Wirtschaftliche Entwicklung

Konjunkturbericht
I. Quartal 2022

Krieg in Europa, Wirtschaft in großer Sorge

Die wirtschaftliche Lage im Elbe-Weser-Raum bleibt im Frühjahr 2022 weiterhin gedämpft. Nach dem Ergebnis der Konjunkturumfrage der IHK Stade ist die gegenwärtige Situation mehrheitlich zwar zufriedenstellend, die Aussichten sind jedoch ungewiss. Hohe Preise für Energie und Vorprodukte sowie der Krieg in der Ukraine belasten die Unternehmen. 
Während die Stimmung im Baugewerbe zugelegt hat, hat die Lageeinschätzung in allen anderen Branchen abgenommen, wenngleich unterschiedlich stark. Über alle Wirtschaftszweige hinweg bewerten weniger Unternehmen als zuvor ihre Lage als gut (31 Prozent; Vorquartal: 36 Prozent). Für 58 Prozent (zuvor: 52 Prozent) ist das Quartal zufriedenstellend verlaufen. Zwölf Prozent sprechen von einer schlechten Geschäftslage.

Sorge vor dem Energielieferstopp

Nach der Corona-Pandemie sind der Ukraine-Krieg und seine Auswirkungen die nächste Belastungsprobe für die Wirtschaft. Die Ungewissheit über die Entwicklung in den nächsten Tagen und Wochen belastet die Unternehmen. Die Erwartungshaltung ist stark gefallen. Jeder zweite Betrieb (51 Prozent; zuvor: 27 Prozent) rechnet mit einem eher ungünstigeren Geschäftsverlauf. Nur acht Prozent (zuvor: 17 Prozent) gehen von einer gegenteiligen Entwicklung aus.
Als größtes Risiko erachten die Unternehmen die Energie- und Rohstoffpreise. Die Lage auf den Beschaffungsmärkten bleibt angespannt. Die Lieferketten sind weiterhin gestört, die Materialverfügbarkeit in vielen Branchen stark eingeschränkt. Neben der Knappheit berichten 76 Prozent der Betriebe von höheren Einkaufspreisen für Waren und Vorprodukte. Bei den Kosten für Energie beklagen 87 Prozent höhere Preise. Branchenübergreifend berichten 35 Prozent von einer schlechteren Ertragslage, wenn gleich die Finanzlage in den meisten Unternehmen noch unproblematisch ist. Zudem stellen sich immer mehr Unternehmen die Frage, wie sicher die Energieversorgung ist. Eine weitere Eskalation des Krieges sowie ein Stopp russischer Energielieferungen würde die Situation weiter verschärfen. 

Weitere Preissteigerungen in Sicht

Nicht nur an den Beschaffungsmärkten sind höhere Preise zu zahlen, sondern auch für erhaltene Dienstleistungen. 58 Prozent berichten zudem von höheren Arbeitskosten. Branchenübergreifend haben vier von zehn Unternehmen ihre Preise bereits erhöht. Die Inflationsrate hatte im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,3 Prozent zugelegt. Aufgrund weiterer Preissteigerungen dürfte sie noch länger auf einem höheren Niveau verbleiben.  So beabsichtigen 41 Prozent der Betriebe, künftig ihre Preise anzuheben. 14 Prozent planen keine Erhöhung bzw. können diese beispielsweise aufgrund langfristiger Verträge oder fehlender Kundenakzeptanz nicht durchsetzen.
Information zur Umfrage: 367 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum wurden befragt; 228 Unternehmen haben geantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 62,1 Prozent. 
Die regionalen Ergebnisse fließen ein in die Konjunkturreporte des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Diese berichten über die Lage und Erwartungen der deutschen Unternehmen.