Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen schon vor Invasion auf Talfahrt

Umfrage Going International: DIHK-Sonderauswertung BRD-Russland

Aufgrund aktueller geopolitischer Risiken beurteilen die deutschen Unternehmen ihre Lage und Perspektive hinsichtlich ihres Russlandgeschäfts überwiegend negativ. Das geht aus einer Sonderauswertung der noch unveröffentlichten IHK-Umfrage „Going International 2022“ unter knapp 2.700 auslandsaktiven Unternehmen hervor, die vom 31. Januar bis zum 11. Februar durchgeführt wurde. Rund 1.200 der befragten Unternehmen (rund 45 Prozent) haben Geschäftsbeziehungen zu Russland.

Schon Anfang Februar trübe Perspektiven für das Russlandgeschäft

Die Hälfte der deutschen Unternehmen mit wirtschaftlichen Verbindungen nach Russland hat sowohl die Lage und als auch die Perspektive seiner entsprechenden Geschäfte bereits vor dem Einmarsch in die Ukraine negativ beurteilt. Die Geschäftsaussichten haben sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert.
Während die aktuelle Geschäftslage noch ähnlich wie in den Vorjahren beurteilt werden – die deutschen Unternehmen haben ihr  Russlandgeschäft stets zurückhaltend bewertet – wird die Perspektive für die kommenden Monate so schlecht wie zuletzt 2014/15 in der gesamten Eurasischen Region nach der Annexion der Krim durch Russland beurteilt.
In keinem Land der Welt wurde die Geschäftsaussichten bereits zum Zeitpunkt der Umfrage in der ersten Februarhälfte negativer beurteilt als in Russland. Lediglich 15 Prozent der Unternehmen gaben an, gute Geschäfte mit Russland zu machen.
Der DIHK rechnet jetzt mit einer weiteren Eintrübung, da zu den bestehenden Handelshemmnissen nun auch weitere Sanktionen der EU und der USA kommen. 

Handelshemmnisse schränken Geschäfte ein

Unabhängig von der aktuellen geopolitischen Lage und den damit verbundenen Sanktionen sind die Unternehmen mit Russland-Geschäft längst stark von Handelshemmnissen betroffen. Vor allem die bereits bestehenden Sanktionen der USA und der EU sowie russische Gegenmaßnahmen beschränken die Geschäftsbeziehungen deutscher Unternehmen.
2022, wie bereits in den Jahren davor, wurden bestehende EU-Sanktionsregime bestätigt und Personenlistungen ausgeweitet. Zusätzliche Handelshemmnisse bestehen etwa in Form von komplexen Zertifizierungsanforderungen und Zusatzzöllen für in Russland und den anderen Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) vertriebene Produkte wie Maschinen oder elektrotechnische Geräte.

Exportländer Rangplatz 14 – Anzahl deutscher Fimen in Russland rückläufig – Direktinvestitionen gestiegen

Laut Angaben der AHK Russland haben immer mehr deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahren den russischen Markt verlassen: Die Anzahl Firmen mit deutschem Kapital betrug 2011 noch 6.300 Unternehmen und hat sich seitdem fast halbiert. Aktuell sind noch 3.651 Firmen mit deutschem Kapital in Russland registriert. Die AHK Russland erwartet angesichts zahlreicher Probleme eine weitere Abwanderung aus Russland. Bereits 2021 sank die Zahl deutscher Unternehmen in Russland um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts betrug das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Russland im Jahr 2021 knapp 60 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Exporte nach Russland im Wert von rund 27 Mrd. Euro und Importe aus Russland im Wert von rund 33 Mrd. Euro. Im Ranking der bundesdeutschen Außenhandelspartner liegt die Russische Föderation auf Platz 13. Der Handel konnte sich im Jahr 2021 nach dem pandemiebedingten Einbruch in 2020 erholen.
In der Liste der wichtigsten Exportpartner Deutschlands belegt Russland 2021 den 14. Platz mit einem Umsatzvolumen von 27 Mrd. Euro. Im Jahr 2013, vor dem 2014er-Embargo, betrug der Wert der BRD-Exporte nach Russland noch rund 36 Mrd. Euro. Das Land lag damals auf Platz 11 der Top Exportländer.
Durch den Trend beziehungsweise die Notwendigkeit zur Lokalisierung stiegen in den vergangenen Jahren die deutschen Direktinvestitionen in Russland. Sie betrugen laut Bundesbank 2019 24,6 Mrd. Euro (2014: 16,6 Mrd. Euro). Deutsche Unternehmen gehören damit zu den aktivsten ausländischen Investoren in Russland.

Download-PDF und Kurz-Website mit Grafiken

Auf der Website des Deutschen Industrie- und Handelskammertages finden Sie eine Kurzversion der Auswertung mit Schaubildern.
Das PDF zum Download und Druck (PDF-Datei · 1569 KB)bietet eine etwas ausführlichere Betrachtung.
Aktuelle Wirtschaftsinformationen zur Russland-Ukraine-Krise finden Sie auch auf der DIHK-Website.