützen und ihnen praxisnahe Orientierung zu bieten. Aufgrund des großen Erfolgs wurde die Studie vom DIHK – unter Beteiligung der IHKs – übernommen und seither kontinuierlich weiterentwickelt.
Die bundesweite Auswertung der Going International Umfrage finden Sie auf der Website der DIHK.