Wirtschaftliche Entwicklung

Konjunkturbericht
IV. Quartal 2022

Bessere Stimmung zum Jahresende – Ausblick bleibt verhalten

Die Lageeinschätzung der Unternehmen im Elbe-Weser-Raum verbessert sich zum Jahresende. Zu diesem Schluss kommt das Ergebnis der Konjunkturumfrage der IHK Stade für das IV. Quartal 2022. Der Ausblick auf das Jahr 2023 bleibt dennoch verhalten. 
Die Unternehmen im Elbe-Weser-Raum erleben derzeit eine Stagflation, also eine wirtschaftliche Stagnation bei gleichzeitig hoher Inflation. Obwohl die Rezession im vergangenen Jahr verhindert wurde, überwiegt die Unsicherheit bei den Unternehmen angesichts der multiplen Herausforderungen. 
Ein Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass sich die Stimmung der Unternehmen im Elbe-Weser-Raum zum Jahresende verbessert hat. Die Bekleidungseinzelhändler hatten ein zufriedenstellendes Weihnachtsgeschäft, sie konnten ihre Umsätze steigern und die Ertragslage verbessern. Die globale Nachfrage nach Investitionsgütern stärkt die ausländischen Auftragseingänge beim Maschinenbau und der Elektrotechnik. Positive Signale kommen zudem vom Hochbau und den Banken. Ein milder Winter und volle Gasspeicher zum Jahresende 2022 haben den Unternehmen einige Sorgen genommen. Zudem haben sich die äußerst negativen Erwartungen aus dem Vorquartal nicht bestätigt. Insgesamt bewerten 27 Prozent der Betriebe (Vorquartal: 22 Prozent) das IV. Quartal als gut, 56 Prozent (zuvor: 53 Prozent) sind zufrieden. 

Neues Jahr – alte Risiken

Im neuen Jahr besteht allerdings weiterhin ein unsicheres Umfeld aus Ukrainekrieg, Inflation, Konsumzurückhaltung sowie wirtschaftlicher Abkühlung. Hinzu kommt ein Arbeitskräftemangel, der mittlerweile in allen Branchen einen limitierenden Faktor darstellt. Vor diesem Hintergrund bleibt die Erwartungshaltung der Betriebe an die kommenden Monate pessimistisch. Nur fünf Prozent (zuvor: zwei Prozent) rechnen mit einer besseren Entwicklung. Weniger Unternehmen als im Herbst, aber dennoch mehr als jedes zweite (53 Prozent; zuvor: 81 Prozent) geht hingegen von einem eher ungünstigeren Geschäftsverlauf im Jahr 2023 aus.
Die Energie- und Rohstoffpreise bleiben das größte Geschäftsrisiko, auch wenn die Betroffenheit im Vergleich zum Vorquartal etwas nachgibt (80 Prozent; zuvor: 87 Prozent). Eine Entwarnung ist das aber nicht. Nach wie vor gibt es auf den Beschaffungsmärkten Schwierigkeiten. Einige Unternehmen berichten von einem höheren Logistikaufwand, teilweise ist die Materialverfügbarkeit weiterhin eingeschränkt. Zudem beklagen die Unternehmen die hohen Energiekosten.

Wirtschaftshilfe und Preisbremsen

Einige Unternehmen profitieren von langfristigen Lieferverträgen bei Strom und Gas bzw. erzeugen mittels alternativer Energien wie etwa einer Photovoltaikanlage ihren Strom selbst. Alle anderen sind durch die gestiegenen Strom-, Gas und Kraftstoffpreis zum Handeln gezwungen. Ein Großteil der Unternehmen versucht, Energie einzusparen. Jeder zweite Betrieb gibt die gestiegenen Kosten an seine Kunden weiter. Allerdings lässt nicht jedes Marktumfeld weitere Preissteigerungen zu. Rund 50 Prozent investieren in Energieeffizienzmaßnahmen. Auf der anderen Seite stellt hingegen jedes fünfte Unternehmen geplante Investitionen zurück, um den finanziellen Spielraum zu vergrößern. 
Inwiefern die vom Bund auf den Weg gebrachten Strom-, Gas- und Wärmepreisbremsen eine spürbare Entlastung bieten, bleibt abzuwarten. Jedes zweite Unternehmen hält sich mit einer Bewertung zurück. Für einen Großteil der Betriebe greift die Gas- und Wärmepreisbremse erst ab März, dann aber auch rückwirkend für Januar und Februar. Darüber hinaus unterstützt das Land Niedersachsen mit der „Wirtschaftshilfe KMU“ kleine und mittlere Unternehmen, die besonders hart von den Energiepreissteigerungen betroffen sind. Anträge können dafür bei der NBank ab dem 23. Februar gestellt werden.
 
Information zur Umfrage: 366 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum wurden befragt; 224 Unternehmen haben geantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 61,2 Prozent. 
Die regionalen Ergebnisse fließen ein in die Konjunkturreporte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Diese berichten über die Lage und Erwartungen der deutschen Unternehmen.